Von der heimlichen Hymne Tirols bis zum Marsch

Von: mlo
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RWE-Chor und das symphonische Orchester Niederzier unter Leitung von Eva-Maria Gaul präsentieren „Dem Land Tirol die Treue“ gemeinsam. Für das Publikum war es ein Ohrenschmaus. Foto: Marie-Luise Otten

Eschweiler-Weisweiler. Der RWE-Chor Eschweiler gestaltete sein Frühlings-Konzert in der Festhalle Weisweiler unter dem Motto „Ein bunter Melodienreigen“. Als Gast hatte der Chor das Symphonische Orchester der Jugendmusikschule Niederzier gewinnen können, das unter der Leitung von Eva-Maria Gaul Hörenswertes aus Musicals und der gehobenen Unterhaltungsmusik bot.

Für die Klavierbegleitung stand wie immer der bewährte Pianist Theo Palm aus Stolberg zur Verfügung. Chordirekter ADC (von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Chorverbände zuerkannte Titel für hervorragende künstlerische Leistungen) Ernst Matthias Simons dirigierte nicht nur, sondern moderierte kompetent und witzig Wissenswertes über die einzelnen Musikstücke.

Er hatte mit seinem Männerchor eine kurzweilige Vortragsfolge vorbereitet. Erste Akzente setzte er mit seinem von ehemals 76 Sängern auf 26 geschrumpften Ensemble mit romantischem Liedgut und hier vor allen Dingen mit Franz Schubert, der wegweisend für die Entwicklung des Männerchorwesens im 19. Jahrhundert war und aus dem Repertoire der Männerchöre nicht wegzudenken ist.

Die a-cappella gesungenen Naturbeschreibungen wie „Die Nacht“ und „Die Entfernten“ verkörperten geradezu das Ideal des romantischen Männerchor-Klanges. Stimm- und textsicher brachten die Männer die jeweilige Stimmung in den Liedern zum Ausdruck und wiesen selbst bei leisen Stellen noch genügend Substanz auf.

Viel Beifall gab es für die beiden Volkslieder aus Hessen und die Volksweise „Mädchen mit den blauen Augen“ von Quirin Rische, in der es um die Beziehungen zwischen Frauen und Männern ging.

In „Zeig uns wo die Sonne wieder scheint“, einer Barbershop-Adaption im Satz von Peter Brettner, in der die Melodie von einer sogenannten Leadstimme gesungen wird, zeigte der Chor eine neue Facette seines vielfältigen Repertoires.

Die speziellen Harmonieregeln boten den Sängern wenig Möglichkeit, sich zu verstecken. Mit Theo Palm und seiner energiegeladenen und einfühlsamen Untermalung gelang ihnen eine äußerst mitreißende und erfrischende Darbietung. Diese setzte sich in dem berühmten „Granada“ des mexikanischen Komponisten Augustin Lara fort. 1932 wurde es für Tenor und Orchester geschrieben und von nahezu allen bedeutenden Tenören interpretiert. Auch für die Unterhaltungsbranche gab es zahlreiche Versionen in verschiedenen Sprachen.

Ralph Maria Siegel schrieb die deutsche Fassung und Friedrich Zimmer setzte es für Männerchor um. Im zweiten Teil standen begleitete Ohrwürmer auf dem Programm. Neben einem exotischen Tango („Capri-Fischer“) und Boogie-Woogie („Buena Sera“) setzte das Peter-Alexander-Medley dem Abend die Krone auf. Viele im Saal fanden sich in den unvergessenen Schlagern „Ich zähle täglich meine Sorgen“, „Hier ist ein Mensch“ oder „Die kleine Kneipe“ wieder und summten leise mit.

Als Pendant zum Chorgesang faszinierte das symphonische Orchester aus Niederzier. Mit Spielfreude und Hingabe folgten die Damen und Herren des 30-köpfigen Ensembles dem engagierten Dirigat von Eva-Maria Gaul, die auch teilweise selbst mit auf der Trompete blies. Begonnen wurde mit einem Konzertmarsch „Arsenal“ vom Niederländer Jan van der Roost.

Dann begeisterten sie das zahlreich erschienene Publikum mit einem „Westsidestory“-Potpourri von Leonard Bernstein und mit Stücken aus „Grease“ von Warren Casey. In den irischen Tanzformen im „Lord of the Dance“ kamen die Geigen erstmalig so richtig zur Geltung, während in den unvergessenen Schlagern wie Kriminaltango, Pigalle, Maria aus Bahia und Habanero aus dem Revuemedley „Musik ist Trumpf“ wieder mehr die Bläser das Sagen hatten. „Jive Conny Jive“ war eine Reminiszenz an die 1938 geborene Conny Francis.

„Dem Land die Tirol die Treue“ ist ein von Florian Pedarnig im Alla-breve-Takt komponierter Marsch. Er gilt als die heimliche Hymne Tirols und wurde zum Ohrenschmaus für alle Beteiligten. Der traditionelle „Glück-Auf-Marsch“ beendete nach zwei Stunden ein bemerkenswertes Frühlingskonzert in Weisweiler.

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