Eschweiler - Volkslauf hat auch beim 40. Mal nichts von seiner Magie verloren

Volkslauf hat auch beim 40. Mal nichts von seiner Magie verloren

Von: sh
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Eine Reise zurück zu den Anfängen des Volkslaufs: (von links) Manfred Beitzel, Engelbert Hoppe, Leo Faßbender und Günter Hirsch schwelgen in alten Erinnerungen. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Dass frische Luft gut tut, ist allgemeinhin bekannt. Dass einem unter freiem Himmel beim abendlichen Spaziergang die besten Ideen kommen, können Engelbert Hoppe und Leo Faßbender nur bestätigen. Ohne sie hätte es den Internationalen Volkslauf in Eschweiler vielleicht nie gegeben.

Doch an besagtem Abend 1970 schlenderten die Beiden den Sticher Berg hinauf. Eine Versammlung der Eschweiler Sportgemeinschaft (ESG) im alten Hotel Kaldenbach gegenüber des Bahnhofs war gerade zu Ende gegangen. Hoppe und Faßbender diskutierten, wie man denn die tausenden Zuschauer, die das mit Spitzenathleten aus der ganzen Welt gespickte Internationale Sportfest im Waldstadion besuchten, ebenfalls ans Laufen bekäme.

Ein Lauf für alle, ein Jedermannlauf also. Eine Idee, die Anfang der 70er Jahre anders war. Die Trimm-dich-Bewegung nahm gerade erst Fahrt auf und in Eschweiler beschlossen zwei Männer an diesem Abend am Sticher Berg, vor den Toren der Firma Neuman, etwas völlig Neues ins Leben zu rufen.

In diesem Jahr feiert der Volkslauf, mittlerweile unter Federführung der von der ESG abgespalteten Leichtathletikgemeinschaft (LSG), ein stolzes Jubiläum: Zum 40. Mal gehen Groß und Klein, Jung und Alt, Hobbysportler und Ausdauerfanatiker auf die Strecke. Zeit, die Anfänge der Großsportveranstaltung einmal Revue passieren zu lassen.

Wenn Hoppe, ehemaliger Realschuldirektor und damaliger Abteilungsleiter der ESG-Leichtathletik, und Faßbender, langjähriger EDV-Leiter bei Neuman und „nebenbei” Leiter der ESG-Turnabteilung, sich heute auf einen Kaffee treffen, werden nicht nur Kekse gereicht. Gleich neben den süßen Naschereien greift Faßbender in die prall gefüllte Anekdoten-Schale aus den Anfangszeiten des Volkslauf.

Der Volkslauf war von Anfang an eine Erfolgsgeschichte, betonen die beiden Mit-Erfinder, wollen aber zugleich nicht verschweigen, dass es eines riesigen Teams bedurfte, um solch ein Ereignis auf die Beine zu stellen. Erwin Groß, Gregor Kohns, Heinz Jansen, Toni Peters. „Man könnte noch so viele nennen”, sagt Hoppe. Das erste Mal sei dann „natürlich ein Hammer” gewesen. „Wir haben aber auch ordentlich die Werbetrommel gerührt”, erklärt sich Faßbender die stolze Premieren-Teilnehmerzahl von 841. Doch das sollte nur der Beginn sein: Im dritten Jahr waren es bereits 1249 Läufer, die auf die Strecke gingen. Die fünfte Auflage lockte 1700 Sportbegeisterte ins Waldstadion, damit war der Eschweiler Volkslauf unter den Top-10-Läufen in Deutschland abgekommen, ein Jahr später knackte man locker die 2000er-Marke und gab 2433 Startnummern heraus. 1980 dann der absolute Höhepunkt: Unglaubliche 2651 Athleten gingen an den Start. „Das vergesse ich nie. Da standen die Leute wie die Ameisen auf dem Platz”, muss Faßbender schmunzeln, wenn er an die „gute alte Zeit” denkt. Dass die Leute eigentlich den Rasenplatz gar nicht betreten durften, ist nur eine Randgeschichte. Genauso wie die, dass sich die ESG-Boxabteilung jahrelang um die „Ordnung und Sicherheit im Stadion” kümmern sollte. Doch es herrschte natürlich keinesfalls das Faust-, sondern einzig und allein das Laufrecht.

Und wie kam es zu den Medaillen? Welches Motiv zierte die erste Ehrung 1971? „Die Röthgener Burg”, kramt Engelbert Hoppe aus einer Kiste mit Erinnerungsstücken die Premierenauszeichnung heraus. Und warum kamen in den ersten Jahren historische Eschweiler Gebäude auf die Medaille? „Das ging nicht anders, wir konnten ja keine aus Stolberg nehmen”,witzelt Faßbender.

Die Medaillen gibt es noch immer, sie sind so etwas wie (neben den traditionellen Strecken) die Markenzeichen des Volkslaufs. Die heutige Organisatoren-Generation um die LSG´ler Günter Hirsch und Manfred Beitzel greift aber mittlerweile auf berühmte Eschweiler Persönlichkeiten zurück.

Und so könnten Hoppe und Faßbender immer weiter erzählen. Davon, wie Stadionsprecher Faßbender (Lieblingssatz: „Bitte die richtigen Einlaufkanäle nehmen!”) in einer Stolberger Sauna von Männern im Adamskostüm nur anhand seiner Stimme erkannt wurde, wie einen Tag vor dem Start abenteuerliche Fahrten ins Sauerland den Lauf „retteten” und wie damals, im Jahr 1970 in der Bauernstube in Engelbert Hoppes Keller an der ersten Ausschreibung gefeilt wurde.

Morgen sind Leo Faßbender und Engelbert Hoppe zum Jubiläum mal wieder im Stadion. Sie werden die x-te Läufergeneration auf die Ziellinie einbiegen sehen und dann daran denken, wie alles angefangen hat. Damals. Auf dem Heimweg. Vor den Toren Neumans am Sticher Berg.

1000 Läufer

Am Sonntag gehen wieder etwa 1000 Sportler beim 40. Internationalen Volkslauf an den Start. Los geht´s bereits um 9.50 Uhr mit den Bambini-Läufen.

Um 11.30 Uhr gehen dann die Athleten beim VR-Bank-Halbmarathon an den Start. Die Veranstalter der LSG Eschweiler freuen sich auf viele Zuschauer im Waldstadion.
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