Eschweiler - Unnötig: 112 rufen, wenn eigentlich ein Pflaster genügt

Unnötig: 112 rufen, wenn eigentlich ein Pflaster genügt

Von: mec
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Wer ins Krankenhaus muss, sollte im Notfall schnell die 112 wählen. Ob eine Notsituation vorliegt, wird nicht immer richtig eingeschätzt. Foto: dpa

Eschweiler. Ein kleiner Schnitt im Finger ist kein Grund, den Notarzt zu alarmieren. Das klingt erst mal wenig überraschend, die meisten würden wohl spontan zustimmen – und doch, die Einsatzzahlen der Rettungsdienste steigen landesweit an. Das sagt auch Axel Johnen, Leiter der Rettungs- und Feuerwache Eschweiler. „Das liegt an einem Zusammenspiel verschiedener Faktoren.“

Zum einen werde die Bevölkerung immer älter, die Lebenserwartung steige. Zum anderen sei das Anspruchsdenken der Bevölkerung gewachsen. „Bei einem kleinen Schnitt im Finger kam früher ein Pflaster drauf, heute wird dann manchmal der Rettungswagen gerufen“, sagt er. „Früher sind die Leute mit einfachen Notfällen besser zurecht gekommen.“

Bei den steigenden Einsatzzahlen insgesamt bermerkt Johnen auch mehr Anrufe für Bagatellen. Rund 10000 Einsätze hat der Rettungsdienst in Eschweiler im Jahr 2016 gefahren. Die Zahlen für 2017 sind noch nicht fix, lägen aber „tendenziell geringfügig drunter“. „Das ist trotzdem noch eine sehr hohe Zahl“, sagt Johnen.

Die Zahl der sogenannten blinden Alarmierungen lag beim Rettungsdienst im Jahr 2016 bei rund 600. Das sind die Notrufe, bei denen kein Kranker mitgenommen wird. Die Gründe dafür können unterschiedlich sein: ein Verkehrsunfall etwa, bei dem der Notruf gewählt wurde, ohne, dass es Verletzte gab. Ein Patient der trotz der Rettungsmaßnahmen verstorben ist. Oder eben diejenigen, die ein Pflaster bekommen haben und dementsprechend nicht ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Generell würden keine Notrufe abgeschmettert, sagt Johnen. „Wir können keine Hilfe verweigern, denn das kann dann als unterlassene Hilfeleistung gewertet werden.“ Zwar versuche man, sich durch die Notrufabfrage schon am Telefon ein Bild von der Lage zu machen. „Wir können aber nur schwer beurteilen, ob die Situation nur dramatisch geschildert worden ist“, sagt er. Und: „Die ganz sachlichen Notrufe sind oft die schwersten Fälle.“

Blaulicht oder nicht?

Eigentlich ist die Entscheidung, ob die 112 die richtige Rufnummer ist, gar nicht so schwierig. „Wenn Sie den Rettungsdienst rufen, steht dahinter eigentlich die Fahrt ins Krankenhaus“, sagt Johnen.

Oftmals reiche schon eine einfache Frage: Soll der Wagen mit oder ohne Blaulicht kommen? Bei letzterem sei der richtige Ansprechpartner dann der Bereitschaftsarzt, der in Eschweiler in der Notdienstpraxis im Krankenhaus sitzt und über das Hospital oder über die NRW-weite Nummer 116117 zu erreichen ist. „Viele kennen diesen Unterschied zwischen Bereitschafts- und Notarzt aber nicht“, sagt Johnen.

Die Kosten für einen Einsatz, und sei er auch nur wegen eines harmlosen Schnittes, trägt aber trotzdem nicht der Patient. Einzige Ausnahme: „Wenn der Anruf böswillig ist“, sagt Johnen. Übrigens: Die Rufnummerunterdrückung funktioniert bei der 112 nicht.

„Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube“, sagt Johnen. Die Nummer werde immer übermittelt, egal, was am Handy eingestellt ist. Ruft also jemand innerhalb von zehn Minuten mehrmals beim Rettungsdienst an, um ein Taxi oder eine Pizza zu bestellen – auch das kam schon vor, sagt Johnen –, dann wird die Nummer auch schon mal zurückgerufen, sagt Johnen. „Damit blockiert der Anrufer ja dann die Leitung.“

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