Von der Diät zu einer Lebenseinstellung

Von: Anna Fitscher
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Sich vegan zu ernähren ist ganz und gar nicht problematisch. Das sagt Alina Eßer. Sie ist seit einigen Monaten Veganerin und weiß, wo man in der Indestadt die entsprechenden Lebensmittel kaufen kann. Massentierhaltung lehnt die 21-jährige Studentin vollkommen ab. Foto: Anna Fitscher

Eschweiler. Vegetarier und Veganer entsprechen heute längst nicht mehr den gängigen Klischees. Auch viele junge Menschen beginnen, sich mit dem Thema Ernährung systematisch auseinanderzusetzen und sie umzustellen. So auch Alina Eßer. Die 21-jährige Studentin lebt seit Januar 2015 vegan. Sie verzichtet also nicht nur auf Fleisch, sondern auf alle tierischen Produkte.

Was hat Sie dazu veranlasst, Ihre Ernährung so radikal umzustellen?

Eßer: Da kamen einige Dinge zusammen. In erster Linie wollte ich Gewicht verlieren. Ich wollte aber keine Null-Diät starten, sondern meinem Körper auch gleichzeitig etwas Gutes tun. So habe ich dann angefangen, mich gezielt mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen, habe viel recherchiert und gelesen. Dabei bin ich dann auf das Buch „Vegan for Fit“ von Attila Hildmann gestoßen. In dem Buch wird ein 30-Tage-Programm vorgestellt, bei dem man neben Fleisch und generell tierischen Produkten auch auf Zucker und Weißmehl verzichtet. Da ich sowieso noch nie ein großer Fleischfan war und auch festgestellt habe, dass ich Milchprodukte nicht so gut vertrage, habe ich mir dann gedacht: Das probier ich mal aus.

Das hört sich aber nach sehr viel Verzicht an?

Eßer: Im ersten Moment war ich auch ein wenig skeptisch. Aber ich wollte es ausprobieren. Klar muss man sich erst einmal umstellen und jede Umstellung ist zu Anfang schwierig. Aber als ich es ein paar Tage durchgezogen hatte, fiel mir auf, dass ich nichts vermisse. Für mich hatte diese Lebensweise überhaupt nichts mit Verzicht zu tun. In dem Buch standen sehr viele Rezepte drin, die ich nach und nach ausprobiert habe und von denen mir auch der Großteil sehr gut geschmeckt hat. Ich fühlte mich wohler, war fitter und verlor natürlich auch Gewicht.

Das heißt, mit einer veganen Ernährung verliert man automatisch Gewicht?

Eßer: Nein, das auf keinen Fall. Man kann auch zu viele Kalorien zu sich nehmen wenn man vegan lebt. Ich habe von Januar bis April 2015 zehn Kilogramm abgenommen. Seitdem gelingt es mir aber auch mein Gewicht zu halten. Es kommt eben auch bei einer veganen Ernährung darauf an, wie viel und vor allem was man isst. Bei mir funktioniert das.

Wie ist das, wenn Sie mit Freunden oder der Familie mal auswärts essen gehen?

Eßer: Das gestaltet sich teilweise als sehr kompliziert (lacht). Die meisten Restaurants haben eben noch kein veganes Angebot, und deswegen bleibt mir meistens nichts anderes übrig, als einen Salat zu essen.

Werfen solche Situationen nicht ein falsches Licht auf Sie und diese Ernährungsweise?

Eßer: Ja, natürlich. Viele denken dann, ich würde nur Salat essen und mich sehr einseitig ernähren. Das ist aber nicht so. In Restaurants habe ich aber nicht viele andere Möglichkeiten. Generell können sehr viele Menschen nichts mit dieser Art, sich zu ernähren, anfangen und finden das komisch. Ich denke aber auch, dass die Meinungen bezüglich Ernährung und Konsum von tierischen Produkten sehr festgefahren ist. Man wächst eben damit auf, Fleisch zu essen und Milch zu trinken. Deswegen denken viele, es sei ungesund, vegan zu leben. Mir und meinem Körper geht es aber, wie gesagt, sehr gut damit. Zudem kann ich meine Ernährungsweise jetzt viel besser mit meinem Gewissen vereinbaren.

Inwiefern?

Eßer: Ich möchte keine Massentierhaltung unterstützen. Heutzutage wird man ja beinahe täglich mit den schlimmen Bedingungen, unter denen die Tiere leben, konfrontiert. Sei es durch Fernsehbeiträge oder durch Videos und Berichte in sozialen Netzwerken. Man muss sich auch einfach mal überlegen, dass diese Tiere nie Tageslicht sehen, sich kaum bewegen können und so eng beieinander gepfercht gehalten werden, dass sie sich oft gegenseitig verletzen. Sie werden mit Hormonen gefüttert, damit sie schneller zunehmen. Der Einsatz von Antibiotika bei der Massentierhaltung ist auch längst kein Geheimnis mehr. Ich habe mal eine Dokumentation gesehen, bei der Schweinen eimerweise Antibiotika ins Futter gemischt wurden. Ein Medikament, welches für uns Menschen verschreibungspflichtig ist und genau dosiert werden muss. Ich glaube kaum, dass das Fleisch, das von solchen Tieren kommt, noch irgendwie gut für uns Menschen sein kann. Deswegen ist Billigfleisch für mich das Schlimmste. Wenn man sich Fleisch kauft, dann lieber bei einem Metzger seines Vertrauens. Da weiß man wenigstens wo das herkommt, was man isst.

Hochwertiges Fleisch zu kaufen ist aber auch eine Kostenfrage..

Eßer: Ja natürlich. Aber man könnte auch ein- bis zweimal die Woche Fleisch beim Metzger kaufen und essen. Man müsste nicht jeden Tag Fleisch konsumieren. Letztendlich muss das natürlich jeder für sich selber wissen. Ich kann mich aber daran erinnern, dass es wenige Wochen, nachdem ich aufgehört hatte Fleisch zu essen und auf tierische Produkte zu verzichten, wieder einen Skandal in der Fleischindustrie gab. Dabei ging es um multiresistente Keime in Hähnchenfleisch. Ich war damals unglaublich erleichtert, dass ich davon nichts zu mir genommen hatte.

Gibt es auch positive Resonanz?

Eßer: Ja schon. Viele Leute sind auch neugierig. Die wollen dann hauptsächlich wissen was ich so den ganzen Tag esse und natürlich auch wie es um meine Gesundheit steht, ob ich zum Beispiel Mangelerscheinungen habe (lacht).

Was essen Sie denn beispielsweise zum Frühstück? Das stelle ich mir sehr schwierig vor, alleine auf Käse oder Milch zu verzichten.

Eßer: Morgens esse ich ganz oft Sojajoghurt vermischt mit einem geriebenen Apfel, ein bisschen Müsli und paar Spritzern Zitrone. Das sieht zwar nicht so schön aus, schmeckt aber richtig gut. Mittags und abends dann Salat oder Gemüsepfannen mit Hirse zum Beispiel. Die Möglichkeiten vegan zu kochen sind unbegrenzt, auch wenn das für viele Leute nur schwer vorstellbar ist. Man muss sich einfach ein bisschen damit beschäftigen und wissen, wo man vegane Produkte kaufen kann. Ich kaufe manche Dinge in Bioläden, aber heutzutage nimmt auch das Angebot an veganen Produkten in normalen Supermärkten stetig zu. Wenn man einmal routiniert ist, was kochen und einkaufen angeht, stellt die vegane Ernährungsweise gar keine so große Herausforderung mehr dar, wie die meisten immer denken.

Denken Sie, dass Ihnen die Umstellung so leicht gefallen ist, weil sie noch so jung sind?

Eßer: Nein. Ich bin der Meinung, dass alles im Leben Kopfsache ist. Theoretisch könnte es jedem gelingen seine Ernährung umzustellen oder andere Dinge im Leben zu ändern, wenn man es wirklich will. Mir ist es neben meiner Ernährungsumstellung auch gelungen mit dem Rauchen aufzuhören. Auch das war eine Gewohnheitssache. Aller Anfang ist schwer. Aber ich bin froh, dass ich durchgehalten habe. Es hat sich gelohnt, denn jetzt geht es mir gut.

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