Von der Förderschule an den Arbeitsplatz: ein Riesenschritt

Von: Andreas Röchter
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Am zukünftigen Arbeitsplatz:
Am zukünftigen Arbeitsplatz: Christopher Mäuser (2. v. l.) wird nach den Ferien eine Ausbildung in der Schreinerei der Caritas-Behindertenwerk GmbH beginnen. Mit ihm freuen sich Ferdi Gärtner, Kristoffer Klaassen und Karl Wertz (v. l.). Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es war Christopher Mäusers großer Tag: Für den 18-jährigen Dürwisser stand die Entlassfeier an der Regenbogenschule, Förderschule mit dem Schwerpunkt Geistige Entwicklung, in Stolberg auf dem Programm. Jetzt kann der Jugendliche letztmals die Sommerferien genießen, bevor er ins Arbeitsleben startet.

Denn am 12. September beginnt Christopher Mäuser eine zweijährige Ausbildung in der Schreinerei der Caritas-Behindertenwerk GmbH.

„Unsere Aufgabe ist es, durch professionelle und passgenaue Hilfe Menschen mit Assistenzbedarf zur Teilhabe am Arbeitsleben zu befähigen und ihre Persönlichkeitsentwicklung zu unterstützen”, erklärt Diplom-Sozialarbeiter Fredi Gärtner, Leiter des Sozialen Dienstes und Fachberater Berufliche Bildung der Caritas-Behindertenwerk-GmbH.

Und so gilt es, junge Menschen mit Behinderung nach Beendigung ihrer Schulpflicht genau dort abzuholen: in den Förderschulen der Städteregion. „Im Frühjahr gehen wir in die Schulen und suchen den Kontakt zu den Lehrern, die uns ihre Entlassschüler vorstellen. Dann laden wir die Schüler zu uns in die Werkstätten ein, sich bei uns schonmal umzuschauen”, so Fredi Gärtner. „Wir sind in puncto Interessen und Befähigung der Schüler natürlich sehr auf die Informationen, die uns die Lehrer zukommen lassen, angewiesen”, macht er deutlich. „Deshalb findet ein sehr intensiver Austausch statt.”

Im Fall von Christopher Mäuser mit dessen Klassenlehrer Kristoffer Klaassen. Der wies die Verantwortlichen auf das handwerkliche Geschick seines Schülers, das dieser wohl von seinem Vater, der gelernter Schreiner ist, geerbt hat, hin. „In den vergangenen beiden Schuljahren besuchen unsere Schüler die Berufspraxisstufe, in der der Fokus auf praxisorientiertes Arbeiten, aber auch auf die Lebensgestaltung des Schülers insgesamt ausgerichtet ist”, betont der Pädagoge. „Zu den wichtigsten Elementen gehören die Praktika” So auch für Christopher Mäuser, der bereits zwei dreiwöchige Praktika in der Caritas-Behindertenwerk-GmbH absolvierte.

„Parallel dazu veranstalten wir Informationsabende für die Eltern oder gesetzlichen Betreuer unserer künftigen Auszubildenden, denn auch bei diesen sind natürlich Übergangsängste vorhanden”, macht Ferdi Gärtner deutlich. Nach Abschluss der Praktika und der Informationsgespräche tritt dann der Fachausschuss, dem ein Fallmanager des Landschaftsverbands Rheinland als Kostenträger, ein Reha-Berater der Agentur für Arbeit sowie ein Vertreter der Caritas-Behindertenwerk-GmbH angehören, zusammen, um zu entscheiden, ob und wo ein Bewerber eingesetzt wird. Dabei ist zu beachten, dass die Abgänger der Regenbogenschule in Stolberg sowie der Roda-Schule in Herzogenrath einen rechtlichen Anspruch auf einen Werkstattplatz haben.

„Unser Ziel ist es, allen Bewerbern einen bedarfsgerechten und wohnortnahen Arbeitsplatz zu verschaffen”, erklärt Karl Wertz, Leiter des Fachbereichs Eingangsverfahren und Berufsbildungsbereich. Zu Beginn der Ausbildung durchläuft jeder Auszubildende zunächst ein dreimonatiges Eingangsverfahren. „In dieser Zeit testen wir sowohl die geistigen Fähigkeiten, zum Beispiel, ob der Azubi in der Lage ist, zu lesen und zu schreiben, als auch die motorischen Fähigkeiten. Anschließend wird gemeinsam mit dem Bewerber überlegt, ob der eingeschlagene Weg der richtige ist. So besteht nach jeweils einem halben Jahr die Möglichkeit, in einen anderen Tätigkeitsbereich zu wechseln. Der Auszubildende hat also immer ein Mitspracherecht”, verdeutlicht der Bereichsleiter.

Im Idealfall steht am Ende der zweijährigen Ausbildung die Eingliederung in den allgemeinen Arbeitsmarkt. „Wobei dies natürlich nur im Einzelfall wirklich realistisch ist”, räumt Ferdi Gärtner ein. Dies unterstreicht auch Kristoffer Klaassen: „Von unseren elf Entlassschülern erhält einer eine unterstützte Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt”, so der Pädagoge.

Für Christopher Mäuser bedeutet der Eintritt ins Arbeitsleben jedoch einen wichtigen Schritt in eine größere Selbstständigkeit. Dies wurde auch beim Bewerbungsgespräch, an dem neben seinen Eltern, Ferdi Gärtner und Karl Wertz mit Claudia Schönborn auch die für den Sozialen Dienst in der Schreinerei der Caritas-Behindertenwerk GmbH verantwortliche Sozialpädagogin teilnahm, deutlich. Denn der zukünftige Auszubildende wird nun ein eigenes Konto einrichten, schließlich verdient er nach den Ferien Geld.

Vier Tage pro Woche wird er ab dem 12. September im Werk VI in der Weisweiler Max-Planck-Straße aktiv sein, an einem Tag pro Woche steht Unterricht im Werk I an der Aachener Straße auf dem Programm. Das Ziel: dem Vater nachzueifern. Er möchte also eine Schreinerlehre abschließen.
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