„Unser Dorf hat Zukunft“: Musikalische Weltpremiere in Röhe

Von: cheb
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Die Renew-Brass-Band und das Trommler- und Pfeifercorps Röhe stehen vor einer ganz besonderen Herausforderung. Foto: Christian Ebener

Eschweiler-Röhe. „Das hat das ganze Dorf aufgerüttelt“, stellte Klaus Fehr, Vorsitzender der Interessengemeinschaft der Röher Ortsvereine, zufrieden fest. In der Tat hat sich seit der Bewerbung zum Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ so einiges getan. Einer ganz und gar außergewöhnlichen Zusammenarbeit haben sich in diesem Rahmen der Trommler- und Pfeifercorps Röhe und die Renew-Brass-Band verschrieben.

Sie wollen eine Weltpremiere aufführen. In einem ganz besonderen Jazz-Stil soll das Stück „Plauderei“ des gebürtigen Röher Komponisten Wilhelm Rinkens, Namensgeber des Platzes im Ortskern, neu interpretiert und der Jury des Wettbewerbes präsentiert werden.

Rinkens wurde am 15. Juni 1897 in dem Eschweiler Stadtteil geboren und verschrieb sein Leben der Musik. Bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1933 schrieb er zahlreiche Stücke und wurde posthum mit der Benennung des Platzes in seiner Heimatstadt geehrt. Die verblasste Erinnerung an ihn soll jetzt wieder in neuem Glanz erstrahlen. Diese Idee entwickelten Klaus Fehr und Dr. Klaus Lumma von der Renew-Brass-Band zusammen auf einem der zahlreichen Planungstreffen.

Lumma lieh sich die Komposition an der Weimarer Musikhochschule aus und arrangierte sie neu im Stile des Straßenjazz von New Orleans. „Als dann das Stück aus Weimar eintraf, wurde deutlich, dass mehr drin steckt als zuvor gedacht“, stellte die Band fest. Lumma entwickelte schnell ein zweites Konzept mit afrokaribischen Rhythmen, das von den „Jazz Cats“ übernommen wird.

Doch bei den ersten Proben entwickelte sich die Idee schnell weiter. Im frühen 19. Jahrhundert wanderten zahlreiche Deutsche in den Großraum von New Orleans aus und behielten ihre Traditionen, auch musikalischer Natur, oftmals bei. Aus den Trommler- und Pfeifercorps wurden in den Vereinigten Staaten umgangssprachlich die „Ouhmpa-Bands“, die in der Kultur teilweise bis heute verwurzelt sind. So stellte sich schnell die Frage: Wenn die Verbindung dieser Musik mit Jazz tausende Kilometer entfernt funktioniert, warum dann nicht auch in Eschweiler?

Beim Trommler- und Pfeifercorps unter Leitung von Michael Müllejans erntete man mit der folgenden Einladung sofort eine Zusage und am Dienstag kam es dann zur ersten Probe mit den rund 35 Musikern im Schubbendenweg, wo die Musiker von Lumma seit einigen Jahren proben und wo dann auch die Aufführung am Jurytag des „Unser Dorf hat Zukunft“-Wettbewerbs stattfinden soll. Die Aufführung von „Plauderei“ wird dann eine absolute Weltpremiere in diesem Stil.

Die Musiker fanden sofort den passenden „Groove“ und ließen die verschiedenen Parts gekonnt ineinander übergehen. Nach dem Auftritt am Jurytag das Stück in einem Studio professionell eingespielt werden. Und auch die Möglichkeit auf zukünftige Auftritte ist alles andere als ausgeschlossen.

Diese außergewöhnliche Projekt ist das zweite seiner Art in ganz Deutschland. Und einige werden sich erinnern: Das war doch in Eschweiler! Beim EMF 1996 stand Chris Barber mit dem Lohner Spielmannszug auf der Bühne und überzeugte schon damals das indestädtische Publikum. Das jetzt wieder so eine musikalische Kooperation zu Stande kommt, ist für Klaus Fehr der Ausdruck, was dieser Wettbewerb in Röhe alles an Kreativität geweckt hat. Kein Wunder, dass es für ihn die „richtige Entscheidung“ war, sich die viele Arbeit zu machen und gemeinsam mit den Röhern zu zeigen, dass ihr Dorf Zukunft hat.

Die Einkaufspaten

Auch an anderen Fronten zeigt sich die Wirkung. So stellte sich bereits bei frühen Planungstreffen heraus, dass es für viele Röher schwierig ist aufgrund der Hanglage sich um die Einkäufe zu kümmern. Das gilt besonders für ältere und körperlich eingeschränkte Menschen. Mit Einkaufspaten, bei denen unter anderem Metzger, Becker und Getränkehändler mitwirken, soll hier auch eine soziale Komponente in den Vordergrund gerückt werden. Durch die Verteilung von Flyern soll darauf schon bald aufmerksam gemacht werden. Die Bestellungen können dann abgegeben werden und die Einkäufe werden dann zur Gaststätte „Zum Hirsch“ oder auch in Sonderfällen nach Hause geliefert.

„Das ist eine einmalige Chance“, so Fehr, der auch auf die gesteigerte Öffentlichkeitsarbeit verweist. Im Internet ist jetzt auf Facebook eine Seite „Eschweiler-Röhe“ zu finden, auf der Neuigkeiten gepostet werden und auch die Geschichte des Dorfes festgehalten werden soll. Dort können natürlich auch „Anregungen und Wünsche“ mitgeteilt werden, hält Fehr fest. Auch „Offline“ will man in Zukunft offensiver agieren. Mit einem gesponserten Dorfinfokasten werden alle Bewohner zukünftig an der Gaststätte „Zum Hirsch“ über Aktuelles informiert.

Fehr ist „begeistert“, denn „das Dorf arbeitet richtig gut mit“. Röhe sei ein sehr diverses Dorf betont er, denn man stelle rund 400 Einwohner Ü60, rund 400 Einwohner U18 – und fast alle beteiligten sich nach Kräften daran, bei „Unser Dorf hat Zukunft“ eine wahrlich bemerkenswerte Leistung abzuliefern, die noch auf viele Jahre hinaus das Leben vor Ort prägen soll. Über so viel Elan hätte sich sicherlich auch Wilhelm Rinkens gefreut, der bei wohl jeder Probe von seinem ganz besonderen Logenplatz seiner Musik in neuem Gewand lauschen wird.

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