Vegan leben? Zwei Eschweiler machen’s vor

Von: Laura Laermann
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Die Foodblogger Sebastian Schwarz und Tamara Münstermann-Pieta teilen im Internet ihre Kreationen in der veganen Küche. Mit ihren Rezepten und Fotos erreichen sie jeden Monat Tausende. Foto: Henning Pieta
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Lecker: Blätterteigmuffins mit Spinat, Champignons und Tomaten. Rezept: siehe unten. Foto: Tamara Münstermann-Pieta

Eschweiler. Heiße, würzige Luft strömt aus dem Ofen und erfüllt die gemütliche Küche. Beim Anblick der knusprigen Blätterteig-Muffins, gefüllt mit mediterranem Gemüse und Käse, läuft einem das Wasser im Mund zusammen. Doch bevor die leckeren Happen in den Mund wandern, müssen sie noch in Szene gesetzt und fotografiert werden.

 Die Fotos landen dabei nicht etwa als Erinnerung im privaten Fotoalbum. Stattdessen werden sie auf dem Foodblog „Simply Vegan“ mit tausenden Besuchern der Internetseite geteilt.

Seit 2012 präsentieren Tamara Münstermann-Pieta und Sebastian Schwarz immer wieder neue Rezepte für die vegane Küche in ihrem Blog. Kennengelernt haben sich die beiden Eschweiler während ihres Studiums in Kommunikationsdesign an der Fachhochschule Aachen.

Schnell stellten die heute 25-Jährigen fest, dass sie nicht nur Kreativität gemeinsam haben, sondern auch beide gerne Kochen und zwar vegan. Getreu dem Titel „Simply Vegan“ machten sie es sich zur Aufgabe, möglichst einfache Rezepte zu kreieren, auszuprobieren und das Ganze fotografisch festzuhalten.

„Wir möchten zeigen, dass es nicht kompliziert und teuer sein muss, vegan zu kochen“, erklärt Sebastian Schwarz. „Es ist uns wichtig, dass die Rezepte alltagstauglich sind und man alle Zutaten im normalen Supermarkt bekommt.“

Vegane Produkte umstritten

Auch die herzhaften Blätterteig-Muffins sind einfach nachzumachen. Lediglich bei zwei Zutaten müssen die beiden Foodblogger zur veganen Alternative greifen. Statt Sahne kochen sie mit einer Soja-Kochcreme. Käse gibt es auch in der veganen Variante.

Entgegen Vermutungen sind auch in den meisten handelsüblichem Blätterteigen weder Eier noch Butter verarbeitet. „Wenn man nicht genau weiß, welche Lebensmittel vegan sind, lohnt sich ein Blick auf die Zutatenliste“, empfiehlt Tamara Münstermann-Pieta Vegan-Neulingen. „Hinter den E-Nummern verstecken sich auch schon mal tierische Bestandteile, wie zum Beispiel echtes Karmin.“

Diese Zusatzstoffe findet man allerdings meist nur in Fertiggerichten. Zum Beispiel auch in Fleischersatz-Produkten, die sich der Konsistenz und dem Geschmack von Fleisch annähern sollen. Diese sind umstritten und werden im Netz heftig diskutiert.

Es geht sprichwörtlich um die vegane Wurst. Immer wieder wird kritisiert, dass große Mengen Soja mit weiten Transportwegen, sowie Weizen, Gewürze, Zusatzstoffe und Plastik-Verpackungen aufgewendet werden müssen, um ein Imitat dessen herzustellen, worauf Vegetarier oder Veganer eigentlich verzichten wollen. Dennoch sind auch viele dankbar für den Fleischersatz: „Für jemanden, der von Fleisch zu vegetarischer oder veganer Ernährung wechseln möchte, erleichtert es die Umstellung“, erklärt Tamara Münstermann-Pieta.

Die beiden Simply-Vegan-Autoren setzen eher auf Natürlichkeit, verzichten auf Zusatzstoffe und arbeiten stattdessen in ihren Rezepten mit frischem Gemüse. Wer bislang dachte, „nur Gemüse ist doch langweilig“ sollte sich die vielfältigen Rezepte ansehen: Farfalle in Bärlauch-Pesto mit grünem Spargel, Curry-Couscous mit Zucchini und Champignons, Ofensüßkartoffel mit Kichererbsen und Tahin-Zitronen-Soße machen Appetit.

Die Liste ist lang und wird noch viel länger, wenn man sich die Suppen, Getränke, Kuchen und Desserts anschaut. Ob Kaiserschmarren oder Tiramisu, alles ist möglich in der veganen Küche. Milch, Joghurt, Käse und Quark gibt es auf Soja-Basis, alternativ kann man auch Mandel- oder Hafermilch nehmen. Zudem wird in der veganen Küche die Butter durch Margarine ersetzt und der Honig durch Agavendicksaft.

76.000 Internet-Besucher

All ihr Wissen zur veganen Küche teilen Schwarz und Münstermann-Pieta im Internet mit ihren Followern und Besuchern ihres Blogs. Bei Facebook und Instagram verbreiten die Eschweiler ihre Rezepte und Fotos, um möglichst viele Menschen zu erreichen. Fast 29.000 Gefällt-Mir-Angaben hat die Facebook-Seite Simply Vegan bereits, und rund 76.000 Besucher haben ihren Blog im vergangenen Monat aufgerufen.

80 Prozent der Besucher stammen aus Deutschland. Ihre Idee funktioniert, weil die Nachfrage wächst und ein Umdenken stattfindet. „Wir sind beide Veganer aus ethischen Gründen, da wir Tierleid vermeiden möchten“, sagen sie klar. „Wir wollen andere Menschen aber nicht mit abschreckenden Bildern vom veganen Leben überzeugen. Viel mehr möchten wir ästhetische Bilder von leckerem Essen zeigen und Lust auf mehr machen.“ Daher geben sich die beiden Blogger bei der Gestaltung der Fotos besonders viel Mühe. Die Kunst der Food-Fotografie haben die beiden in ihrem Studium in Kommunikationsdesign gelernt.

Erstes Kochbuch mit 90 Rezepten

Anfang Dezember haben sie ihr erstes Kochbuch mit 90 veganen Rezepten publiziert. Der Gestaltung des Logos, Layouts, der Fotos sowie Inhalte haben sie sich ebenfalls selbst angenommen und wurden aus ihrem Freundeskreis unterstützt. Zudem haben sie sich für einen grünen Verlag entschieden, der ökologisch nachhaltig und unter fairen Bedingungen Bücher bindet.

Allein von ihrem Blog und Buch können und wollen die beiden nicht leben. Zwar präsentieren sie auch vegane Produkte und Kochbücher, bleiben aber zurückhaltend, um nicht kommerziell zu werden. „Wir möchten kein Werbeblog werden und stellen nur Sachen vor, von denen wir selbst überzeugt sind“, erklärt Sebastian Schwarz, der als Verpackungsdesigner arbeitet. „Unsere Inhalte möchten wir selbst bestimmen und sie anderen zur Verfügung stellen.“ So landen auch die herzhaften Blätterteigmuffins in ihrem Blog.

Als freiberufliche Fotografin weiß Tamara Münstermann-Pieta, wie man das Essen perfekt in Szene setzt. Auf einem Holztablett, ausgelegt mit Backpapier, ordnet sie die kleinen Kuchen an. Ein paar Tomaten, Champignons und Kräuter ringsherum machen das mediterrane Foto blogreif. Nachdem alles im Kasten ist, werden die Blätterteig-Muffins endlich auf die Kostprobe gestellt. Außen knusprig, innen cremig, vereinen sich mit dem süßlichen Blätterteig und der würzigen Mischung aus Gemüse in einer sahnigen Käse-Soße zwei schmackhafte Komponenten.

Mit Simply Vegan beweisen die beiden Autoren, dass Essen auch ohne Fleisch und ohne tierische Produkte lecker sein kann. Dennoch bleiben die beiden von Protestnachrichten nicht verschont, nehmen es aber mit Humor. „Zuletzt hat uns jemand ein Foto von einem Stück Fleisch geschickt“, erzählt Münstermann-Pieta und lacht.

Letztlich bleibt es jedem selbst überlassen, sich vegan, vegetarisch oder mit Fisch und Fleisch zu ernähren. Doch die Missstände der Massentierhaltung bleiben ein großes Problem, auf das Konsumenten großen Einfluss haben. Dabei geht es nicht nur um die Menge, auch um die Herkunft. Vielleicht wird es Zeit, im neuen Jahr seinen Konsum von tierischen Produkten zu hinterfragen. Der Vorsatz für 2017 könnte lauten: „Mehr Gemüse, weniger Fleisch.“

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