Väterchen Frost ruft jetzt die Statiker auf den Plan

Von: Mischa Wyboris
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Alles Gute kommt von oben? Statiker und Ingenieure befassen sich seit der Weihnachtswoche mit den Dächern von städtischen Gebäuden und der Frage, wieviel Schnee sie tragen können. Foto: Mischa Wyboris

Eschweiler. Wer in diesen Tagen mit Auto, Bus und Bahn unterwegs ist, muss warten. Wer sich zu Fuß auf den Weg macht, muss waten. So oder so: Schnee und Eis haben die Indestadt fest im Griff - und lassen sie so schnell wohl auch nicht mehr los.Stadtsprecher Stefan Kaever.

„Wenn man den Meteorologen Glauben schenkt, ist der Winter noch lange nicht vorbei”, sagt

Welchen Schaden Väterchen Frost freilich auf Straßen und Dächern bis zum heutigen Tag angerichtet hat, lasse sich derzeit noch nicht bestimmen; zumindest die Reparaturen am Asphalt aber dürften in die Hunderttausende Euro gehen, weiß Kaever schon jetzt.

Rund 200.000 Euro hat das Stopfen der Schlaglöcher die Stadt im vergangenen Jahr gekostet. „Das werden wir nach diesem Winter sicherlich nicht unterbieten können”, sagt Kaever. „Das wird ein unwahrscheinlich teurer Winter”, sagt Eschweilers Erster Bürger Rudi Bertram, der mit Schlimmerem rechnet. Bürgermeister Bertram beziffert die möglichen Reparaturkosten gar mit bis zu 500.000 Euro. Immerhin: Für Röthgener Straße, Stich und Langwahn sind größere Bauarbeiten nicht zu befürchten; hier wurde die Fahrbahndecke erst vor Kurzem saniert, so dass nennenswerte Schäden nicht zu erwarten seien.

Erwähnenswerte Schäden hat jedoch der Dacheinsturz einer Leichtbauhalle in Weisweiler verursacht. Was dem Reiterhof an der Stadionstraße am Heiligabend widerfahren ist, soll den Schulen, Sport- und Schwimmhallen in Eschweiler allerdings erspart bleiben. Als Reaktion auf den Einsturz einer Eissporthalle in Bad Reichenhall vor vier Jahren habe die Indestadt für rund 2,5 Millionen Euro sämtliche Dächer von Schulen, Sporthallen und Kindergärten sanieren lassen, sagt Bertram: „Das kommt uns jetzt zugute.” Seit der Weihnachtswoche befassen sich sicherheitshalber dennoch von der Stadt beauftragte Statiker und Ingenieure mit den Dächern der städtischen Gebäude und der Frage, wieviel Schnee sie tragen können.

„Wir haben ein waches Auge auf die Flachdächer”, sagt Kaever. Bereits am 23. und 24. Dezember seien unter anderem die Dächer der Sport- und der Schwimmhalle Jahnstraße sowie der Festhalle und der Turnhalle Dürwiß, der Sport- und Festhalle Weisweiler, der ehemaligen Waffelfabrik, der Sporthalle Kaiserstraße und der Festhalle Kinzweiler „von Schnee entlastet” worden, sagt Kaever. Derzeit werden die städtischen Kindergärten begutachtet.

Ein Blick auf zugeschneite Autos am Straßenrand und die scheinbar unüberwindbaren Hügel zwischen Fahrbahn und Bürgersteig genügt: „Die Menschen wissen bald nicht mehr, wohin mit dem Schnee”, fasst Kaever die derzeitige Situation in der Indestadt zusammen. Die arbeitet deshalb an Notlösungen. So gibt es derzeit Gespräche mit dem Wasserverband Eifel-Ruhr, in denen geklärt werden soll, ob ein Teil der weißen Pracht in die Inde gekippt werden kann. „Was weg ist, ist weg”, sagt Bürgermeister Bertram mit Blick auf bevorstehendes Tauwetter und die damit verbundenen Wasserprobleme. Erörtert werde auch die Möglichkeit, größere Massen des Schnees auf den Drieschplatz abzutransportieren.

„Natürlich können wir nicht unkontrolliert alles in die Inde kippen”, sagt Edmund Müller, Leiter des Ordnungsamtes, der mit dem Wasserverband in Kontakt steht. Problematisch dürfte es aus Gründen des Umweltschutzes vor allem für den Schnee werden, der auf den Hauptverkehrsstraßen liegt und dementsprechend viel Salz enthält.

Das wiederum wird bekanntermaßen knapp. „Die Salzversorgung ist mehr als dürftig”, kommentiert Kaever. Auch die letzte Lieferung an Heiligabend, die zusätzliche Beauftragung einer Privatfirma und die Miteinbeziehung von Landwirten, die mit Schiebern helfen sollen, dem Schneechaos Herr zu werden, können kaum etwas am Gesamtbild ändern. Rund 25 Tonnen der Mangelware Streusalz benötigt der Stadtbetrieb an einem einzigen schneereichen Tag. In rauen Mengen steht derzeit deshalb nur noch Granulat zur Verfügung. Das jedoch hat keine tauende Wirkung.

Die käme nicht zuletzt der Müllabfuhr sehr gelegen. Nach den Widrigkeiten am Mittwoch, Donnerstag und Freitag läuft der Betrieb seit Montag zwar wieder weitgehend normal, aber in den Nebenstraßen wird das Weiterkommen für die Laster zur eisigen Herausforderung. Was das Winterchaos letztlich für den Zustand der Straßen bedeutet, wird der Frühling offenbaren. Im März will die Stadt ihre Straßen unter die Lupe nehmen. Bis Begutachtungen und Ausschreibungen über die Bühne gegangen seien und die nötigen Reparaturen beginnen könnten, habe die zweite Jahreshälfte begonnen, stellt Kaever in Aussicht.

Doch erst einmal dürften selbst Anhänger der weißen Weihnacht das Winterende herbeisehnen. Bis dahin heißt es allerdings: Warten - und waten.
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