Verein für Schäferhunde: Alf landet mit Herrchen Horst beim Jubilar

Von: Stefan Herrmann
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Ubung macht den Meister: Schäferhund Sam von Dieter Claßen zeigt hier eindrucksvoll mit Lehrhelfer Patrick Leisten, wie eine perfekte Fluchtvereitelung der Schutzhundstufe 1 aussieht. Foto: Stefan Herrmann

Eschweiler. Es war das Frühjahr 1985, als Alf mit seinem Herrchen Horst in Eschweiler „landete”. Nur eine dieser netten, kleinen Anekdoten, die in 90 Jahren „Verein für Deutsche Schäferhunde - Ortsgruppe Eschweiler 1920” zusammengekommen sind.

Alf war natürlich nicht das braune, außerirdische Zottelwesen vom Planeten Melmak aus der bekannten TV-Serie, sondern der Schäferhund von Horst Hrubesch. Der ehemalige Stürmer der Fußballnationalmannschaft kickte damals für Standard Lüttich, nahm im nahen Eschweiler an der traditionellen Frühjahrsprüfung des Ortsvereins teil und gewann den Wettbewerb. Ein geradliniger Siegertyp halt, getreu seinem Motto: „Manni Bananenflanke, ich Kopf, Tor!”

Kick gegen Röthgen

Es war nicht der einzige Fußball-Kontakt, den die Schäferhund-Freunde in den vergangenen Jahrzehnten hatten. Denn mit einem Schmunzeln erinnert sich der Vorsitzende Heinz-Josef Knörchen daran, wie die Mitglieder von Eschweilers ältestem Hundeverein 1976 die Leinen einmal beiseite legten, um gegen die damals noch aktive Ortsgruppe Röthgen anzutreten. Der Kick endete 8:3 für die OG Eschweiler 1920.

In den 20er Jahren teilten sich Hunde, Herrchen und Fußballer sogar einen Platz, und zwar den an der Talstraße. Eine heute wohl nicht mehr vorstellbare Kombination, obwohl doch allseits von „Synergieeffekten” gesprochen wird.

Für Knörchen ist das auch gut so. Er erinnert an die Odyssee, die der Verein auf der Suche nach einer beständigen Heimat durchlebte. Los ging es im Mai 1920, als sich einige Männer nach einer Wanderung mit ihren Schäferhunden in der ehemaligen Gaststätte Schieren in Nothberg trafen. Man sprach über die Arbeit mit den Hunden und ihre Erziehung. Und schnell stand die Frage im Raum: Sollen wir nicht einen Verein gründen? Gesagt, getan. Die Eschweiler Ortsgruppe meldete sich beim Hauptverein in Augsburg, wurde 1920 aufgenommen und ist bis heute aktiv.

Die Geschichte des SV Eschweiler spiegelt ein Stück weit deutsche Geschichte wider: Die Wirtschaftskrise Ende der 20er Jahre sorgte auch bei den Schäferhund-Freunden für schwere Zeiten, noch schlimmer wurde es dann mit der Machergreifung der Nationalsozialisten. Einheitssatzungen wurden auferlegt. Unter den Mitgliedern gab es Misstrauen, die Ortsgruppe wurde anonym bei den Nazis angezeigt, der Hundeverband schließlich zur Unterorganisation des „Reichsverbandes deutscher Kleintierzüchter”. Schlimme Zeiten, die mit Beginn des Krieges das Vereinsleben komplett in den Hintergrund treten ließen.

Der Neubeginn dann in den Jahren 1946 und 1947. Nachdem man immer wieder neue Gaststätten als Vereinslokale auswählte, rückte mit und mit der Wunsch nach einem eigenen Platz in den Vordergrund. 1954 hatte sich zudem die Mitgliederzahl auf 40 gesteigert. Prüfungen, Wettbewerbe und Umzüge fanden großen Anklang auch bei der Bevölkerung. In der Nähe der Kläranlage (wo heute Obi ansässig ist) fand man schließlich eine Heimat: ein Übungsplatz und eine alte Bretterbude als Vereinsheim.

Es sollte jedoch nur eine Heimat auf Zeit werden, zwischenzeitlich musste sogar ein ausrangierter Aseag-Bus als Treffpunkt herhalten, bevor man nach zahlreichen Verhandlungen mit der Stadt schließlich nach Bergrath zog.

Dort sitzen Heinz-Josef Knörchen und seine Mitstreiter auch heute noch. „Wir fühlen uns hier richtig wohl”, sagt er. Der Pachtvertrag mit der Stadt sei gerade erst verlängert worden. Der Vorsitzende erinnert an die Glanzzeiten in den 70er- und 80er-Jahren, als bei 48 aktiven Mitgliedern sogar ein Aufnahmestopp verhängt werden musste. „Sonst wäre es mit all den Hunden wirklich zu voll auf unserem Platz geworden”, so der leidenschaftliche Hundehalter.

Von seinem Großvater, so Knörchen, habe er die Liebe zum Schäferhund geerbt. Seit 49 Jahren ist der 65-Jährige im Verein, 1959 kam er dann wahrlich auf den Hund, kaufte für 75 D-Mark „Etzel vom Steffenshof”. „Da muss man heute schon etwas mehr hinlegen”, schmunzelt er. Insgesamt zwölf Tiere besaß er in den vergangenen Jahrzehnten. Ganz frisch ist „Carlo”, sein elf Wochen alter schwarzer Rüde.

„Bei einigen unserer Mitglieder sind die Schäferhunde ja richtig enge Familienmitglieder. Dass die nicht sprechen können, ist ja eigentlich alles”, erklärt Knörchen die besondere Zuneigung zwischen Hund und Herrchen. Dazu kommen die zahlreichen Übungen und Prüfungen, die man gemeinsam auf dem Vereinsgelände oder in der Umgebung bestreitet: Ob Gehorsamsübungen, Schutzdienst oder das Fährtensuchen - das richtige Zusammenspiel zwischen Mensch und Vierbeiner will gelernt sein. „Ein Hund muss sich neutral verhalten”, weiß Knörchen. Egal ob im Straßenverkehr, in engen Bussen oder im Umgang mit Kindern.

Große Erfolge, gesellige Abende: Die aktuell 25 Mitglieder der Eschweiler Ortsgruppe haben vieles erlebt. Auf 90 Jahre blicken sie zurück, die 100 haben sie bereits fest im Visier. „Meine Vorstandskollegen meinen, ich sei dann noch immer Vorsitzender”, sagt Knörchen, der das Amt bereits seit 1992 innehat (dazu gab es ein kurzes Vorsitzenden-Intermezzo von 1975 bis 1977). Eines ist aber klar: Auf den Hund gekommen sind sie alle. Ob der nun Alf, Sam oder Carlo heißt.

Nächster Pokalwettkampf am 6. Juni:

Das Jubiläum wurde groß mit einem „Rheinischen Abend” im Brauhaus Peltzer gefeiert. Für reichlich Stimmung sorgten unter anderem „De Fröngde”, Ren Külzer, „Labbes on Drickes” und Disk-Jockey (und SV-Mitglied) Charly Gebauer.

Der Vorsitzende Heinz-Josef Knörchen zeichnete drei neue Ehrenmitglieder aus: Helga Görres, die über 20 Jahre lang die Chronik führte; Manfred Pier, der 30 Jahre als Kassenwart fungierte, Gerd Kreutz, fast 40 Jahre im Verein als erfolgreicher Hundeführer und lange Zeit Getränke- und Jugendwart der Ortsgruppe.

Ein großer Jubiläumspokalkampf findet am Sonntag, 6. Juni, auf dem Vereinsgelände in Bergrath (Im Felde) statt. Los geht´s um 9 Uhr.

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