Nordeifel - Umweltorganisation BUND nimmt Motorradlärm ins Visier

Umweltorganisation BUND nimmt Motorradlärm ins Visier

Von: Andreas Gabbert
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Bei schönem Wetter zieht es regelmäßig viele Motorradfahrer in die Eifel, die Parkplätze am Rursee wie hier in Rurberg stehen dann oft voller Maschinen. Für viele Menschen ist der Motorradlärm aber eine Belastung. Foto: Peter Stollenwerk

Nordeifel. Die Eifel ist ein bezauberndes Naturparadies und ein beliebtes Erholungsgebiet. Bei schönem Wetter ziehen die kurvenreichen Straßen auch zahlreiche Motorradfahrer an. Die schwarzen und besonders lauten Schafe unter ihnen nimmt die Umweltorganisation BUND anlässlich des heutigen „Tag des Lärms“ ins Visier. BUND und die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm (VAGM) rufen dazu auf, „den Sumpf der lauten Tröten auszutrocknen“, denn rund jedes dritte Motorrad sei zu laut unterwegs.

Die Hauptursache dafür seien spezielle Auspuffe, die zwar über eine Allgemeine Betriebserlaubnis aus einem anderen EU-Land (EU-ABE) verfügten, die aber in den meisten Fällen weitaus lauter seien als es die EU-Grenzwerte und die Zulassung für den deutschen Straßenverkehr erlauben. „Diese Auspuffe bekommen irgendwo in der EU ein Prüfzeichen und sind dann mehr oder weniger unwiderruflich im Verkehr.

Eine Auspuff-Mafia nutzt ungeniert die Lücken der Gesetzgebung – und die Tatsache, dass solche Prüfzeichen-Vergehen so gut wie nicht verfolgt werden“, sagt Holger Siegel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises „Motorradlärm“. Es könne nicht sein, dass jedes Jahr Millionen Euro in Lärmschutzmaßnahmen investiert werde, gleichzeitig aber Anwohner beliebter Motorradstrecken in den Naherholungsgebieten und Naturparken „Lärmterror erfahren, der nervzehrender sein kann als Lkw- und Autobahnverkehr: weil lauter, modulierend – und am falschen Ort“.

Mit der Maschine zum TÜV

Die Lärm-Normen, nach denen die Motorräder zugelassen werden, würden durch Hersteller und Herstellerverbände stark beeinflusst und „von der starken Motorradlobby in den Reihen der Politiker nicht gebremst“, schreibt der BUND. Die Auspuffklappen seien auf den Prüfzyklus ausgerichetet und sorgten dort für die Einhaltung der Grenzwerte.

Im Alltag führe jede kräftige Beschleunigung jedoch zu höherem Lärm als offiziell erlaubt. Viel lauter werde er noch, wenn der Endschalldämpfer herausgenommen oder ein Zubehörauspuff mit EU-ABE montiert werde. Schnell seien diese Kräder mehr als doppelt so laut wie zulässig. Daher fordert der BUND die Polizei auf, alle Motorräder mit manipulierten Auspuff sofort aus dem Verkehr zu ziehen.

Dies geschehe auch, sagt Polizeisprecher Paul Kemen. „Wenn festgestellt wird, dass unerlaubte Veränderungen vorgenommen wurden, darf der Fahrer nicht mehr weiterfahren und muss mit seiner Maschine zum TÜV.“

Ob der Motorradlärm am Wochenende Erholungssuchende von einem Besuch in der Eifel abhält, lässt sich nicht genau beurteilen. „Den Konflikt zwischen Motorradgast und ‚normalen‘ Gast gibt es eigentlich nicht“, sagt Astrid Joraschky, Geschäftsführerin der Rurseetouristik auf Anfrage. Der Rurseetouristik sei nicht bekannt, dass sich Gäste über zu viele Motorräder beschwert hätten. Man solle nicht alle Motorradfahrer über einen Kamm scheren. Die größten Konflikte entstünden aufgrund weniger schwarzer Schafe, die sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen halten und auf getunten Motorrädern eine extrem hohe Lärmbelästigung mit sich bringen würden.

Das sieht Detlef Wurst vom Förderverein des Nationalparks Eifel ähnlich. Nur fünf Prozent der Maschinen seien zu laut und zu schnell unterwegs, die höre man aber besonders gut. Er weiß von Hotels, denen Gäste aufgrund des Motorradlärms schlechte Bewertungen gegeben haben. Gleichzeitig verweist er auf die Motorradfahrer als Wirtschaftsfaktor, die allein an den Tankstellen schon für gute Umsätze sorgen würden.

Rein touristisch gesehen, seien Motorradfahrer attraktive Gäste, die das Angebot der Region rege nutzen, sagt Astrid Joraschky. Die Eifel-Tourismus GmbH habe vor einigen Jahren eine Studie in Auftrag gegeben. Dabei sei heraus gekommen, dass die Tagesausgaben von Motorradfahrern über denen anderer Tagesgäste liegen. Außerdem kämen die Biker für andere Aktivitäten erneut in die Eifel, etwa zum Wandern mit der Familie. Aufgrund des Alters der Studie seien die Zahlen aus heutiger Sicht aber nicht mehr belastbar.

Anwohner stärker betroffen

Anlass zur Beschwerde hätten weniger die Touristen als die Anwohner, weil sie dem Lärm stärker und dauerhafter ausgesetzt seien, sagt Joraschky. Das sei nachvollziehbar, auf der anderen Seite gebe es aber auch viele, die den Lärm schon nicht mehr hören würden.

Dieter Palm, Herbert Steffen und Christoph Keischgens aus Kesternich gehören nicht dazu. Sie gehören vielmehr zu dem Kreis der Personen, die aufgrund des Verkehrslärms eine Verkehrsumgehung für die Ortschaft fordern. Ihnen ist es wichtig zu betonen, dass sie nichts gegen Motorradfahrer im allgemeinen haben. Der von ihnen verursachte Lärm sei aber ein großes Problem.

Besonders die Anwohner an den Ortsein- und -ausgängen hätten ein Lärmproblem, wenn beschleunigt oder mit dem Motor abgebremst werde, sagt Keischgens. „Am Wochenende ist es nicht auszuhalten, wenn die Motorradfahrer mit ihren Höllenmaschinen in Strauch am Kreisverkehr aufdrehen und kurz darauf in Kesternich einfliegen. Das ist der Wahnsinn“, sagt Herbert Steffen.

Er ist überzeugt, dass dagegen nichts unternommen, weil die Biker wichtig für den Tourismus seien. Von der Ampel im Ortskern von Kesternich bis zum Ortsausgang in Richtung Rursee sei die Situation unerträglich, erklärt Dieter Palm. „Wenn die Motorradfahrer sonntags zu Tausenden einfallen, nimmt man lieber Reißaus, als sich in den Garten zu setzen“, sagt Palm.

„Wir müssen die von Verkehrslärm betroffenen Bürger endlich effektiv vor der Lärmbelastung schützen“, schreibt die Grüne-Bundestagsabgeordnete Bettina Herlitzius anlässlich des Tages gegen Lärm in einer Presseerklärung. Man wolle die Rahmenbedingungen schaffen, um effektiven Lärmschutz vor Ort zu ermöglichen Dazu sei ein ganzes Bündel an Maßnahmen nötig. Auch die Politiker vor Ort müssten tätig werden. „Ebenso sind streckenbezogene Fahrverbote für Motorräder in der Eifel sinnvoll.“

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