Vom Tagebau aus ins Abenteuer Australien

Von: Patrick Nowicki
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Anno 1985: Werner Koenigs als 29-Jähriger vor einem riesigen Truck in einer Uranmine im Norden Australiens. Foto: privat/Patrick Nowicki

Eschweiler. Werner Koenigs macht nicht den Eindruck, dass ihm ein Abenteuer bevorsteht und die Koffer schon gepackt sind. Nur an der Wand hinter seinem Schreibtisch in der Verwaltung des Tagebaus Indens kann man erkennen, dass die Zukunft des 57-Jährigen nicht im Rheinischen Revier liegt.

Neben dem großen Plan des Indener Tagebaus hängt ein Balkendiagramm. „Dies ist eines der Projekte in Australien, das ich begleite“, sagt er. Der Bergbau-Ingenieur wechselt vom Produktionsleiter im beschaulichen Eschweiler zum Managing Director für RWE Australia nach Brisbane. Am Sonntag landete er mit seiner Frau in Australien, wo er für mindestens zweieinhalb Jahre lang tätig sein wird.

Gemeinsame Firma

In Down Under ist die Technik gefragt, die für die meisten Menschen, die in der Region groß geworden sind, selbstverständlich ist: ein riesiger Tagebau mit Baggern, Absetzern und vor allem Bandanlagen. „In Australien wird das Material noch nach amerikanischem System mit riesigen Trucks transportiert“, berichtet Koenigs. In seinen Augen ist dieser Weg wenig effizient. Seine Meinung teilt auch der australische Partner des RWE-Konzerns, die Firma Thiess, deren Wurzeln in der Baubranche liegen. Koenigs hilft mit, auf dem australischen Kontinent neue Tagebaue zu errichten und zu betreiben. Thiess und RWE haben eine gemeinsame Firma ins Leben gerufen, die TRWE, die sich vor allem der Steinkohleförderung über Tage verschrieben hat.

Ohne die Zustimmung seiner Familie hätte Königs den Schritt nicht gemacht. Als Student verbrachte er bereits einige Monate im Norden Australiens als Arbeiter in einer Uranmine. Das Metall ist vor seiner Bearbeitung völlig ungefährlich. Mit riesigen Lkw wurden die Rohstoffe damals transportiert. Allerdings ist dieser Weg zunehmend teurer geworden. „Die Kosten für Sprit und Gummi sind jedoch inzwischen enorm gestiegen“, sagt Koenigs, „alleine ein Reifen eines solchen Lkw kostet eine sechsstellige Summe.“ Im Gegenzug seien die Rohstoffpreise gefallen. Addiert man noch die in Australien hohen Gehälter für Lkw-Fahrer sowie den Straßenbau hinzu, dann rechne sich schnell der Tagebau mit Bandmaschinen.

Die Planung eines Tagebaus beherrscht Koenigs. Er arbeitete während seines Bergbaustudiums 120 Schichten unter Tage in der Grube Emil-Mayrisch in Baesweiler, schaute sich Bergwerke in Kanada, den USA und eben im Jahr 1985 in Australien an und durchlief innerhalb des RWE-Konzerns zahlreiche Stationen, ehe er schließlich vor sieben Jahren an den Tagebau Inden kam. „Bergbau ist eine Universalwissenschaft, die unglaublich vielseitig ist“, schwärmt er noch heute. Schon als Kind kam er damit in Berührung, denn der gebürtige Bergheimer spielte in den Hängen des Tagebaus Fortuna. „Da haben wir die Männer vom Werkschutz geärgert“, berichtet er und lacht.

Dass er in Australien eine enorm wichtige Aufgabe für seinen Arbeitgeber übernimmt, spielt er ein wenig herunter. „Tagebau ist ein Mannschaftsspiel“, zitiert er seinen inzwischen verstorbenen Chef Dr. Dieter Henning, langjähriger Leiter des Tagebaus Hambach. Der Essener Konzern will weltweit neue Märkte öffnen, um sich wieder in ruhigere Fahrwasser zu bringen.

Vor allem bei der Planung und Wartung von Bandanlagen gilt RWE als eines der führenden Unternehmen in der Welt. Das rohstoffreiche Australien ist ein lukrativer Markt. „Dort sind die Probleme bei der Planung allerdings andere als hierzulande“, weiß Koe­nigs. Die Umweltbestimmungen dort sind ähnlich streng, hinzu kommt aber zum Beispiel die Auflage, behutsam die Ureinwohner einzubeziehen.

Fotografie zweite Leidenschaft

So sehr Koenigs das Abenteuer Australien reizt, so wichtig ist ihm auch die anschließende Rückkehr in seine Heimat: „Ich bin ein Europäer, ein Kind der Region.“ Während seine beiden erwachsenen Söhne in Deutschland bleiben, begleitet ihn seine Frau nach Down Under. Ihre erste Errungenschaft vor der Reise war ein Buch über die Tiere in Australien. „Natürlich leben dort größere und giftigere Exemplare als hier, aber als ich dort war, hatte ich nicht eine unangenehme Begegnung gehabt. Auch nicht mit Haien“, sagt Koenigs. Er muss es wissen, denn auf der Suche nach einem geeigneten Motiv begab er sich häufiger in gefährliche Gefilde. Seine zweite Leidenschaft neben dem Bergbau ist schließlich die Fotografie.

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