VIP-Talk: Der Obi-Gründer besucht Haus Kambach

Von: ran
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Aufmerksame Zuhörer: Obi-Gründer Manfred Maus fesselte die Gäste des 9. Kambacher VIP-Talks während seines Vortrags und der anschließenden Diskussion mit einem eindringlichen Appell für eine „wertebasierte Unternehmerkultur“. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Häufig erntet er nach eigener Aussage „skeptische Blicke und Raunen“, wenn er in Unternehmerkreisen die für ihn absolut unverzichtbaren christlichen Werte anspricht. Lassen sich diese Werte denn überhaupt mit Unternehmertum in Einklang bringen? Für ihn definitiv. Und der Erfolg gibt ihm Recht!

Im Jahr 1970 gründete Manfred Maus mit zwei Mitstreitern die Baumarkt-Kette Obi und bereicherte so ganz nebenbei den deutschen Sprachschatz um das bis dahin hierzulande unbekannte Wort „Franchise“.

Knapp 47 Jahre und rund 570 Obi-Baumärkte später, die Marke verfügt laut Studien über einen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung von 98 Prozent, war Manfred Maus nun zu Gast beim 9. Kambacher VIP-Talk, der am Donnerstagabend in Kooperation mit dem Bund Katholischer Unternehmer (BKU) stattfand, um unter der Überschrift „Die Welt verändert sich - Wirtschaft neu denken“ vorzutragen und anschließend in die Diskussion mit seinen zahlreichen Zuhörern zu treten.

Wobei Manfred Maus zu Beginn seiner Ausführungen zunächst einmal unterstrich, was sich, vor allem in Deutschland, nach wie vor leider nicht verändere: „Trägst du eine Idee vor, wird dir zunächst einmal von vielen Menschen erklärt: Das geht nicht! Dies war in den 60er Jahren schon so und ist auch in der Gegenwart ein Problem.“ Gerade deshalb müsse für Unternehmer aber der Leitsatz lauten, sich nicht vom Weg abbringen zu lassen, wenn die Überzeugung vorhanden sei, dass sich die Idee umsetzen lasse.

Darüber hinaus sei aber die Welt im Prozess extremer Veränderungen. Die Stichworte lauteten Digitalisierung, Vernetzung und Mobilität. „Meine jüngste Enkelin ist neun Jahre alt. Sie wird einmal ihren dann wohl erstaunten Kindern erzählen, sie habe ihren Opa noch selbst Autofahren gesehen. Denn das autonome Fahren wird kommen. Davon bin ich überzeugt“, wagte der sechsfache Großvater einen Blick in die Zukunft.

Für einen Unternehmer laute eine der ersten Aufgaben, den Nutzen seiner Produkte für den Kunden zu definieren. „Im Falle von Obi lautet dieser Nutzen, dass Menschen bauen, um zu wohnen, um sich ein Zuhause aufzubauen. Und das Zuhause ist ein wichtiger Wert“, betonte Manfred Maus. Und welchen Nutzen bringt die Digitalisierung? „Daten sind das zukünftige Kapital des Unternehmers“, so der 81-Jährige.

Schließlich suche sich das Produkt inzwischen den kürzesten Weg vom Hersteller zum Endverbraucher. Die Zukunft liege vor allem beim individuell auf den einzelnen Kunden zugeschnittenen Produkt, keinesfalls bei Massenware. „Eine dramatische Veränderung, die aber bei weitem nicht nur Ängste auslösen sollte, sondern riesige Chancen bietet“, ist der Betriebswirtschaftler sicher.

In den 60er Jahren sei die Welt in Produktgruppen eingeteilt gewesen. „Meine Idee lautete dann, dem Hausbesitzer mit Garten die Möglichkeit zu geben, bei mir alles in einem Geschäft zu bekommen, was er für sein Haus benötigt. Deshalb habe ich ein Unternehmen gegründet, dass vollkommen auf den Kunden ausgerichtet war.

Und zwar mit dem Ziel, ihn nicht nur zufriedenzustellen, sondern ihn zu begeistern“, wies Manfred Maus auf eine unverzichtbare Fähigkeit für einen erfolgreichen Unternehmer hin. „Er muss in der Lage sein, den Wandel rechtzeitig zu erkennen!“

Christliche Werte

Weiterhin benötige er einen Wertekompass, der sowohl gegenüber den Kunden als auch den Mitarbeitern die Richtung vorgebe: „Die beste Orientierung liefern für mich die christlichen Werte, etwa die zehn Gebote. Du darfst nicht lügen! Tust du es doch, landest du dort, wo sich nun VW und so manche Bank befinden!“, nannte der Referent auch Namen, um gleich darauf eine Frage zu stellen.

„Kann ein Unternehmen langfristig erfolgreich geführt werden, wenn sich Mitarbeiter ungerecht behandelt fühlen?“ Wohl kaum, denn eine solche Situation schlage sich sofort auf die Produktivität nieder. Studien zeigten auf, dass rund 35 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland „Dienst nach Vorschrift“ ablieferten, laut Manfred Maus also „innerlich gekündigt“ hätten. „Lügen sie als Unternehmer ihre Kunden an, sind die Mitarbeiter zu Recht davon überzeugt, dass sie auch angelogen werden“, erklärte Manfred Maus und nannte als Gegenrezepte eigentlich „einfache Werte“ wie Vertrauen, Respekt, Disziplin und Konsequenz.

„Das Ziel eines Unternehmers müssen begeisterte Kunden und Mitarbeiter sein. Das Ergebnis sind dann womöglich zehn Millionen Euro Gewinn. Doch Ziel und Ergebnis dürfen nicht verwechselt werden!“ Nur eine wertebasierte Unternehmerkultur biete in dieser sich stetig und nachhaltig verändernden Welt die Möglichkeit, langfristig zu überleben, schloss der Vorsitzende der Diözesangruppe Köln des BKU seinen Vortrag, nicht ohne für eine engere Zusammenarbeit mit evangelischen Führungskräften zu werben, die einst in den Zusammenschluss „Bund christlicher Unternehmer“ führen könnte.

Im Anschluss lud Wolfgang Habedank, der gemeinsam mit Max Krieger, Burghard von Reumont sowie Andree Brüning von der Diözesangruppe Aachen des BKU für die Organisation des 9. Kambacher VIP-Talks verantwortlich zeichnete, die Zuhörer zur Diskussion mit Manfred Maus ein.

In dieser machte der im baden-württembergischen Gottmadingen am Bodensee geborene und in Wermelskirchen im Bergischen Land lebende Unternehmer, der bis zum Jahr 2004 aktiv an der Ausrichtung des Unternehmens beteiligt war, unter anderem deutlich, warum die Expansion von Obi auf den chinesischen Markt beendet wurde. „Weil diese nur durch Bestechung möglich gewesen wäre“, so die klare Aussage.

Darüber hinaus sei es selbstverständlich, dass sich auch Obi dem weltweiten Wandlungsprozess keinesfalls verschließen dürfe. „Der Baumarkt kann, so wie er sich jetzt zeigt, langfristig nicht überleben!“, sagte Maus.

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