Vandalenhorden plündern Hertie-Kaufhaus

Von: rpm/ddp
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Wie nach einem Bombenangriff: die Hertie-Schuhabteilung. Dabei stammt das Bild vom Dienstag, als nach dem samstäglichen Vandalen-Einfall schon mit Aufräumen begonnen worden war. Foto: Rex

Eschweiler/Düsseldorf. Ausnahmezustand im City-Center: Seit das Ende des Hertie-Kaufhauses beschlossene Sache ist und der Räumungsverkauf auf vollen Touren läuft, fallen dreiste Diebe wie Heuschrecken über das Kaufhaus her.

Ein Leser, der am Samstag Augenzeuge des Verhaltens zahlreicher Mitbürger wurde: „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas hier in unserer Stadt möglich ist. Das kann man wohl am besten mit Das große Plündern oder Einfall der Barbaren beschreiben.”

Gleich reihenweise gab es da „Kunden”, denen die 50 Prozent Preisnachlass, die Hertie kurz vor der Schließung bietet, noch zu wenig sind: „Die Schuhabteilung wurde regelrecht geplündert, es sah aus wie nach einem Bombenangriff”, berichtet Leser Norbert Rex.

„In dem großen Durcheinander lagen Dutzende gebrauchte, abgetragene Schuhe, die von diesen Kunden einfach gegen neue getauscht wurden, um dann - natürliche ohne Bezahlen - Hertie mit neuen Schuhen an den Füßen wieder zu verlassen.”

Damit nicht genug: „Wie mir ein ebenfalls fassungsloser Kunde sagte, wurde sogar getragene Unterwäsche in den Umkleidekabinen gegen neue gewechselt”, berichtet unser entsetzter Leser.

Hertie-Geschäftsleiter Thomas Przybylski bestätigt, dass „seit Beginn des Räumungsverkaufs ein enormer Rummel” bei Hertie herrscht. „Weiter möchte ich das nicht kommentieren.”

Urprünglich sollte der Räumungsverkauf am 7. März enden. Ob es dabei bleibt, ist offen. Przybylski: „Wir überprüfen täglich unsere Bestände und schauen, was überhaupt noch da ist.”

Landesbürgschaft angedacht

Ohne konkrete Ergebnisse sind am Mittwoch im Düsseldorfer Wirtschaftsministerium die Gespräche zur Zukunft der insolventen Essener Warenhauskette Hertie beendet worden. Wie das Ministerium mitteilte, soll der Geschäftsbetrieb bei Hertie nach Angaben des Insolvenzverwalters unverändert fortgeführt werden.

„Eine von den Investoren getragene Auffanggesellschaft beabsichtigt nach dem Termin heute, schnellstmöglich über ihre Hausbank einen Antrag auf eine Landesbürgschaft zu stellen. Auf der Grundlage der damit einzureichenden Unterlagen werden voraussichtlich weitere Gespräche zu führen sein”, hieß es weiter.

Teilnehmer des Gesprächs waren neben Mitarbeitern des Wirtschaftsministeriums Insolvenzverwalter Biner Bähr und Vertreter einer möglichen Investorengruppe, die der Insolvenzverwalter vorgestellt hatte.

Hertie hatte Anfang des Jahres noch 73 Filialen mit 3400 Mitarbeitern. Ende Januar hatte das insolvente Unternehmen angekündigt, 19 Niederlassungen mit 520 Vollzeitstellen zu schließen. Mitte Februar hatte der Schlussverkauf in mehreren Filialen begonnen. Die ersten vier Niederlassungen schlossen bereits, weitere sollen voraussichtlich Ende Februar beziehungsweise Anfang März folgen. Ursache für die Hertie-Pleite sind aus Sicht von Insolvenzverwalter Bähr vor allem die hohen Mieten, die von dem ursprünglichen Eigentümer der Gruppe - dem ebenfalls insolventen britischen Finanzinvestor Dawnay Day - gefordert wurden. Demnach mussten die Hertie-Filialen rund 20 Prozent ihres Umsatzes für die Miete aufbringen. Das ist fünfmal mehr als in der Branche üblich.
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