Von Gleichberechtigung noch weit entfernt

Von: Désirée Müller
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Frauen fragten, Bürgermeisterkandidaten antworten: Rudi Bertram, Gabriele Pieta, Dr. Christoph Herzog und Albert Borchardt (von links) standen den vorwiegend weiblichen Gästen beim Weltfrauentag Rede und Antwort. Rudi Bertram: „Wir müssen in die Wirtschaft herein, um beispielsweise neue Kindergärten gemeinsam mit Firmen zu schaffen.” Gabriela Pieta: „Arbeitgeber und Gewerkschaften sollten flexible Arbeitsplätze speziell für Mütter anbieten.” Dr. Christoph Herzog: „Das Einbinden ältererer Generationen ist wichtig, wenn es um die Betreuung von Kindern geht.” Albert Borchardt: „Wir brauchen mehr Bolz- und Spielplätze, damit Kinder auch im Nachmtitag und in den Ferien versorgt sind.” Foto: Desiree Müller

Eschweiler. „Die ganz großen Bewegungen sind mittlerweile vorbei. Trotzdem gibt es heute noch immer massive Ungleichheit und versteckte Diskriminierung gegenüber Frauen” - Gleichstellungsbeauftragte Sigrid Harzheim muss es wissen.

Als Vorsitzende des Eschweiler Frauennetzwerkes, dem 30 Frauen aus indestädtischen Verbänden, Vereinen, Parteien und sozialen Einrichtungen angehören, erlebt sie fast täglich mit, wie Frauen auch in der heutigen Zeit immer noch Anpassungskämpfe in allen Bereichen ihres Lebens führen müssen.

Die Vision der Frauenpolitik ist daher ganz eindeutig: „Alle Menschen sollen unabhängig von ihrem Geschlecht die gleichen Chancen haben”, erläuterte Harzheim die grundlegende Botschaft des Internationalen Frauentages.

Dieser wurde am Sonntag auch in Eschweiler begangen. Die Bürgermeisterkandidaten der kommenden Kommunalwahl (darunter eine Frau) standen den vielen Gästen Rede und Antwort. Ein Kabarett über das Suchen nach der großen Liebe rundete die vom Frauennetzwerk organisierte, dreistündige Veranstaltung ab.

„Ist der Frauentag überhaupt noch zeitgemäß?”, fragte die erste stellvertretende Bürgermeisterin Helen Weidenhaupt in ihrer Begrüßung. Auch heute seien Themen wie die Reduzierung von Arbeitsstunden bei gleichbleibendem Lohn, die nach dem Ersten Weltkrieg aufklang, immer noch aktuell.

„Und solange wir den Frauentag begehen, ist klar, dass immer noch keine vollständige Gleichberechtigung vorhanden ist”, so Weidenhaupt. Für die anschließende Fragestunde mit den Bürgermeister-Kandidaten hatte das Frauennetzwerk die Anregungen der Mitglieder aufgenommen und einen Fragenkatalog mit den für die Frauen wichtigsten Themengebieten entwickelt.

Kinderbetreuung

Im Gespräch mit der Journalistin Ingrid Leifgen standen Rudi Bertram (SPD), Dr. Christoph Herzog (CDU), Gabriele Pieta (Bündnis 90/Die Grünen) und Albert Borchardt (Die Linke) dem vollen Saal im Talbahnhof Rede und Antwort. Die Frage nach den Beweggründen für die Bürgermeister-Kandidatur beantworteten die vier Kommunalpolitiker sehr unterschiedlich: Während der amtierende Bürgermeister Rudi Bertram „die erfolgreiche Arbeit der vergangenen Jahre fortführen” möchte, hielt sein Gegenkandidat Albert Borchardt dagegen, dass er die Stadt „wieder nach vorne bringen will”.

Studienrätin Gabriele Pieta möchte mit ihrer Kandidatur „grüne Themen in den Fokus rücken”, und Dr. Chrisopth Herzog zeigen, „dass es auch noch andere gute Bürgermeister außer Rudi Bertram” gibt.

Konkret nach Frauenthemen in den Wahlprogramm gefragt, waren sich die vier auf dem Podium relativ einig: Generelle Gleichberechtigung für Frauen im Berufseben und natürlich die Betreuung von Kindern werden die bestimmenden Themen aller vier Parteien sein. Während der Künstler Albert Borchardt bei Maßnahmen für die Familienfreundlichkeit vor allem Bolz- und Spielplätze bevorzugt, geht Dr. Christoph Herzog eher von besseren Betreuungsmöglichkeiten und dem Einbinden der älteren Generation aus.

Rudi Bertram setzt vor allem auf den Ausbau der Ganztagsschulen und die städtischen Vereine, während Gabriele Pieta in ihrer Rolle als Mutter mehr Frauen- und Familienparkplätze fordert.

Auch der mittlerweile vielfach in den Raum geworfene Ausdruck „Gender Mainstreaming” (Gleichstellungs-Orientierung) und seine praktische Anwendung wurde diskutiert. Bürgermeister Rudi Bertram machte allerdings darauf aufmerksam, dass man diesen zwar auch in der Verwaltung umsetzen könne, er in der Öffentlichkeit aber nicht genügend angekommen sei. „Statt auf diesem Begriff herumzureiten, sollte sich die Gleichberechtgung der Frau praktisch zeigen”, so Bertram. Er sieht vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf für Frauen als eine allumfassende gesellschaft-gemeinschaftliche Aufgabe”.

Dr. Christoph Herzog appellierte an entsprechende Organisationen, dafür zu sorgen, dass beispielsweise Teilzeitarbeitsplätze für Frauen angeboten werden. Auch Gabriela Pieta forderte neben der gleichen Bezahlung von Mann und Frau flexible Arbeitszeiten. Denn: „Wir Frauen werden gebraucht und können nicht zurück an Heim und Herd - und das ist auch gut so”.

Nach dem eher sachlichen Teil wurde es im Talbahnhof dann frech-fröhlich-spritzig. In ihrer musikalischen Kabarett-Comedy-Dating-Doku-Show” zeigte die Künstlerin Renate Coch, was man bei der Online. Suche nach dem Traummann so alles erleben kann. Unter dem Motto Renate CochT vor Liebe” erzählte die Kabarettistin, dass sie über ein Internet-Dating-Portal alleine in der Indestadt genau 2678 Partnervorschläge bekommen habe. „Mit 76 davon telefoniere ich regelmäßig, 100 davon haben mir Liebesbriefe geschickt, der Rest erhält meinen Newsletter, aber geschlafen habe ich bisher noch mit keinem”, lautet ihr Fazit. Die Kosten für den Spaß: 179 Euro für ein halbes Jahr. Aber: „Man muss ja schon was investieren, wenn du am Ende eine gute Rente raus haben willst”, zeigte Renate Coch frech einen entscheidenden Vorteil der ganzen Liebesgeschichte(n) auf.

Gordon geht nach Hause

Besonders „Gordon” aus dem Publikum musste für die Späße der Kabarettistin herhalten. Er bekam ein Gedicht als „Vertretungsfriese” und auch sonst ließ Renate Coch keinen Zweifel an ihrem Interesse für „Gordon”. Mit der Geschichte um David, der nur von seiner Exfreundin erzählt, endete das amüsante Stück. Übrigens: Bei „Gordon” hat Renate Coch dann trotz aller Versuche doch keine Chance: „Der geht nämlich gleich gemeinsam mit meiner Schwester wieder nach Hause”, meinte Sigrid Harzheim zum Abschluss der informativ-witzigen Veranstaltung schmunzelnd.
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