Umfrage: Dunkle Flecken im bunten „Märchenwald“

Von: Rudolf Müller und Patrick Nowicki
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Schaut her, was der Stadtwald bietet! Marco Lacks erläutert Kindern der Kita "Zauberwald", wie Bäume und Sträucher im Frühling zum Leben erwachen. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Ob er sich hier wohlfühlt, knapp neun Monate nach seinem Amtsantritt als Förster? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Hier gibt‘s uralte Eichenbestände und wunderschöne Buchenwälder, denen man beim Wachsen zusehen kann.

Hier gibt‘s Kastanien, Douglasien, Edelhölzer... Hier herrscht eine wunderbare Vielfalt – etwas Schöneres könnte ich mir gar nicht wünschen!“, schwärmt Marco Lacks von „seinem“ Stadtwald.

Mit vier Mitarbeitern sorgt der 32-Jährige dafür, dass es dem Stadtwald gut geht und er seinen Zweck erfüllt: Der liegt im Unterschied zu Wäldern in der Eifel oder im Sauerland nicht darin, durch Holzeinschlag und -verkauf Geld in die Kassen der Besitzer, sprich: der Stadt, zu spülen. Eschweilers Stadtwald ist in erster Linie Erholungswald. Rund 350 Hektar Wald, ein Viertel Nadelholz, drei Viertel Laubholz – bestückt mit etlichen idyllischen Weihern, mit einem Kinderspielplatz am Schwarzen Berg, mit 150 Ruhebänken, acht Schutzhütten, durchzogen von etlichen Kilometern Wander- und Reitwegen – und von zwei Hauptverkehrsstraßen, die sich mitten im Wald kreuzen.

Und – bei aller Schönheit und Idylle – genau das ist das Problem des Stadtwalds, sagt Marco Lacks: Die fünf Wanderparkplätze entlang der Straße sind bestens zu erreichen – und das nutzen rücksichtslose Zeitgenossen, die hier „bei Nacht und Nebel“ fast lastwagenweise ihren Müll abladen. In dieser Woche stand eine Couch im Wald (obwohl die per Sperrgutabfuhr doch wesentlich komfortabler zu entsorgen wäre). Den passenden Couchtisch gab‘s dazu. Und außerdem jede Menge Hausmüll – von verdorbenem Fleisch bis zu gebrauchten Windeln – und Bauschutt. Eine Zumutung nicht nur für Mutter Natur, sondern auch für die Waldarbeiter. Und letztlich die Steuerzahler.

Arbeit mit Kindern

Wie der ideale Stadtwald aussähe, wenn Geld keine Rolle spiele, wollen wir von Marco Lacks wissen. Die Antwort bleibt er schuldig: „Ich kann nicht nicht aufs Geld gucken. Das habe ich immer im Nacken.“ Leere Kassen lassen wenig Raum für Visionen. Allerdings: Der Eschweiler Stadtwald, das spürt man in der Unterhaltung, kommt Lacks‘ Idealbild schon sehr nahe. „Der Wald ist wunderbar. Ich bin zufrieden, wenn ich ihn in seiner Funktion als Erholungsgebiet für Eschweilers Bürger erhalten und ihnen seine Bedeutung vermitteln kann. Gerade die Arbeit mit Kindergruppen macht mir riesigen Spaß.“

Auch mit Jugendlichen will der junge Förster sich künftig verstärkt befassen, nachdem vor wenigen Tagen am Schwarzen Berg eine der Ruhebänke, die die Forstmitarbeiter in aufwendiger Arbeit selbst fertigen, ihre letzte Ruhestätte in einem Lagerfeuer fand. Lacks will das Gespräch suchen, „vielleicht mal eine Grillparty am Schwarzen Berg veranstalten oder mit der Mobilen Jugendarbeit Jugendliche dazu einladen, selbst einmal Bänke zu zimmern.“

Die Holzwirtschaft ist ein Nebenprodukt seiner Tätigkeit, fordert ihn dennoch sehr. Etwa 150 Holzkunden gilt es zu bedienen. Mit allen hat er seit seinem Amtsantritt am 1. August vergangenen Jahres mindestens einmal gesprochen. Zudem betreut er nicht nur den Eschweiler Stadtwald, sondern auch den Würselener Forst, in dem weitere drei Mitarbeiter tätig sind. Was geleistet wird, wir minutiös aufgeschrieben. 133 Stunden verbrachten die Eschweiler Waldarbeiter damit, die Wege zu pflegen und abzuschieben sowie den Rand zu mähen. Dies ist dringend notwendig: „Wer setzt sich schließlich auf eine Bank in Brennnesseln, wenn wir einmal nicht nachgeschnitten haben?“, sagt Lacks.

Derzeit räumt man im Stadtwald wieder auf. Die Stürme Ende März haben einige Bäume kippen lassen. Dann ist der Forstwirtschaftsplan, den der Förster einmal im Jahr aufstellt, hinfällig. Lacks und sein Team schauen sich deswegen die Bäume an den Straßen und Wegen immer ganz genau an. 330 Stunden verbrachten sie im vergangenen Jahr damit, die sogenannte Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Doch 100-prozentig gelingt dies nie: „Man sieht es manchem Baum nicht an, wenn er innen erkrankt ist“, berichtet Lacks. Dazu bieten die feuchten Böden im Wald manchen Baumarten, die flacher wurzeln, wenig Halt.

Bei seinem Amtsantritt im vergangenen August bezeichnete Lacks den Stadtforst als „Märchenwald“. Dort will er möglichst lange das Zepter führen und die Jungbestände pflegen. „Für einen Förster ist es doch schön, wenn er nach 30 Jahren die Früchte seiner Arbeit sehen kann“, legt er sich fest. Am 9. August will er mit einigen Institutionen den Menschen in Eschweiler die Vielfalt des Stadtwaldes präsentieren: Dann steht der Waldtag auf dem Programm. Bis dahin widmet er sich weiterhin den jungen Waldbesuchern: Am Mittwoch pflanzte er mit Kindern aus der Kita „Zauberwald“ den Baum des Jahres.

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