Vogels Truppe holt keiner vom Rennrad

Von: Rudolf Müller
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Unterwegs in Schwarz und Rot: Die Rennradgruppe der ESG Radsport trifft sich immer mittwochs um 18 Uhr am Blausteinsee. Foto: Rudolf Müller
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Hält die Fahne des Radrennsports hoch: Karsten Vogel.

Eschweiler. Wenn nach Ostern der Frühling sich Bahn bricht, dann ist sie schon voll im Gange, die große Zeit der Radrennfahrer. Klassiker wie Mailand-San Remo, die Flandern-Rundfahrt, Paris-Roubaix , Amstel Gold Race und vor allen anderen die Tour de France, die diesmal auch durch unsere Region führt, ziehen Zigtausende von Fans in ihren Bann.

In Eschweiler allerdings muss das Publikum auf derartige sportliche Spektakel verzichten. Das letzte Radrennen fand hier 2013 statt. Weitere waren personell wie finanziell nicht zu stemmen. Insbesondere, da die Veranstalter immer wieder Topstars dabei haben wollten, gleichzeitig aber der Hauptsponsor absprang.

So attraktiv der Radrennsport für Fans auch ist – immer weniger zweiradbegeisterte Freizeitsportler muten ihrem Allerwertesten selbst einen Ritt auf dem Rennradsattel zu. Davon kann auch die ESG ein Lied singen. „Die meisten setzen sich aufs Mountainbike“, weiß Karsten Vogel, lange Jahre erfolgreicher Fahrer im Team Athleticum-Principia, später Team Comnet-Senges und Team Regiostrom-Senges mit Markus und Stefan Ganser.

Ein Trend, der auch die Aktivitäten der ESG Radsport unter dem Vorsitz von Raoul Sous prägt: Hier steht inzwischen das Downhill-Fahren im Bikerpark Vossenack-Simonskall im Vordergrund. „Aber der Verein ist nach wie vor offen für Rennradfahrer“, betont Vogel. Und auch für „ganz normale“ Mountainbiker, die es nicht ganz so extrem angehen möchten. Allerdings: Die Radtouristikfahrten, die die ESG früher veranstaltete, sind Vergangenheit.

„Die müssen neun Monate vorher angemeldet werden, bedeuten verdammt viel Arbeit, binden 25 Leute an Start und Ziel, Registrierung, Streckenausschilderung, Kontrollpunkten etc. – und haben uns nie auch nur ein einziges neues Mitglied gebracht“, sagt Karsten Vogel. „Da ist eine immense Vorarbeit zu leisten – und wenn‘s dann regnet, kommt keiner.“ Abgesehen davon, dass er und seine Leute immer die Mountainbiker anbetteln mussten, ihnen personell unter die Arme zu greifen.

Immer mittwochs am See

Jeden Mittwoch schwingen sich Karsten Vogel und seine Mitstreiter auf ihre Rennräder. Treffpunkt: 18 Uhr am oberen Blausteinsee-Parkplatz. Von hier aus geht‘s dann raus ins Grüne. Mitfahren bei diesen Trainingsrunden kann jeder, der Spaß daran hat. „Wir verteilen nicht gleich Aufnahmeanträge“, sagt Vogel. Normalerweise kommt dann ein halbes Dutzend Fahrer zusammen, Mitglieder wie Nichtmitglieder.

„Manche davon sind Familienväter, die keine Lust auf Vereinsleben haben, aber mittwochs gerne mitfahren“, erklärt Karsten Vogel. Einmal im Quartal – nächster Termin ist der 2. Mai – kommen die Hobbysportler zu einem gemütlichen Stammtisch im Haus Lersch zusammen, tauschen sich über Strecken und andere radsportrelevante Themen aus, geben einander Tipps.

Eigentlich sollte Karsten Vogel bei der Neustrukturierung des Vereins vor wenigen Jahren die Leitung der Jugend übernehmen. Aber fast das Gegenteil trat ein: Jugendliche wanderten ab, weil der Hauptverein den Nachwuchs nicht mehr so förderte wie zuvor.

Der Trend vom Rennrad hin zum Mountainbike tat ein übriges. Heute ist die Rennradgruppe ganz schön in die Jahre gekommen, Nachwuchs ist herzlich willkommen. „Derzeit gibt es in der ganzen Region nur einen einzigen jugendlichen Lizenzfahrer“, so Vogel. Tim Neffgen aus Inden ist der einzige Radsportler, der mit dem Rennrad auf Punktejagd geht.

„Das einzige, was im Rennradsport boomt, sind die Jedermannrennen, auf denen Freizeitsportler die Strecke der Profis fahren. Da sind dann 2000 Mann am Start und so gut wie jeder kann davon ausgehen, dass er da nicht letzter wird“, sagt Karsten Vogel. „Aber so etwas können wir hier nicht stemmen.“

Den Spaß am Rennradfahren aber lassen sich die ESG-Radsportler trotz aller Widrigkeiten nicht nehmen. Und laden jeden ein, es ihnen gleichzutun. Demnächst wird ein neuer Internetauftritt unter www.esgradsport.de über den Verein und seine Aktivitäten informieren. Und natürlich kann man sich auch direkt an Karsten Vogel wenden: per E-Mail an vogelkarsten@web.de.

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