Eschweiler-Röthgen - Unterversorgung in Röthgen? Nein!

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Unterversorgung in Röthgen? Nein!

Von: Tobias Röber und Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
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Zahlreiche Läden gab es an der Röthgener Straße. Mittlerweile gehört auch die Odilienkapelle (links) der Vergangenheit an. Foto: Archiv EGV
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Der untere Teil der Burgstraße ist mittlerweile ein Einbahnstraße. Das war damals anders. Foto: Archiv EGV

Eschweiler-Röthgen. An das Geschäft von Familie Kniep kann sich Marie-Theres Kugel noch ganz genau erinnern. Schließlich haute der Röthgener Nachwuchs dort Sonntag für Sonntag sein Taschengeld auf den Kopf. Für fünf Pfennig kaufte man dort Bonbons ein. „Wenn man sich die Bröckeligen nahm, bekam man doppelt so viele“, sagt Marie-Theres Kugel und lacht.

Im Rahmen unserer Serie zum Thema Nahversorgung haben wir mit ihr einen Spaziergang durch den Ortsteil Röthgen unternommen. Die Indestädterin kennt sich dort bestens aus. Schließlich wohnt sie nicht nur bereits seit zahlreichen Jahren in der Röthgener Burg, sondern hat darüber und über den Ortsteil auch ein Buch geschrieben. Das Ergebnis des Spaziergangs: Viele Geschäfte gibt es dort zwar nicht mehr, gut versorgt sei man jedoch trotzdem.

Marie-Theres Kugel kann sich noch an Zeiten erinnern, in denen kleine Lebensmittellädchen und Gaststätten im Ortsteil an fast jeder Ecke zu finden waren. Und nicht nur das. Die Indestädterin kann auch zu fast jedem Haus eine Geschichte erzählen.

So auch die des ehemaligen Lehrers Schmitz. Dieser wohnte am Jägerspfad und war nicht nur Lehrer, sondern verkaufte auch Milch und nutzte Pferd und Wagen, um Särge zu transportieren. Zwar unterrichtete er auch Sport, war jedoch nicht der fitteste. „Er ließ die Schüler bis zur Bahnstrecke laufen und sagte, dass das ausreichen würde. Von dort aus ging er dann nach Hause“, so Kugel.

Eine weitere Anekdote fällt Marie-Theres Kugel zu einer ehemaligen Gaststätte an der Wilhelmstraße ein. Auch heute ist an dem Haus hinter der Kurve zwischen Burgstraße und Wilhelmstraße noch zu sehen, dass dort einmal eine Kneipe ansässig war. Sie ist jedoch mittlerweile geschlossen. Auch das kleine Fenster zur Straße, das sogenannte „Rüthche“, ist verschwunden.

Dabei spielte gerade dieses eine wichtige Rolle. „Wenn die Männer von der Arbeit kamen, bekamen sie durch das Fenster ihr Bier in einer Schnelle oder ein Schnäpschen“, erinnert sich Kugel. Bezahlt wurde jedoch erst, sobald es wieder Gehalt gegeben hatte. „Wenn es soweit war, holten die Frauen ihre Männer von der Arbeit ab, sonst wäre von dem Geld nichts mehr übrig geblieben“, sagt Kugel und grinst.

Doch nicht nur das „Rüthche“ lockte zahlreiche Röthgener in die Wilhelmstraße. Auch in der Bäckerei Mock, in der später Familie Schopen mit ihren Backwaren angesiedelt war, das Bekleidungs- und Schuhgeschäft Keusgen, Metzger Meisen und Friseur Gottfried Beihs auf der gegenüberliegenden Straßenseite hatten viel zu tun. Heute ist von den ehemaligen Geschäften dort nichts mehr zu sehen. Sie wurden in den vergangenen Jahren zu Wohnungen umgebaut.

Tante-Emma-Läden

Gleiches ist auch an der Feldstraße, der Fischerstraße, die zunächst Kirchstraße hieß sowie an der Bourscheidtstraße geschehen. In diesen Straßen waren überwiegend Lebensmittel- und Tante-Emma-Läden angesiedelt. „Gemüse wurde nicht gebraucht. Das baute jeder selbst an. Damals war man ja noch Selbstversorger“, erinnert sich Marie-Theres Kugel.

Und damit nicht genug. Die meisten Haushalte verfügten nicht nur über einen Gemüsegarten, sondern boten auch Ziegen, die im Volksmund auch Bergmannskühe genannt wurden, und Hühnern ein zu Hause.

Beheimatet war in Röthgen einst der Fußballverein SG Eschweiler. Bevor das Hochhaus an der Bourscheidtstraße gebaut wurde, wurden auf dem dortigen Fußballplatz viele spannende Partien ausgetragen. „Wenn dort Fußball gespielt wurde, konnte man in Röthgen klauen, weil niemand mehr zu Hause war“, erinnert sich Marie-Theres Kugel.

Die Bourscheidtstraße, an deren Ecke zum Burgfeld sich früher eine Brauerei befand, hat für die Röthgener jedoch noch eine andere wichtige Bedeutung. Schließlich trennt sie Ober- und Unterröthgen voneinander.

Zahlreiche Geschäfte gab es auch in Unterröthgen. In der Burgstraße gab es nicht nur den Bauernhof von Familie Wolff, Lebensmittel- und Kartoffelhändler sondern kurz vor der Abzweigung zur Röthgener Straße auch eine Schule.

Zwischen zwei Schranken

An der Röthgener Straße befand sich der Bauernhof von Familie Mertens sowie viele weitere Läden. Heute wird die Nahversorgung vor allem durch große Discounter auf dem Stich und von Geschäften an der Talstraße geregelt. Kugel ist damit zufrieden. Sie meint: Unterversorgt sei man in Röthgen nicht. Das einzige „Problem“: Mancher Weg dauere mitunter länger. „Wir leben hier halt zwischen zwei Schranken“, sagt Kugel und lacht.

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