Eschweiler - Verein in Not: Stadtfeste stehen auf der Kippe

Verein in Not: Stadtfeste stehen auf der Kippe

Von: Patrick Nowicki
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Hat die Geschäftsführung des Citymanagement-Vereins übernommen: Heinz-Peter Wiesen. Damit sind in seinen Augen jedoch noch lange nicht alle Probleme gelöst. Foto: Nowicki
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Spielend hoch hinaus: Ob in Zukunft weiterhin Stadtfeste in Eschweiler veranstaltet werden, ist derzeit unklar. Der Veranstalter, der Citymanagement-Verein, steckt in Schwierigkeiten. Foto: Nowicki

Eschweiler. Eigentlich ist der Citymanagement-Verein unter anderem für die Organisation der Stadtfeste und des Weihnachtsmarktes zuständig. Aber dem Vorstand ist derzeit alles andere als zum Feiern zumute. Die Gründe: Die Auflagen für die Ehrenamtler wachsen, die Kosten steigen und noch immer profitieren zwar Geschäftsleute in der Stadt von den Aktivitäten des Vereins, aber sie beteiligen sich mit keinem Cent.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Position des Vorsitzenden aktuell unbesetzt ist, dem Verein also das Gesicht fehlt. Zumindest eine Personalie wurde in den vergangenen Monaten geklärt: Die Geschäftsführung hat die Firma von Heinz-Peter Wiesen übernommen.

Damit wird der ehrenamtlich arbeitende Vorstand des Citymanagement-Vereins um eine sehr zeitintensive Tätigkeit erleichtert. Die Probleme sind damit laut Wiesen jedoch nicht behoben. Finanziell drückt der Schuh, obwohl die Beiträge für die etwa 100 Mitglieder nochmal deutlich erhöht wurden. Wiesen nennt ein Beispiel: „Der städtische Zuschuss in Höhe von 5000 Euro wird fast vollständig von den Gebühren für die Genehmigungen der Stadtfeste verschlungen.“ Über 1000 Euro müssen laut Wiesen pro Stadtfest ans Rathaus überwiesen werden.

Antrag an die Stadt

Der Verein formulierte deswegen einen Antrag an die Stadt, den jährlichen Zuschuss zu verdoppeln. Stimmt der Stadtrat bei den nächsten Haushaltsberatungen zu, fließen 5000 Euro mehr in die Kasse des Vereins. Die Mitglieder tragen mit der Beitragserhöhung von 250 auf 300 Euro nochmal die gleiche Summe bei. Ein Gespräch mit Bürgermeister Rudi Bertram zu dem Thema habe schon stattgefunden, teilt der Citymanagement-Verein mit.

Sorgen bereiten auch die überörtlichen Regelungen: Das Ladenöffnungsgesetz führte schon in anderen Kommunen zu klagen. Unter anderem stehen Stadtfeste auf wackligen Füßen, denn sie müssen einen konkreten Anlass haben. Was darunter zu verstehen ist, sehen Gerichte unterschiedlich. In Eschweiler kam man bisher um eine Klage herum, obwohl die Gewerkschaft Verdi die Veranstaltungen in einem offenen Schreiben kritisierte.

„Wir benötigen einfach Planungssicherheit, da ist die Politik gefragt“, sagt Wiesen. In diesem Fall die neue Landesregierung in Düsseldorf. Es sei laut Wiesen nicht die Zahl der möglichen verkaufsoffenen Sonntage, sondern die Bedingungen, an die sie geknüpft seien. „Die Formulierungen im Gesetz müssen eindeutiger sein“, fordert er.

Im Hintergrund des Vereins arbeitet immer noch der Mann mit, der die Geschicke jahrelang prägte: Klaus-Dieter Bartholomy. „Als ich meine Arbeit aufnahm, habe ich schnell gemerkt, was er Beachtliches im Ehrenamt geleistet hat“, schwärmt Wiesen. Er habe die Erfahrung gemacht, dass man etwa eineinhalb Stunden täglich mit Tätigkeiten am Schreibtisch und Telefon beschäftigt sei. Unmittelbar vor und nach Großereignissen nehme der zeitliche Aufwand deutlich zu. Wiesen kommt zu dem Schluss: „Die laufenden Geschäfte des Vereins sind nicht ehrenamtlich neben einem Beruf zu leisten.“

Auch aus diesem Grund hat er die Arbeiten auf Honorarbasis übernommen. Es gibt jedoch einen weiteren wichtigen Anlass: Als Hauptamtlicher kann man einem ehrenamtlichen Vorsitzenden den Rücken freihalten. Der Vorsitzende sei nunmehr vorrangig das „Gesicht des Vereins“ und müsse nicht die Hauptarbeit schultern. Dies, so hoffen die Mitglieder des Citymanagement-Vereins, erleichtere die Suche nach einem Kandidaten. Die finanziellen Dinge regelt nach wie vor Kassierer Bernhard Müller. Dass Bartholomy weiterhin die Vorstandsarbeit unterstützt, ist für Wiesen ein großer Gewinn: „Viele Dinge waren bei Klaus-Dieter Bartholomy gebündelt, der sich natürlich dadurch ein enormes Wissen über die Organisation und Planung der Stadtfeste erworben hat.“

Allerdings sind diese Veranstaltung schon lange keine große Einnahmequelle mehr für den Citymanagement-Verein. Zwar hat die Innenstadt mit der Umgestaltung gewonnen, aber dadurch fielen auch Stellflächen weg, wo man früher noch einen Stand unterbringen konnte. Die Folge: Die Summe aus Standgebühren ging drastisch zurück. Auch die Tatsache, dass viele Geschäftsleute nach wie vor keine Mitglieder sind, belastet die Kasse des Citymanagement-Vereins.

Das Argument, es handele sich dabei um Filialisten, lässt Wiesen übrigens nicht gelten: „Andere Geschäfte größerer Ketten wie Douglas und Media Markt zahlen ihren Beitrag im Citymanagement-Verein.“ Allerdings: Ein Zwang, Mitglied im Verein zu werden, besteht nicht. „Auch wenn viele davon finanziell deutlich profitieren“, sagt Wiesen.

In diesem Jahr sollen noch drei Stadtfeste stattfinden. Die Genehmigung war vom Rat beschlossen worden. Allerdings heißt dies nicht, dass doch geklagt wird. Im Citymanagement-Verein ist man sich jedoch sicher, die Hausarbeiter gemacht zu haben. Wenn das finanzielle Problem derzeit nicht wäre...

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