Eischwiele - Von der Waggeserei auf den Narrenthron

Von der Waggeserei auf den Narrenthron

Von: Dirk Müller
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Pripro Wolfgang II.
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Studenten haben‘s schwer, er nicht: Thomas Schlenter.
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Josi Brandt kehrte zum Jubiläum ihrer Burgwache in die Bütt zurück.
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Tradition: Hofnarr Tobias Wienands hielt der Stadt den Narrenspiegel vor.
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Akrobatik pur: Die Showtanzgruppe der KG Nothberger Burgwache erkundete am Samstag die Höhenluft der Dürwisser Festhalle.
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Oh, wie ist das schön: Prinz Wolfgang II. und sein Zeremonienmeister Frank genossen den Jubel bei der Proklamation. Foto: Dirk Müller
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Ließen die legendären „Maatwieve“ der Gebrüder Sieberichs aufleben: Charlotte Schröteler und Patrick Nowicki von der KG Narrengarde Dürwiß.
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Kombinierte auf der Bühne Tanz und Schlagerklänge miteinander: die Gruppe Musical Key aus Eschweiler. Hier Jessica Hellenbrandt und Jürgen Sachadä von der KG Kirchspiel Lohn.

Eischwiele. Auch wenn Hunderte Jecken ausgelassen in der Festhalle Dürwiß gefeiert haben – keiner genoss die rundum gelungene Proklamation so sehr wie Wolfgang Rosenfeld. Nachdem er als Rosenkavalier und sympathischer Stimmungsmacher triumphal in den Saal eingezogen war, zweifelte niemand aus dem Narrenvolk daran, dass die kommenden fünfeinhalb Wochen ein großes rauschendes Fest sein werden, und die Eischwiele Fastelovend sich mit Prinz Wolfgang II. von seiner besten Seite zeigen wird.

 An der Seite des närrischen Regenten wiederum steht mit dem Zeremonienmeister Frank (Neuss) ein guter Freund, und beide strahlten feinste rheinischen Heiterkeit aus, waren vom ersten bis zum letzten „Eischwiele Alaaf“ des langen Abends mit ganzem Herzen dabei.

Und das, obwohl Zeremonienmeister Frank es viele Jahre nicht leicht im Leben hatte: Seine Jugendzeit sei trist gewesen, karnevalistischen Frohsinn habe er nicht gekannt, da er in Aachen aufgewachsen sei, beschrieb Komiteepräsident Norbert Weiland. Für Wolfgang II. war Weiland zwar voll des Lobes, schränkte in einem Punkt jedoch ein: „Wer Bayern München preist als die besten im Land, beweist wohl eher geringen Fußballverstand.“

Nachdem der „Herzog Pittermännche – van de Waggeserej bes nom Korkes“, Wolfgang II., mit Prinzenmütze, Pritsche und Prinzenstern ausgestattet war, gab es für ihn und seinen Zeremonienmeister, dem „Graf Prentemann – van de Bendemöll bes an de Kneppmöll“ Glückwünsche und Geschenke. So überbrachten der stubenälteste Ex-Prinz Ralf Bolz und der Ex-Zeremonienmeister Matthias Delhey Präsente, und Bürgermeister Rudi Bertram überreichte dem Prinzen den Stadtschlüssel mit einem guten Ratschlag: „Nun versuch‘ nicht, damit irgendwelche Tresore im Rathaus zu öffnen, da ist doch eh kein Geld drin“, flachste Betram mit Blick auf aktuelle Geschehnisse.

Die frisch inthronisierte Tollität richtete rührende erste Worte ans Narrenvolk: „Was soll ich groß sagen. Für mich ist heute der schönste Traum in Erfüllung gegangen.“ In seiner Regierungserklärung schlug er unter anderem eine Ruderregatta auf dem Blausteinsee, der mit Ferienhäusern umbaut werden soll, vor und sprach sich für eine morgendliche „Alaaf-Pflicht“ in Kitas und Schulen aus. Seine Kernforderung war aber eindeutig die Restaurierung der Nothberger Burg, was Wolfgang II. noch mehr Pluspunkte bei seiner KG Nothberger Burgwache einbrachte. Auf das stilsichere Ende der Regierungserklärung – „Isch habe fertig“ – bebte die Festhalle in Dürwiß unter dem tosenden Beifall der Gäste, und der Prinz verlieh den ersten Orden an seinen Freund und Zeremonienmeister Frank.

Dieser führte mit ihm in der Folge souverän durch ein Programm, das durch hohe Qualität und große Vielfalt das Publikum hellauf begeisterte. Den Satz „Watt bruche wir Kölle, wenn wir so ne tolle Truppe hier in Eischwiele hann!“ hätte Wolfgang II. eigentlich nach jedem Programmpunkt zurecht aussprechen können, denn das Komitee hatte den fünfeinhalbstündigen Abend ausschließlich mit Höhepunkten „made in Eischwiele“ gespickt.

Zum elften Mal hielt der Hofnarr Tobias Wienands in seinem Prolog der Stadt kritisch den Narrenspiegel vor, wobei er auch mach Positives lobte. Als Redner folgten ihm echte Hochkaräter: Erstmals auf großer karnevalistischer Bühne erntete Thomas Schlenter von der Scharwache als „ne ärme Student“ viele Lacher. Während der „Student“ aus dem Kreis der Mullejaane eine äußerst gelungene Premiere feierte, kehrte mit Josi Brandt eine „alte Bekannte“ zurück in die Bütt. Nach langjähriger Bühnenabstinenz amüsierte die „Schlabberschnüss“ anlässlich des Jubiläums der 75 Jahre alten Nothberger Burgwache das Publikum glänzend.

Humor und Tradition vereinten Charlotte Schröteler und Patrick Nowicki von der Narrengarde Dürwiß. Mit gekonnt vorgetragener Mundart-Akrobatik ließen sie im Duett die legendären „Maatwieve“ der Gebrüder Sieberichs aus dem Jahr 1954 aufleben. Die Nothberger Burgwache, die Prinz Wolfgang II. und Zeremonienmeister Frank aus ihren Reihen stellt, erfreute die Gäste mit einem Showtanz voller Akrobatik und Ausstrahlung sowie den tollen Tänzen der Marie Jasmin Kardung und des Tanzpaars Kim Mosbeux und Sebastian Gühsgen sowie der Mädchengarde. Traditionell unterhielt die Gruppe der Komiteemariechen die Gäste großartig, als 13 Tanzmariechen zu Ehren von Wolfgang II. über die Bühne wirbelten.

Musikalisch sorgte das Jugendfanfarenkorps der Dürwisser Kaafsäck schon vor der Proklamation für Stimmung, und die HSO-Band begleitete die gesamte Veranstaltung ansprechend. Die junge Formation „Musical Key“, die aus Mitgliedern verschiedener Eschweiler Karnevalsgesellschaften besteht, begeisterte mit einer frischen Kombination aus live gesungenen Schlagern und Tanz und wurde mit frenetischem Beifall belohnt. Abermals trug die Nothberger Burgwache zum Gelingen des Abends bei, indem die Fanfarentrompeter, die Showtanzgruppe und die Spielfreunde das Programm bereicherten.

Eschweilers älteste Mundartgruppe, die „Inde-Singers“, brachte die Jecken im Saal mit „Ach Marie“ und „Die Mädcher“ zum Schunkeln und Tanzen, und hatte mit der Wahl ihrer „Gastsänger“ ein glückliches Händchen bewiesen: Gemeinsam mit Wolfgang II. und Zerem Frank sorgten die „Inde-Singers“ für den Stimmungshöhepunkt, und das Publikum stimmte gerne mit ein, als das Prinzenlied „Wir stond op us jecke, jecke Stadt“ erklang.

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