Vom Aussterben bedroht, in der Region zu Hause

Von: Dirk Müller
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Stolberg. Der Steinbruch Binsfeldhammer mutet wie eine Kulisse für Karl-May-Festspiele an. Doch nicht Cowboys und Indianer beleben die Szenerie, sondern die Natur spielt die glänzende Hauptrolle in dem täglich aufgeführten Schauspiel.

In dem Naturschutzgebiet tummeln sich alleine mehr als 50 verschiedene Brutvogelarten, die sich an dem reichhaltigen Angebot von Insekten laben. Das natürliche Biotop beherbergt über 275 Pflanzenarten, unter ihnen seltene Orchideen und das Galmeiveilchen.

„Diese Pflanze ist weltweit einzigartig. Aus Kanada, Australien und Südamerika kommen Biologen und Botaniker hierher nach Stolberg, um das Galmeiveilchen zu bestaunen”, schwärmt Herbert Theißen, stellvertretender Leiter der biologischen Station im Kreis Aachen.

Ihm ist seine Leidenschaft für die Natur schnell anzumerken: „Das Galmeiveilchen zieht seinerseits eine sehr seltene Insektenart an, den Mittleren Perlmutterfalter”. Neben dieser und anderen seltenen und bedrohten Arten wie der Geburtshelferkröte oder der Heidelerche findet die Gelbbauchunke in dem Flora-Fauna-Habitat-Gebiet (FFH-Gebiet) Binsfeldhammer ihren Lebensraum.

Thomas Pilgrim, Leiter des Umweltamtes des Kreis Aachen, erläutert: „Der Kreis Aachen weist die Lebensräume der Gelbbauchunke als Naturschutzgebiet aus, die Bundesrepublik meldet sie als FFH-Gebiet. Dies sind Schutzgebiete für den Lebensraum von Pflanzen und Tieren mit europäischer Bedeutung.”

Die Gelbbauchunke zählt zu den am meisten gefährdeten Amphibien in NRW, sie lebt im ganzen Land nur noch an fünf Plätzen. Diplom-Biologe Theißen: „Die vom Aussterben bedrohte Art hat in NRW ihren Verbreitungsschwerpunkt im Raum Stolberg/Aachen, aber selbst hier misst die Population nur etwa zweihundert Tiere, verteilt auf vier Betreuungsgebiete. Die biologische Station schützt und betreut die Gelbbauchunke bereits seit 1999 aktiv.”

Die Biologische Station arbeitet getrennt vom amtlichen Naturschutz als Schnittstelle zwischen Landwirten und Naturschützern, berät Bürger und pflegt Naturschutzgebiete. „Sie kann vermitteln und verbinden. Sie arbeitet stark projektorientiert”, erklärt Udo Thorwesten, Diplom-Ingenieur vom Umweltamt.

„Die Untere Landschaftsbehörde des Kreises ist verpflichtet, den Bestand der Gelbbauchunken zu erhalten und wenn möglich zu fördern. Die Zusammenarbeit mit der biologischen Station ist somit hilfreich und sinnvoll”, so Thomas Pilgrim.

„Wir erfassen die Population der Gelbbauchunke, auch Bergunke genannt, mittels der Fang-Wiederfang-Methode. Die einzelnen Tiere werden fotografiert und in ein Archiv aufgenommen. Dabei hilft uns die gelbe, schwarz bis grau gemusterte Bauchseite der Unke: Das Muster ist bei jedem Tier einmalig, ähnlich dem menschlichen Fingerabdruck”, doziert der Biologe Theißen.

Der Mensch ist der Feind

Bedroht ist die Gelbbauchunke durch den Verlust ihrer Lebensräume, bedingt durch die Trockenlegung von Feuchtgebieten, den naturfernen Ausbau der Fließgewässer oder die Technisierung der Landwirtschaft und Bauindustrie. Thorwesten, der Ingenieur vom Umweltamt: „Dem wirken wir gemeinsam aktiv entgegen: Neben regelmäßigen Bestandskontrollen legen wir neue Laichbiotope an und pflegen den vorhandenen Lebensraum.”

Leider stellt der Mensch eine ernst zu nehmende Bedrohung für den Fortbestand der Art dar. Umweltamtsleiter Pilgrim beklagt, dass geschützte Tiere wie die Gelbbauchunke gejagt bzw. gesammelt werden: „Manche Menschen fangen die Kröten für den heimischen Gartenteich oder das Terrarium, obwohl sie unter diesen Bedingungen kaum Überlebenschancen haben. Andere entreißen die Tiere ihrer natürlichen Umgebung, um sie an zweifelhafte Tierfreunde zu verkaufen. Das ist kein Kavaliersdelikt sondern eine handfeste Straftat.”

Wie sich Wanderer und Naturfreunde in einem FFH-Gebiet verhalten sollten, um die Natur für Tiere, Pflanzen und den Menschen zu erhalten, weiß Udo Thorwesten: „Bewegen Sie sich in einem Naturschutzgebiet bitte ausschließlich auf den Wegen. Auch zu Ihrem eigenen Schutz, hier im Steinbruch beispielsweise können abseits des Weges herabfallende Felsbrocken zu schweren Verletzungen führen.”

Freilaufende Hunde, das Verlassen des Weges, Hinterlassen von Abfall und Müll, Lagern und Kampieren in einem Naturschutzgebiet sind Ordnungswidrigkeiten, die mit Bußgeld geahndet werden. „Man kann nur schützen was man kennt”, bemerkt Herbert Theißen. „Wenn Sie auf dem Weg in einer Pfütze eine Gelbbauchunke entdecken, schauen Sie sich das faszinierende Tier ruhig an. Nur stören Sie es bitte nicht zu sehr und nehmen Sie es nicht in die Hand: Die Amphibie sondert zur Verteidigung einen Schleim ab, der beim Menschen zu einer heftigen allergischen Reaktion führen kann, dem so genannten Unken-Schnupfen”, warnt der Biologe, bevor sein Blick einem vorbeiflatterndem Falter folgt und er sich auf die wirklich wichtigen Dinge konzentriert, die Schönheit und den Artenreichtum der Natur.
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