Volkshochschule setzt verstärkt auf berufliche Bildung

Von: Rudolf Müller
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Office, Word, Excel, Webdesign, Desktop-Publishing: Moderne Berufe erfordern eine ganze Menge Wissen. Die Volkshochschule steigert das Angebot an beruflicher (Weiter-) Bildung erheblich. Foto: Imago/Begsteiger

Eschweiler. Zwerggalaxien surfen auf dunkler Materie. Was sich wie ein Filmtitel liest, ist die Überschrift über einen Vortrag, den der Physiker und Wissenschaftsjournalist Dr. Axel Tillemans demnächst in der Volkshochschule hält.

In einer Volkshochschule, in der nach wie vor über Martin Luther und die Reformation, Neugotik, Erbrecht, Vorsorgevollmacht, Manet und Eschweiler Verzällcher gesprochen wird, die zur Wanderung durchs Brackvenn, zur Besichtigung der Sternwarte Aachen, zur Diskussion im Düsseldorfer Landtag und zum Eintauchen in die Küchen New Yorks und Portugals einlädt – und die doch ihr Programm zum Herbstsemester hin gründlich ändert.

Berufliche Bildung wird künftig hier so groß geschrieben wie nie zuvor. Gab es in diesem Bereich im Herbstsemester 2016 noch 386 Unterrichtsstunden in 26 Kursen, so steigt diese Zahl jetzt auf 1110 Stunden in 32 Kursen. Da geht es um Kommunikation, Selbstmarketing und Verkauf, Wirtschaftswissen und Rechnungswesen, Organisation und Gesundheitsmanagement, Office, Word und Excel, Webdesign und Desktop-Publishing – und um ein Fortbildungsprogramm für städtische Mitarbeiter. Die sollen fit gemacht werden in Rhetorik, Kommunikation und Selbstmanagement.

Am Donnerstag stellt VHS-Leiterin Silvia Hannemann im Sozial- und Seniorenausschuss des Rates vor, was sie für das kommende Semester geplant hat. Ein Programm, das im Vergleich zu dem des vergangenen Herbstsemesters deutliche Einschnitte vorsieht. So soll die Gesamtzahl der Unterrichtsstunden in den 13 bis 15 Arbeitswochen des Semesters von 8833 auf 8474 reduziert werden, die Zahl der Veranstaltungen von 376 auf 33. „Gestemmt“ wird das Bildungsangebot und alles, was damit zusammenhängt, von drei hauptamtlichen pädagogischen Vollzeit-Mitarbeitern, vier Verwaltungsmitarbeitern (davon zwei in Vollzeit) und einem Vollzeit-Hausmeister – plus rund 140 freiberuflich tätigen Honorarkräften.

Deutliche Reduzierungen gibt es zum Beispiel im Bereich Integration/Teilhabe, bei der Zahl der Integrations- und Deutschkurse: Integrationskurse nehmen statt 2170 noch 1930 Unterrichtsstunden in Anspruch; die Stundenzahl für Deutsch als Fremdsprache sinkt von 1599 auf 1144. Reduziert wird auch die Zahl der Sprachkurse allgemein: Statt 79 Kursen wird es nur noch 68 geben – mit 1434 statt 1666 Stunden. Wer in der VHS Sprachen erlernen möchte, der hat dennoch eine breite Auswahl: Arabisch, Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch, Kroatisch, Neugriechisch, Niederländisch, Norwegisch, Polnisch, Russisch, Spanisch, Schwedisch, Tschechisch, Türkisch, Ungarisch sowie – in Mehrsprachenkursen – Finnisch, Isländisch und Rumänisch. Und last but not least: Eischwiele Platt.

Ein noch breiteres Angebot als bei Sprachen gibt es im Schwerpunkt Gesundheitsbildung. Zwar sinkt hier die Zahl der Veranstaltungen von 133 auf 124, doch die Zahl der Unterrichtsstunden steigt von 1642 auf 1674. Da geht es um Burn-out-Prävention ebenso wie um Selbstverteidigung, um Nordic Walking, Zumba und Power-Yoga ebenso wie um Aqua-Jogging und Schwimmenlernen, um Problemzonengymnastik und Indoor-Cycling, um Pilates, Autogenes Training, Klangschalenmassage und buddhistische Achtsamkeitsmeditation, um Wirbelsäulengymnastik und Qigong. Und unter dem Titel „Cardio Aktiv“ ist erstmals auch ein zertifizierter Präventionskurs in Zusammenarbeit mit dem SV Germania Dürwiß geplant – da allerdings sind die Kooperationsgespräche noch nicht ganz abgeschlossen.

Weniger „Allgemeinbildung“

Zurückgefahren wird auch das, was an Kursen unter dem Stichwort Allgemeinbildung angeboten wird. 34 statt 48 Veranstaltungen. 660 statt 730 Stunden. Hier kann man zum Beispiel seine Grundkenntnisse im Rechnen auffrischen oder auch seine Lese-, Schreib- und Wortschatzkompetenz steigern. Ein Angebot, das sich nicht zuletzt an die Auszubildenden der Stadtverwaltung richtet. Für Schüler der Realschule ist ein Kurs gedacht, der im Anschluss an den Schulunterricht das Schreiben im Zehnfingersystem auf der Computertastatur vermittelt.

Einen ähnlichen Kurs gibt es auch für Erwachsene. Ebenso wie Kurse in Sachen Windows (Office, Suchmaschinen, Bildbearbeitung, Fotobuchgestaltung, Social Media, Chatsysteme und Internet-Fernsehen), Apple (Grundfunktionen, Multimedia, Apps) und Android (Grundfunktionen, Fotofunktion, Multimedia und Kommunikation). Weitere Kurse im Bereich Allgemeinbildung: ein EDV-Kurs zur GPS-Nutzung, Kurse zu Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung und Erbrecht, eine Exkursion zu den Fledermäusen im Stadtwald und – unter dem Stichwort Umgangsformen – eine Farb- und Stilberatung.

Vom Venn ins Bergwerk

Eine leichte Steigerung erfährt der Bereich Kulturelle Bildung. In 24 Veranstaltungen (Vorjahr 22) und 356 Unterrichtsstunden (343) kommen tanzaffine Zeitgenossen (Hiphop und orientalischer Tanz eingeschlossen) ebenso auf ihre Kosten wie künftige Gitarristen, Fotografen und Patchwork-Fans. Und natürlich kann man in der VHS auch weiterhin Zeichnen lernen, sich in Aquarell-Drucktechniken üben und Stillleben komponieren. Oder sich dem Ersten Eschweiler Philosophenkreis anschließen.

Wer seine Zeit nicht in geschlossenen Unterrichtsräumen verbringen möchte, der kann mit der VHS das Besucherbergwerk Hellenthal-Rehsche erkunden, in der Bundeskunsthalle Bonn alles über den Fall Gurlitt, den NS-Kunstraub und die Folgen erfahren, sich von Gärten und Parks in den Niederlanden und im Bergischen Land verzaubern lassen, das Brackvenn und das kleine Moor am Struffelt erwandern oder die Werke Édouard Manets, des Erfinders der Moderne, im Von-der-Heydt-Museum Wuppertal bestaunen.

Das Herbstprogramm der Volkshochschule kommt noch vor den Sommerferien, am Mittwoch, 21. Juni, in einer Auflage von 31.000 Exemplaren in alle Eschweiler Haushalte.

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