Unterrichtsausfall: Don-Bosco-Schule hofft auf eigene Halle

Von: Patrick Nowicki
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Eschweiler. Die Don-Bosco-Schule ist die größte Grundschule in der Stadt. 312 Kinder besuchten sie im vergangenen Schuljahr. Dennoch besitzt sie keine eigene Mehrzweckhalle, die vor allem für den Sportunterricht genutzt werden kann. Erst im vergangenen Herbst scheiterte die Schule mit dem Antrag, eine solche Halle zu errichten.

Die Kosten würden nämlich etwa 1,4 Millionen Euro betragen. Stadtverwaltung und die Ratsvertreter sind sich einig: Diese Summe kann sich die Stadt im Moment nicht leisten. Doch die Eltern und der Förderverein lassen nicht locker. „De facto findet kaum Sportunterricht statt“, sagt Professor Dr. Thomas Deserno, Vorsitzender des Fördervereins. Dies sei ein Zustand, den man nicht hinnehmen wolle.

Im Rathaus sind die Probleme bekannt. Die Grundschüler müssen in der Regel den Fußmarsch zur Jahnhalle oder zur Sporthalle des Städtischen Gymnasiums antreten. Allerdings nehmen der Hin- und Rückweg einige Zeit in Anspruch, die von der Schulstunde abgezogen werden. Schon jetzt werden statt der vorgegebenen drei lediglich zwei Stunden Sport pro Klasse unterrichtet. Bei schlechtem Wetter muss der Unterricht wegen des langen Weges häufiger sogar ganz ausfallen, um die Gesundheit der Kinder nicht zu gefährden. Mit Folgen. „Bei den Bundesjugendspielen konnten wir erleben, dass manche Kinder dadurch Defizite haben“, berichtet Deserno.

Millioneninvestition

Der Verein der Freunde und Förderer der Don-Bosco-Schule hat sich nun erneut mit einem Schreiben an die Stadt und die Fraktionen gewandt. Hintergrund ist die Änderung des Einheitslastenabrechnungsgesetzes und der damit verbundene Geldsegen für die Stadt Eschweiler in Höhe von 1,7 Millionen Euro. Thomas Deserno nimmt Bezug auf die Erklärung des Landtagsabgeordneten Stefan Kämmerling (SPD), der die Änderung im Landtag mit den Worten kommentierte: „Dies ist ein guter Tag für Eschweiler.“ In dieser Kerbe schlägt Desernos Brief: „Wo wären die knapp zwei Millionen Euro besser investiert, als in die Bildung unserer Kinder? Lassen Sie uns diese Möglichkeit tatsächlich zu einem guten Tag für unsere Stadt machen.“

Mehrfach hat die Leiterin der Don-Bosco-Schule auf die Situation aufmerksam gemacht. Sie verwies auch auf eine Qualitätsanalyse an der Schule. Die unabhängigen Gutachter kommen zu dem Ergebnis: „Die Gebäude- und Raumsituation wird seitens der Schule überwiegend als unzureichend eingeschätzt. Diese Einschätzung wird vom Qualitätsteam bestätigt.“ Die Schule selbst würde eine Halle an fünf Tagen jeweils sechs Stunden nutzen, um die Stundentafel des Landes Nordrhein-Westfalen umzusetzen. Auch der Kinderschutzbund als Kooperationspartner des offenen Ganztagsunterrichts hat Bedarf angemeldet, diese Halle zu nutzen.

Die von allen Schulen angestrebte Inklusion, also die Teilhabe von Kindern mit Behinderung am Unterricht dürfte die Situation an der Don-Bosco-Schule noch verschärfen. Schon seit Dezember 2008 setzt die Grundschule den Schwerpunkt gemeinsamer Unterricht. „Das bedeutet, dass wir einen auch für therapeutische Maßnahmen geeigneten Gymnastikraum benötigen, der von Rollstuhlfahrern erreicht werden kann“, sagte die Schulleiterin Uschi Norbisrath.

Ein möglicher Platz für die Mehrzweckhalle ist gefunden. Sie kann unmittelbar vor dem Haupteingang auf dem Schulhof errichtet werden. Das von der Stadt beauftragte Aachener Planungsbüro berücksichtigt in seiner Lösung, dass die Turnhalle einmal erweitert werden kann. Im ersten Plan wird der Weg zur Halle überdacht. Dadurch entsteht ein Pausenhof. Die Halle selbst misst 20x25 Meter und soll nach Schätzungen der Stadt 1,4 Millionen Euro kosten.

Die Verwaltung hat ihre ablehnende Haltung auch mit dem demografischen Wandel begründet. So rechnet man mit sinkenden Schülerzahlen und im Zuge dessen auch mit einem geringeren Bedarf an Sporthallenstunden. Die Verwaltung leitet daraus her, dass es sich beim Bau einer weiteren Halle nicht um eine „Pflichtaufgabe“ handele. Die Investition und die damit verbundenen Folgekosten seien aus Sicht der Eschweiler Verwaltung derzeit „nicht zu verantworten“.

So argumentierten die Stadtväter vergangenen Herbst. Ob die Stadt die Mehreinnahme aus Düsseldorf jetzt für einen Hallenneubau verwenden kann, ist fraglich. Der Betrag muss vorrangig zur Verringerung des Millionenloches im Etat genutzt werden.

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