Von Duellen und Hundekot-Tüten: Vier Ex-Ratsmitglieder blicken zurück

Von: Patrick Nowicki
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Politisch nicht immer einer Meinung, aber stets engagiert: Willi Heidbüchel (SPD), Willi Koch (SPD), Barbara Olbrich (UWG) und Franz-Josef Dittrich (CDU) feierten nun im Rathaus ihren Abschied von der politischen Bühne. Sie gehören dem neuen Stadtrat nicht mehr an. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Treffen der Generationen: Hier SPD-Urgestein Willi Heidbüchel (1969 erstmals im Rat), dort Barbara Olbrich (UWG-Mitbegründerin, die 1994 auf Anhieb 13 Prozent der Stimmen erhielt). Dazwischen Willi Koch (SPD) und Franz-Josef Dittrich (CDU), zwei ebenfalls altgediente Kommunalpolitiker: Alle vier verließen die politische Bühne vor wenigen Wochen. Sie haben einiges zu erzählen.

Jeder aus seiner Zeit. Jeder aus seiner Sicht. „Als ich anfing, gab es noch sechs Rathäuser in Eschweiler!”, meint Willi Heidbüchel die verschiedenen Verwaltungsstellen in der Stadt. Als er 1969 in den Stadtrat gewählt wurde, hatte noch die CDU an der Inde das Sagen.

Das änderte sich schlagartig, als im Zuge der kommunalen Neugliederung die Gemeinden Kinzweiler, Dürwiß und Weisweiler einverleibt wurden. „Die Genossen kamen mit stolzgeschwellter Brust nach Eschweiler und brachten uns aus ihrer Sicht zwei Freibäder und drei Festhallen mit - schon damals dachte ich an die Folgekosten”, erinnert sich Heidbüchel.

Es wurde mehr Platt gesprochen damals. Und es ging wesentlich höher her in den Ratssitzungen - meist geprägt von zwei Gegenpolen. Jakob Kohl (CDU) und Erich Berschkeit (SPD), Christian Nießen (CDU) und Albert Wegmann (SPD) hießen die Wortführer in den 70er und 80er Jahren, die sich heftige Duelle lieferten.

Der raue Ton im Rat hatte auch weiter reichende Konsequenzen: Mehrmals boykottierte die CDU die Weihnachtsfeier zum politischen Jahresabschluss.

Politisch bunter wurde es dann in den 80er Jahren, als erstmals die Grünen in den Stadtrat einzogen. In dieser Zeit ereignete sich auch eine der aufregendsten Ratssitzungen, als der damalige SPD-Bürgermeister Günter Wagner der Grünen-Fraktion sogar mit der Polizei drohte, weil sie sich nicht an die Geschäftsordnung halte.

Die UWG erlebte 1994 einen rasanten Aufstieg. Auf Anhieb gab es sieben Sitze im Stadtrat. Die CDU ergriff damals die Gelegenheit beim Schopfe, die rote Vorherrschaft an der Inde zu durchbrechen, und kooperierte mit der UWG. „Ich kann mich noch daran erinnern, wie wir drei Stunden lang über Hundekot-Tüten diskutiert haben, bis ich mich fragte: Was machen wir eigentlich hier?”, erzählt Barbara Olbrich.

Die Andekdoten der vier gestandenen Kommunalpolitiker würden ganze Bücher füllen, so viel gibt es zu berichten. In einem sind sie sich einig: „Ich habe es gerne gemacht”, spricht Franz-Josef Dittrich allen aus der Seele.

Er besitzt noch die Unterschriften, die die CDU in den 80er Jahren gegen den Verkauf des Alten Rathauses sammelte. Und im „neuen” Rathaus? „Da müssen die Jüngeren jetzt ran”, meinen Willi Heidbüchel und Willi Koch. Dort geht es weiter. Nur irgendwie anders als damals.
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