Volker Weininger: Wulffs Rücktritt und Berlusconis Lachen

Von: ran
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Hielt der Gesellschaft und ihren nicht selten seltsamen Auswüchsen den Spiegel vor: Kabarettist Volker Weininger. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Gibt‘s Fragen an dieser Stelle?“ Die Feststellung, dass Kabarettist Volker Weininger zu Beginn seines Programms „Euer Senf in meinem Leben“ am Samstagabend im vollbesetzten Kulturzentrum Talbahnhof mit der Tür ins Haus fiel, lässt sich nicht ganz von der Hand weisen. Und als ihm aus dem Publikum (zum ersten und einzigen Mal) eisiges Schweigen entgegenströmte, ließ er die Zuhörer sogleich tief in seine Seele blicken.

„Beneidenswert. Ich kenne mich nämlich nicht mehr aus! Die Welt ist schon ein seltsames Kerlchen. Jetzt nimmt Langnese auch noch den Flutschfinger vom Markt“, schüttelte er den Kopf.

Dann ging es ans „Klugscheißen“, denn Volker Weininger verriet den Gästen, woher denn die Redewendung „Seinen Senf dazugeben“ stammt. „Im 17. Jahrhundert war Senf quasi der Ferrari unter den Gewürzen. Und deswegen servierten die Wirte Senf auch zum Toast Hawaii und zu Schwarzwälder Kirsch!“

Nach diesem kurzen Ausflug in die Historie wendete sich der 40-Jährige dann eher profaneren Themen der Gegenwart zu: Taugen Politiker überhaupt noch als Vorbilder? Dies müsse differenziert betrachtet werden. „Berlusconi lacht sich doch über Wulffs Rücktritt kaputt. Für sowas wird man in Italien erst Präsident“, zog er Vergleiche.

Fexibilität ist Trumpf

Oder auch der Fall Margot Käßmann. „Sitzt mit gerade mal 1,6 Promille hinter dem Steuer, wird erwischt und tritt sofort zurück. Was für eine Überreaktion! Schließlich war sie bei der Evangelischen Kirche doch nicht als Chauffeurin angestellt“, spielte er auf Angela Merkels Bemerkung in der „Plagiatsaffäre Guttenberg“, sie habe keinen Inhaber einer Doktorarbeit, sondern einen Verteidigungsminister berufen, an.

„Aber Frauen haben offenbar Probleme, an ihren Sesseln kleben zu bleiben“, so die Schlussfolgerung von Volker Weininger, der aber erleichtert aufatmete, dass die FDP während ihres Parteitags in Nürnberg pünktlich zum Bundestagswahlkampf ihr soziales Gewissen wiedergefunden habe. „Wobei, ich wusste gar nicht, dass Parteitage immer noch in Nürnberg abgehalten werden“, wunderte er sich doch ein wenig.

Entscheidend im politischen Tagesgeschäft sei aber vor allem Flexibilität, also die Fähigkeit, die eigene Meinung kritisch zu überprüfen. Etwa bei Waffenexporten. „Die dürfen natürlich nicht in Länder gehen, die politisch unsicher sind, wie zum Beispiel Italien.“ Anders sehe es da bei Katar aus. Die Machthaber dort fürchteten sich ja vor allem vor dem Iran. „Allerdings sind bislang nur die allerwenigsten Panzerschlachten auf dem Meeresgrund entschieden worden“, erinnerte Volker Weininger beiläufig an die Tatsache, dass zwischen beiden Ländern der Persische Golf liege.

Raus, wenn dr Zoch kütt

Und überhaupt: „Wieso haben eigentlich Museen und Friseursalons jeweils montags geschlossen? Will man die Friseurinnen etwa gezielt von der Kultur fernhalten?“, empörte sich der im beschaulichen Windeck aufgewachsene. Darüber hinaus beschäftigt Volker Weininger die explodierende Zahl an Experten. „Früher gab es nur Peter Scholl-Latour und die mit angeheirateter Kompetenz ausgestattete Zahnarztfrau aus der Perlweiß-Werbung.“ Und wie qualifiziert man sich eigentlich als Experte? „Der Fußballexperte war früher Fußballprofi. Aber der Terrorismus-Experte...?“

Klar sei auch, dass der Franzose dem Deutschen in Sachen Protest haushoch überlegen ist. „Rosenmontag, Castor und Stuttgart 21. Der Deutsche geht nur auf die Straße, wenn d´r Zoch kütt.“

Über so manch weitere Irrfahrt des Lebens („Krassestes Beispiel: Kolumbus! Was hat der Junge sich verfahren!“) kam Volker Weininger im letzten Drittel seines Programms zunächst zu Homers „Odyssee“. „22000 Verse. Die Zeit nehmen wir uns.“ Um schließlich in Detroit zu landen: „Dort klatscht es Sonntags ohne Vorwarnung, denn es ist den männlichen Bewohnern an diesem Tag gesetzlich verboten, ihre Frauen böse anzuschauen.“

Dass Frühförderung auch an Grenzen stößen könne, gab der Kabarettist den zufriedenen Zuhörern zu guter Letzt mit auf den Heimweg: „Söckchen mit Stoppernoppen für Kinder im Alter von zwei Wochen?“, fragte er.

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