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Virtuelle Kommunikation: Schulen wollen Medienkompetenz stärken

Von: Anna Fitscher und Annika Kasties
Letzte Aktualisierung:
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Gefahren hinter Bits und Bytes: Viele Jugendliche können mit sozialen Netzwerken nicht verantwortungsvoll umgehen. Foto: Annika Kasties

Eschweiler. Allzeit erreichbar und ständig vernetzt: Längst bestimmen digitale Medien den Alltag von Schülern. Doch nur, weil sich Kinder und Jugendliche wie selbstverständlich in sozialen Netzwerken tummeln, heißt das noch lange nicht, dass sie verantwortungsvoll mit ihnen umgehen können.

Auch die virtuelle Kommunikation will gelernt sein. Das Stichwort „Medienkompetenz“ gehört zum schulischen Lehrauftrag, so schreibt es das Schulgesetz vor. Wie diese Richtlinie umgesetzt wird, bleibt den Schulen selbst überlassen.

Die städtische Realschule Patternhof widmet dem Thema seit zwei Jahren ein eigenes Schulfach. Schüler der unteren beiden Jahrgangsstufen erhalten in dem Fach „Medienkompetenz“ einen sogenannten „Medienpass“, eine Art Führerschein für den Umgang mit digitalen Medien, berichtet Schulleiterin Michaela Silbernagel und betont: „Digitale Medien sind aus der alltäglichen Welt der Schüler nicht mehr wegzudenken.“

Doch bei der Digitalisierung des alltäglichen Lebens geht es längst nicht mehr nur um den sicheren Umgang mit Office und Powerpoint. Hinter den Bits und Bytes verbergen sich auch Gefahren. Gerade bei jüngeren Schülern stellt Silbernagel fest, dass ihnen das Ausmaß der virtuellen Verbreitung häufig gar nicht bewusst sei. Ob ein peinliches Foto oder eine unbedachte Äußerung, digitale Daten verbreiten sich durch Klassenchats bei „Whatsapp“ und „Facebook“ wie ein Lauffeuer. „Aufklärungsarbeit ist das absolute Muss“, findet die Schulleiterin. Erst recht, wenn das Verhalten im Internet auch strafrechtliche Konsequenzen haben kann. Um die Schüler über diese zu informieren, kooperiert die Realschule mit dem Kommissariat Vorbeugung in Aachen. Einmal im Jahr hält ein Vertreter des Kommissariats einen Vortrag für alle Schüler der siebten Klassen.

Auch die Liebfrauenschule hat längst erkannt, wie wichtig Medienkompetenz in der heutigen Zeit ist. Acht Schüler der achten Jahrgangsstufe nahmen im Oktober an Medienscout-Workshops in Aachen teil. Initiatorin war Susanne Lipps, Lehrerin für Geschichte und Deutsch. „Ich finde es unheimlich wichtig, dass die Schüler ein Bewusstsein für das Internet und alles, was damit verbunden ist, bekommen“, so Lipps. Die Lehrerin leitet zudem die AG der Medienscouts. Bald wollen die Schüler eine Unterrichtsstunde für die fünften und sechsten Klassen anbieten. „Hauptsächlich wollen wir Problemen wie Cybermobbing vorbeugen. Denn erfahrungsgemäß ist die Hemmschwelle, sich jemand Fremden anzuvertrauen, wenn etwas Schlimmes im Internet geschieht, sehr groß“, sagt Bianca, Teilnehmerin der AG. In der Unterrichtsstunde soll es dann zudem um die Selbstdarstellung im Netz, das Verbreiten von Film- und Bildmaterial und rechtliche Grundlagen gehen.

Die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Alltag der Schüler gehören auch zu Michael Mußlers täglicher Arbeit als Schulsozialarbeiter an der Realschule Patternhof. Eine „erschreckende Entwicklung“ beobachtet der Diplom-Sozialpädagoge vor allem im Bereich des Cybermobbings. Ausgrenzung und Hänseleien habe es schon immer gegeben. Neu sei die dauerhafte Verfügbarkeit durch soziale Netzwerke. Selbst in den eigenen vier Wänden können sich Schüler dem Mobben nicht entziehen. „Die Kinder haben nie wirklich Ruhe und wissen, dass es immer weiter geht. Das ist für sie sehr zermürbend“, erklärt Mußler.

Eine weitere Gefahr sieht er in der Verbreitung von Gerüchten. „Vieles, was im Netz steht, wird einfach bedingungslos hingenommen. Die Schüler denken dann: Wenn es viele erzählen, kann es ja nicht falsch sein“, erklärt Mußler. Gerade Kinder seien damit schlichtweg überfordert. „Sie können noch nicht differenzieren, dabei wollen wir sie unterstützen.“ Ein wichtiger Faktor sei dabei das Ergründen der Motivation. Warum stellt eine Plattform einen Sachverhalt auf eine bestimmte Weise dar? Was wollen Nutzer mit ihrer Aussage bezwecken? „Das ist etwas, für das wir unsere Schüler sensibilisieren wollen“, betont Mußler.

Dabei gehen auch ältere Mediennutzer bewussten Falschmeldungen im Internet auf den Leim. Mußler spricht von einem gesamtgesellschaftlichen Problem, das über den Wirkungsbereich von Schulen hinausgehe. Deshalb seien auch die Eltern gefragt. „Das geht alles nur in Zusammenarbeit mit Schulen und Eltern.“

In puncto Prävention kooperieren wollen auch die Eschweiler Bildungsstätten. Derzeit werden Gespräche geführt, wie die weiterführenden Schulen zusammen ein größer angelegtes Projekt veranstalten könnten, verrät Silbernagel und betont: „Wir sehen alle die Dringlichkeit der Thematik.“

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