Eschweiler - Vom verfolgten Juden zum Hitlerjungen

Vom verfolgten Juden zum Hitlerjungen

Von: tim
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Erzählte seine Lebensgeschichte im Berufskolleg: Sally Perel. Foto: Timo Müller

Eschweiler. „Wir müssen lernen, nicht dieselben Fehler zu wiederholen“, mahnte Sally Perel in der Aula des Berufkollegs Eschweiler vor rund 200 Schülern. Der 90-jährige Jude ist vor allem durch den Film „Hitlerjunge Salomon“ bekannt geworden, der seine Lebensgeschichte erzählt.

1925 in Peine geboren, flüchtete er zusammen mit seiner Familie nach Polen, nachdem das elterliche Schuhgeschäft 1938 von den Nationalsozialisten verwüstet worden war. Als das Dritte Reich am 1. September 1939 Polen überfiel, schickten ihn die Eltern zusammen mit seinem Bruder Isaak in die Sowjetunion, in der Hoffnung, dass ihre Kinder dort in Sicherheit sind. Doch die Brüder wurden getrennt und Perel landete in einem Waisenhaus in Grodno.

Dort lernte er, Russisch zu sprechen. Als die Wehrmacht 1941 auch die Sowjetunion überfiel, flüchtete Perel zunächst und erlebte währenddessen Angriffe von deutschen Sturzkampfbombern. „Nur ein passendes Wort: Inferno“, beschrieb er die wütenden Attacken aus der Luft. Später wurde Perel von den Deutschen gefangengenommen. Doch er gab sich als Volksdeutscher aus, seine Papiere hatte er kurz zuvor vergraben. Von da an diente er bei der Wehrmacht als Übersetzer an der Ostfront, immer mit der Angst, dass seine jüdische Identität durch seine Beschneidung von den Nazis entdeckt wird. Als ein homosexueller Kamerad, der ihm Avancen machte, seine Herkunft erkannte, verriet er ihn jedoch nicht. Nach zwei Jahren wurde er dann ins Reich geschickt, wo er eine Schule der Hitlerjugend besuchte.

„Um zu überleben, musste ich dem Führer die Treue schwören, Heil Hitler rufen und Hakenkreuze tragen“, berichtete Perel. Ironie des Schicksals: in der Schule wurde Perel während des Rassekunde-Unterrichts von dem Lehrer als Beispiel für die „baltisch-arische Rasse“ genannt. Dies half dem Juden, seine wahre Identität weiterhin zu verbergen. Später musste Perel wieder zur Wehrmacht. Gegen Ende des Krieges geriet er in amerikanische Gefangenschaft, und war dadurch nun endgültig in Sicherheit.

Zwei Stunden lang lauschten die Schüler des Berufskollegs den Worten Perels gebannt, höchst beeindruckt von seiner Lebensgeschichte. „Das geht unter die Haut. Für unsere Generation ist das mittlerweile unvorstellbar“, sagte die 19-jährige Schülerin Lea Johnen nach dem Vortrag. Als einer der letzten Zeitzeugen des Dritten Reichs gab der 90-Jährige seinen jungen Zuhörern den Auftrag, seine Geschichte weiterzuverbreiten. „Ihr seid ab jetzt Zeitzeugen! Überliefert diese Wahrheiten euren Kindern und Kindeskindern, damit möchte ich euch beauftragen.“

Am Ende der Veranstaltung signierte Perel noch einige Ausgaben seines Buches „Ich war Hitlerjunge Salomon“.

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