Von der schweren Last, hochbegabt zu sein

Von: ran
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Wollen Ansprechpartner für hochbegabte Schüler und Jugendliche sowie nicht zuletzt deren Eltern sein: Dr. Nicole Schneider (vorne links), Sophia Kahlen, Jörg Löschmann (hinten links) und Michael Kahlen vom Unternehmerverband „Impuls“ rufen einen Initiativkreis ins Leben. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Hochbegabte Menschen fühlen sich oft, als seien sie als Geisterfahrer unterwegs!“ Diejenige, die dies sagt, gehört selbst zu den geschätzt etwa zwei Prozent der Bevölkerung, die den Stempel „hochbegabt“ tragen. Und dies ist keinesfalls einfach.

„Es ist ein sperriger Begriff, der vor allem in Deutschland oft negativ besetzt ist“, erklärt Dr. Nicole Schneider, die am Donnerstagabend gemeinsam mit Sophia und Michael Kahlen sowie Jörg Löschmann vom Unternehmerverband „Impuls – Aktive Unternehmer Eschweiler“ in der Bürgerbegegnungsstätte Eschweiler-Ost einen Initiativkreis für hochbegabte Schüler und Jugendliche sowie deren Eltern ins Leben rief.

„Ein gesellschaftspolitisches Thema, auf das wir gerade in der jüngeren Vergangenheit im Rahmen unserer Veranstaltungen immer wieder angesprochen wurden“, begründet Sophia Kahlen diesen Schritt. Und ihr Sohn Michael Kahlen ergänzt: „Sowohl Nachfrage als auch Unterstützungsbedarf sind vorhanden!“

Seit dem Jahr 2010 beschäftigt sich die promovierte Tiermedizinerin Dr. Nicole Schneider, die inzwischen als Lehrerin tätig und in der Nähe des belgischen Eupen beheimatet ist, mit dem Thema „Hochbegabung“, das nicht nur auf das Schlagwort Inzelligenzqoutient zu reduzieren sei. „Bei zahlreichen hochbegabten Menschen sind im Vergleich zu Normalbegabten eindeutige Veränderungen der Gehirnstrukturen festzustellen. Und diese betreffen dann auch die Gefühlswelt dieser Personen“, so die Mitgründerin des Initiativkreises.

Genau dort seien die meisten Baustellen bei hochbegabten Menschen zu suchen und zu finden. „Zahlreiche Mitmenschen tun sich nicht selten schwer mit dem Verhalten von Hochbegabten. Doch Hochbegabung gilt als Luxusproblem, um das sich kaum gekümmert werden muss“, so Dr. Nicole Schneider, die sich eine „sachliche Auseinandersetzung“ jenseits der Meinungspole „Hochbegabung ist toll“ und „Elite ist schlecht“ wünscht.

Hochbegabte verfügten, unabhängig vom Alter, über andere Denk- und Wahrnehmungsstrukturen als Normalbegabte. Dieses permanente Feststellen des „anders sein“ sei gerade für Kinder nur schwer zu ertragen. „Ich bin komisch, krank und alles ist meine Schuld, ist eine häufige Selbsteinschätzung von hochbegabten Kindern und Jugendlichen“, weiß Dr. Nicole Schneider. Nicht zuletzt Lehrer hätten im Umgang mit dem Phänomen Hochbegabung Probleme. „Schließlich reagiert so mancher Hochbegabte aggressiv auf Reizüberflutung“, betont die Pädagogin.

Gerade in den Jahrgangsstufen neun und zehn seien Auseinandersetzungen zwischen Lehrern und hochbegabten Schülern, die oft in der Lage seien, den Schulstoff von drei Jahren innerhalb eines Jahres zu verinnerlichen, programmiert. Um hochbegabte Schüler sinnvoll fördern zu können, müsste auf deren Fähigkeit des systematischen Lernens eingegangen werden.

Die Zielsetzung innerhalb des neugegründeten Initiativkreises laute nun, den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern die Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch und zur gegenseitigen Unterstützung zu geben. „Vor allem für hochbegabte Kinder ist es sehr wichtig, festzustellen, dass sie nicht alleine sind!“

Zu 70 Prozent vererbt

Nicht zu unterschätzen sei auch das teilweise problematische Verhältnis zwischen Eltern und Kindern. „Da Hochbegabung zu 70 Prozent vererbt wird, gehören oft beide Seiten zu den Betroffenen. Doch Eltern haben zu oft einen verkrampften Umgang mit dem Thema, trauen sich nicht aus der Anonymität heraus und übertragen ihre Traumata auf ihre Nachkommen“, moniert Dr. Nicole Schneider, die kritisiert, dass der aktuell vielfach benutzte Begriff Inklusion für hochbegabte Menschen in Wahrheit nicht existiere. Veränderungen in vielen Bereichen seien notwendig.

Der Initiativkreis solle in Zukunft auch als Vermittler zwischen der Schule, den Eltern und den Kindern auftreten. Ein nächstes Treffen soll nach den Sommerferien erneut in der Bürgerbegegnungsstätte Eschweiler-Ost, Moselstraße 10, stattfinden. Wobei allen Gründungsmitgliedern klar ist, dass Zeit nötig sein wird, um den Teilnehmerkreis spürbar zu vergrößern. „Hochbegabung ist eben ein sperriges Thema“, wiederholt Dr. Nicole Schneider.

Weitere Informationen sind unter Telefon 5077933, im Internet unter www.impuls-eschweiler.de sowie per E-Mail unter sophia.kahlen@gmx.de zu erhalten.

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