Eschweiler - Verkehrsunfälle: Die Opfer sollen zu ihrem Recht kommen

Verkehrsunfälle: Die Opfer sollen zu ihrem Recht kommen

Von: Patrick Nowicki
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Möchten verstärkt auf das Angebot von Divo aufmerksam machen: die Vorstandsmitglieder mit dem Vorsitzenden Roman Buschbell (vorne, links) und Bürgermeister Rudi Bertram (rechts). Foto: Patrick Nowicki
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Bild des Grauens: Schwerstverletzte und deren Angehörige leiden oft noch lange nach einem Unfall. Ihnen bietet die in Düren beheimatete Deutsche Interessengemeinschaft für Straßenverkehrsunfallopfer Hilfe. Foto: dpa

Eschweiler. Eine Unachtsamkeit – und das Leben ist nicht mehr wie vorher. So erging es einem Unfallfahrer, der auf glatter Fahrbahn die Kontrolle über sein Fahrzeug verlor. Der Wagen stieß gegen einen Baum, der Beifahrer, sein Sohn, kam nur knapp mit dem Leben davon und erlitt ein Schädel-Hirn-Trauma. Was folgte: Teure Reha-Maßnahmen, die die Familie an ihre Existenzgrenze brachte.

Ganz zu schweigen von den psychischen Folgen für alle Beteiligten. Acht Jahre nach diesem schrecklichen Ereignis wandte sich der Familienvater an die Deutsche Interessengemeinschaft für Verkehrsunfallopfer, kurz: Divo. Der Verein, in dessen Vorstand der Indestädter Andreas Hasenbein mitwirkt, hat es sich zur Aufgabe gemacht, Opfern von Schwerstunfällen zu helfen.

Etwa 30 Anfragen pro Monat erhält der Verein mit Sitz in Düren. Dies klingt zunächst wenig, allerdings muss man die Zahl in Relation zu den tatsächlichen Opfern setzen. Laut Straßenverkehrsbundesamt verletzen sich etwa 65.000 Personen im Jahr schwer. Diese sind jedoch nicht zwangsläufig die Menschen, denen Divo unter die Arme greifen möchte.

„Als schwer verletzt gilt jeder, der mehr als 24 Stunden im Krankenhaus verbringt“, sagt Eduard Herwartz von Divo. Die Zahl der Menschen, die bleibende Folgen erleiden und nicht wieder in ihr altes Leben zurückfinden können, ist deutlich geringer: Etwa 400 pro Jahr schätzt man. Genau diesen Personen will Divo Hilfe anbieten.

„Hinter jedem Unfall stecken Einzelschicksale“, berichtet der Vorsitzende Roman Buschbell. Entsprechend vielseitig und breitgefächert ist das Hilfsangebot. Im oben geschilderten Fall erleichterte ein juristischer Rat das Leben der betroffenen Familie. Zwar waren seit dem Unfall acht Jahre vergangen, aber im Familienverbund fallen Verjährungsfristen weg.

Dies bedeutet: Der Sohn konnte seinen Schaden bei der Versicherung des Vaters geltend machen und musste dafür keine Anzeige erstatten. Eine hohe sechsstellige Summe wurde letztlich gezahlt – Geld, das für die teure Therapie des Sohnes und den Umbau des Hauses, um den Alltag zu bewältigen, dringend benötigt wurde. „Viele Menschen scheuen sich natürlich davor, so etwas gegen ein eigenes Familienmitglied geltend zu machen“, sagt Herwartz. Zudem sind auch juristische Hürden zu nehmen. Solche Rechtsstreitigkeiten können langwierig sein.

Das Divo-Vorstandsmitglied arbeitete jahrelang selbst in der Schadensbearbeitung eines Versicherers. Er habe die Erfahrung gemacht, dass man dort oft Anträge ablehne, obwohl ein Rechtsanspruch gegeben sei. „Als Bürger kämpft man nicht mit den gleichen Waffen wie die Versicherungen, die ganze Heere von Juristen beschäftigen“, meint Herwartz. Steinig kann auch der Weg bei Krankenkassen sein, notwendige Hilfen einzufordern. Häufig seien die Betroffenen eines schweren Unfalls und deren Angehörige überfordert, was zudem von Verzweiflung, Ängsten und Sorgen begleitet sei. Die Rechtsberatung stellt darum eines der Standbeine des in Düren ansässigen Vereins dar.

Aktuell rührt Divo kräftig die Werbetrommel, um bekannter zu werden. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass es uns gibt“, schildert der Indestädter Andreas Hasenbein, Sprecher des Vereins. So bekomme man viele Anfragen aus ganz Deutschland, dabei sei man aber in der Region Aachen und Düren verwurzelt. Dies soll sich nun ändern – mit einer neuen Broschüre. Sie ermuntert Menschen dazu, selbst Bedürftige zu nennen. „Wir suchen Menschen und Familien, die durch einen Verkehrsunfall in seelische und/oder finanzielle Not geraten sind und dringend eine einmalige finanzielle Unterstützung und Hilfe benötigen“, heißt es darin.

Auf offene Ohren stießen die Vereinsvertreter beim Eschweiler Verwaltungschef Rudi Bertram. Er schlug vor, dass die Ehrenamtler ihr Angebot im Sozial- und Seniorenausschuss vorstellen. Zugleich versprach er, dass die Broschüre im Rathaus ausliegt und die Feuerwehrleute der Stadt für die Opferhilfe sensibilisiert werden. „Die Rettungssanitäter und Feuerwehrleute sind schließlich oft die ersten, die nach einem Unfall eintreffen“, sagt Bertram.

Das Netzwerk, das Divo knüpfen möchte, soll engmaschiger werden. Ein Schwerpunkt soll auf die Prävention gelegt werde. Allerdings vorrangig will man helfen. Viele der Vorstandsmitglieder waren selbst einmal von einem Unfall betroffen – so weit muss es aber nicht kommen, wenn man sich in dem Verein engagieren möchte.

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