Volkstrauertag: Attentate von Paris stehen im Mittelpunkt

Von: ran
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Traditioneller Schlusspunkt jeder zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag: die Kranzniederlegung am Ehrenmal im Stadtgarten, der ein Schweigemarsch von der Ufer- bis zur Marienstraße voranging. Foto: Andreas Röchter
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Brachten die Gedanken junger Menschen in Sachen Volkstrauertag eindrucksvoll zum Ausdruck, indem sie unter anderem den Bezug zur Aktualität in den Vordergrund stellten: Laura Herrmann (vorne) und Laia Kirn, Schülerinnen des Geschichtskurses der zwölften Jahrgangsstufe des Städtischen Gymnasiums, und ihr Lehrer René Hahn.

Eschweiler. Zahlreiche Menschen, in deren Gesichtern Entsetzen, Fassungslosigkeit, Unverständnis und Trauer abzulesen war, kamen am Samstagnachmittag auf der 1. Etage des Eschweiler Rathauses zusammen.

Die Teilnehmer an der zentralen Gedenkstunde zum Volkstrauertag, darunter unter anderem Vertreter der Schulen, der Bundeswehr, des Geschichtsvereins, der Parteien sowie der Stadt, standen vollkommen unter dem Eindruck der furchtbaren Ereignisse, die wenige Stunden zuvor Paris und die gesamte Welt erschüttert hatten. Das Gedenken an die unzähligen Opfer von Krieg und Gewalt bekam somit also einen leider realen Bezug, der aktueller und grausamer nicht hätte sein können. Dies wurde auch in den kurzen, aber eindrucksvollen Ansprachen deutlich.

„Die Geschehnisse von Paris schnüren nicht nur mir förmlich den Hals zu“, erklärte Bürgermeister Rudi Bertram. Vor wenigen Jahren sei über den Sinn des Volkstrauertags nachgedacht worden. In Eschweiler hätte jedoch immer Einigkeit geherrscht, die Erinnerung an die beiden Weltkriege sowie an die Opfer aller Gewaltherrschaften aufrecht zu halten. „Dies war ein richtiges Signal, denn die Aktualität zeigt, wie aufmerksam wir sein müssen, um unser Gesellschaftssystem zu bewahren“, so der Verwaltungschef.

Von allen Seiten wehrhaft

Die Demokratie müsse gegen Gegner von allen Seiten wehrhaft sein. Es gelte, gegen diejenigen aufzustehen, die Hass säten. „Auch die politisch Verantwortlichen müssen zusammenrücken und Gesicht zeigen. Und zwar nicht nur aus aktuellem Anlass, sondern dauerhaft“, appellierte Rudi Bertram. Die Welt sei in Unordnung, zahlreiche Menschen verunsichert. „Gerät unsere demokratische Grundordnung ins Wanken? Für mich ist dies kaum vorstellbar. Aber gerade deshalb ist es so wichtig, daran zu erinnern, was war!“, schloss der Bürgermeister seine Ausführungen.

Unterstützt von ihrem Lehrer René Hahn brachten kurz darauf mit Laura Herrmann und Laia Kirn zwei Schülerinnen des Geschichtskurses der zwölften Jahrgangsstufe des Städtischen Gymnasiums Gedanken von jungen Menschen zum Volkstrauertag zum Ausdruck: „Beinahe 100 Jahre nach der Einführung dieses Gedenktages ist er aktueller denn je“, betonte Laura Herrmann zu Beginn ihrer Rede und erinnerte an die derzeit mehr als 400 politischen Konflikte, die weltweit stattfinden. Damals wie heute seien Menschen, die Opfer von Krieg und Gewalt geworden seien, auf der Flucht.

Sich glücklich schätzen

„Deshalb möchten wir nicht nur auf das Leid, die Kriege und die Opfer der Vergangenheit, sondern auch auf die momentane Situation aufmerksam machen“, so die angehende Abiturientin. Sie und ihre Mitschüler müssten sich glücklich schätzen, dass ihr „furchteinflößendster“ Moment die anstehende Mathematikklausur sei, und nicht die Ermordung der Eltern oder des besten Freundes.

Tausende Kilometer zu Fuß

Worte, die Laia Kirn eindringlich ergänzte: „Die Flüchtlinge, die auch in Eschweiler ankommen, haben alles hinter sich gelassen, tausende Kilometer zu Fuß, im Schlauchboot oder in stickigen Transportern zurückgelegt und ihren Tod in Kauf genommen. Diese Menschen benötigen nun keine politischen Diskussionen und keinen Hass, der ihnen in ihren Ankunftsländern entgegenschlägt. Sie brauchen Sicherheit, Nahrung, Obdach, Kleidung, psychologische Betreuung, Zuneigung und nicht zuletzt ein freundliches Wort. Und wir können uns trotz sicherlich vorhandener Sprachbarrieren anhören, was uns die Flüchtlinge erzählen. Wir können ihnen die Hand reichen und uns bemühen, ihnen ein kleines bisschen Hoffnung zu geben“, unterstrich die Schülerin. „Also helfen wir jenen, die alles verloren haben. Zeigen wir mehr Toleranz und hegen wir weniger Abneigung und Vorbehalte. Denn man kann gegen Krieg, Gewalt und Hass sein. Aber man kann nicht gegen Menschen sein, die davor flüchten!“

Musikalisch gestaltet wurde die Gedenkstunde von den Liebfrauenschülern Caroline Weiland (Klarinette), Jonas Krahl (Saxophon) sowie Julius Kaesmacher (Klavier).

Schweigemarsch

Mit einem Schweigemarsch zum Ehrenmal im Stadtgarten, wo Vertreter der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft 1330 Eschweiler-Mitte, der Bundeswehr sowie der Stadt Eschweiler unter der musikalischen Begleitung des Spielmannszugs der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler Kränze niederlegten, fand die zentrale Gedenkfeier, der am Sonntag weitere Ehrbezeugungen in den Stadtteilen folgten, ihr Ende.

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