„Volkstrauertag ist ein wichtiges Erbe“

Von: ran
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Mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal im Stadtgarten fand die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag ihren würdevollen Abschluss. Foto: Andreas Röchter
Caroline Weiland
Gestaltete die zentrale Gedenkstunde zum Volkstrauertag musikalisch: Klarinettistin Caroline Weiland interpretierte Peter Tschaikowskys „Schwanensee“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Wer mitfühlen kann, der ist friedfertig“, erklärte Albert Borchardt, Vorsitzender der Fraktion Die Linke im Rat der Stadt Eschweiler, als Hauptredner der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag, die am Samstagnachmittag im Rathaus ihren Anfang nahm und mit der Kranzniederlegung am Ehrenmal im Stadtgarten ihren würdevollen Abschluss fand.

Doch momentan stehe weltweit keinesfalls das Mitgefühl hoch im Kurs, sondern Krieg, Terror, Gewalt, Vertreibung und Intoleranz. Auch und nicht zuletzt in Europa rücke der Ungeist des Nationalismus immer mehr in den Blickpunkt.

„Deshalb dürfen wir niemals damit aufhören, die Sinnlosigkeit des Krieges zu betonen“, richtete der Kommunalpolitiker einen Appell an seine Zuhörer. Der Volkstrauertag sei alles andere als ein Heldengedenktag. „Alle Opfer von Krieg und Gewalt stehen im Fokus. Und dies waren und sind neben Soldaten eben auch Millionen Frauen, Kinder und alte Menschen.“ Wer aber über einen Soldatenfriedhof schreite, der sehe, dass es nichts wichtigeres gebe als den friedlichen Umgang der Menschen untereinander. Der Erinnerung im Weg zu stehen, bedeute, den Keim der Aggression neu zu säen. Die Idee des Friedens sei immer weltoffen und international.

„Doch Europa schottet sich ab und nimmt den Tod von Flüchtlingen in Kauf. Jetzt in diesem Moment sterben Menschen in Syrien, im Irak sowie bei der Überquerung des Mittelmeers“, so Albert Borchardt. Auch Deutschland trage daran Mitschuld. „Wir schließen Pakte mit den schlimmsten Despoten und die Nato unterstützt die Türkei bei ihrem schmutzigen Krieg gegen die Kurden“, kritisierte der Redner scharf. Die Bundeswehr habe sich von einer Verteidigungs- in eine Interventionsarmee verwandelt.

Die Folgen seien verheerend: „Wer Waffen exportiert, wird Flüchtlinge erhalten!“ Seit 1999 (Kosovo) sei der Krieg in Deutschland wieder salonfähig. Die Tatsache, dass seit mehr als 70 Jahren auf deutschem Boden Frieden herrsche, sei ein Glücksfall für die Menschen. Doch: „Werden Dinge alltäglich, vergessen Menschen oft ihren Wert“, gab Albert Borchardt zu bedenken. „Sehen wir deshalb den Volkstrauertag als ein wichtige Erbe an und nutzen wir ihn zum Nachdenken“, so sein Schlusswort.

In die gleiche Kerbe hatte zuvor Bürgermeister Rudi Bertram geschlagen, als er während seiner kurzen Begrüßungsansprache das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt am Volkstrauertag als wichtigen Bestandteil unserer Gesellschaft bezeichnete. „Wer nicht erinnert, der vergisst schnell“, so die Warnung des Verwaltungschefs, der an eine vor wenigen Tagen ausgestrahlte Fernseh-Diskussion zurückdachte, in der der Arzt, Theologe und Schriftsteller Dr. Manfred Lütz erklärt habe, nie daran gedacht zu haben, seinen Enkeln doch noch einmal von einem Weltkrieg berichten zu müssen.

„Er hat Recht. Überall auf der Welt herrschen Krieg, Tod, Leid und Vertreibung.“ Gründe, die eindeutig für die Fortführung des Gedenkens am Volkstrauertag sprächen. „Die Entwicklungen in Deutschland, Europa und der ganzen Welt machen nachdenklich, sie bereiten Sorgen. Viele Menschen sagen, sie hätten Angst. Diese ist jedoch ein schlechter Ratgeber. Wir sollten die Menschen, die unsere Gesellschaft zerstören wollen, in Gesprächen stellen, damit niemals wieder etwas geschieht, was einst in Deutschland seinen Anfang nahm“, so Rudi Bertram.

Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde von den Liebfrauenschülern Jonas Krahl, der, unterstützt von Lehrerin Ines Pieper-Janosa (Klavier), die Komposition „Borrée“ von Georg Friedrich Händel am Saxophon interpretierte, sowie Klarinettistin Caroline Weiland, die Auszüge aus Peter Tschaikowskys „Schwanensee“ hören ließ. Der anschließende Schweigemarsch der Gedenkstundenteilnehmer zum Ehrenmal im Stadtgarten fand unter Beteiligung der St.-Sebastianus-Schützenbruderschaft 1330 Eschweiler-Mitte statt und wurde musikalisch vom Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler begleitet.

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