Vermieter im Gefängnis: Keine Hilfe nach Wasserschaden

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
7195634.jpg
Peter Süssenbach und seine Familie ziehen aus. Der Wasserschaden in ihrer Küche wird derzeit nicht repariert. Der Vermieter sitzt im Gefängnis. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Dürwiß. Kurioser Fall in Dürwiß: Nach einem Wasserschaden will sich eine Familie an den Vermieter wenden. Der sitzt jedoch in den Niederlanden im Gefängnis.

Es war an einem Samstag vor rund zwei Wochen, als Peter Süssenbach in seiner Küche eine Entdeckung machte. Ein kleines Stück der weißen Wandtapete hatte sich gelöst. Süssenbach wunderte sich zwar, machte sich jedoch zunächst keine weiteren Gedanken darüber. Bis zum nächsten Morgen.

Was ihn dann in seiner Küche erwartete, verschlug ihm zunächst einmal die Sprache. Die weiße Wandtapete hatte sich weiter gelöst und die Küche der Familie stand komplett unter Wasser. Der Grund dafür war schnell gefunden. Die Heizung in der Wohnung darüber tropfte und verursachte so den Wasserschaden. Nun könnte man meinen , dass das weitere Prozedere einfach ist: mit dem Vermieter sprechen, Handwerker anrufen, Schaden beseitigen lassen. In diesem Fall weit gefehlt.

Mit den Folgen hatte keiner der Betroffenen gerechnet. Der Heizungsmonteur klärte die Familie darüber auf, dass er ihnen nicht helfen könne. Der Grund ist für Peter Süssenbach bis heute noch schockierend. „Er hat uns gesagt, dass unser Vermieter im Gefängnis sitzt und er nicht arbeiten könne, weil er dann kein Geld bekomme.“ Die Familie ging dem auf den Grund und wurde tatsächlich im Internet fündig. Es stellte sich heraus, dass der Eigentümer von den niederländischen Behörden in Gewahrsam genommen wurde, da er mehrere Millionen veruntreut haben soll.

In ihrer Not wandte sich die vierköpfige Familie an den Hausverwalter Lars Fehlau. „Er fiel aus allen Wolken“, erklärt Süssenbach und fügt hinzu: „Er hatte davon nämlich auch nichts gewusst.“ Auf Anfrage unserer Zeitung erklärt Fehlau, dass er den Vertrag mit dem Eigentümer gekündigt habe und so nicht mehr zuständig für die Mehrfamilienhäuser auf der Heinrich-Heine-Straße sowie auf dem Broicher Pfad sei.

„Wir waren dazu gezwungen, unseren Vertrag zu kündigen“, sagt Fehlau. Schließlich habe man keine Kontovollmacht und könne so auch für anfallende Kosten wie Reparaturen nicht aufkommen.

Peter Süssenbach und seine Familie fühlen sich im Stich gelassen. Jeden Tag leert der Vater einer 15-jährigen Tochter und eines 22-jährigen Sohnes einen Zehn-Liter-Eimer voller Wasser, das aus der Wohnung über ihm in seine Küche tropft. „Der fängt aber noch lange nicht alles auf“, so Süssenbach. Viele kleine Schüsseln stehen auf dem nassen Boden, auf dem mehrere vollgesaugte Küchentücher liegen. Auch an Kochen ist nicht mehr zu denken. Der Herd steht unter Wasser und der Laminatboden ist aufgequollen. Zum Essen muss die Familie regelmäßig die Wohnung von Schwester Bettina Stemmer aufsuchen.

Sie lebt mit ihrem siebenjährigen Sohn nur ein Haus weiter. Auch sie plagte in den vergangenen Wochen ein Problem. „Wir hatten Mäuse in der Wohnung“, erzählt sie und fügt hinzu: „Eigentlich müsste der Kammerjäger kommen, aber es kommt niemand für die Kosten auf.“ Wohl fühlen sich die Familien in ihrem Zuhause nicht mehr.

Sorgen machen sich mittlerweile auch die anderen Mieter. Schließlich ist bislang unklar, wie es mit der Immobilie weitergeht. „Ich bin gerade erst hier eingezogen“, sagt Lutz Mauritz und fügt hinzu: „Es ist doch nur noch eine Frage der Zeit, bis man uns hier Strom und Wasser abdreht. Das ist schon dramatisch.“

„Wir treten nicht in das Mietverhältnis ein“, sagt Christian Neuß vom Jobcenter. Dieses zahle zwar die Unterhaltskosten für die Wohnung, sobald jedoch Probleme zwischen Mieter und Vermieter eintreten, müssen diese zivilrechtlich geklärt werden. Für Familie Süssenbach gibt es dennoch einen kleinen Lichtblick.

Ab dem 1. März können sie eine neue Wohnung beziehen. Hilfe bekommen sie auch vom Jobcenter. „Wir können unseren Kunden den Rücken stärken, indem wir ihnen eine Jahresmitgliedschaft im Mieterschutzbund finanzieren.“ Für Peter Süssenbach und seine Familie beginnt mit dem Umzug ein neuer Lebensabschnitt. Was aus dem Haus an der Heinrich-Heine-Straße wird, werden die kommenden Wochen zeigen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert