Ulla Schmidt begegnet den Zukunftssorgen beim Behindertenwerk

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Ulla Schmidt (2. v. r.) beim Caritas-Behindertenwerk zu Gast (v. l.): Chirstoph Stormanns, Eva-Maria Voigt-Küppers, Michael Doersch, Ulla Schmidt und Kerstin Konzer

Eschweiler/Würselen. Der Anlass des Besuchs von Bundestagsvizepräsidentin Ulla Schmidt (SPD) beim Caritas-Behindertenwerk (CBW) war aus Sicht von CBW-Geschäftsführer Michael Doersch ein durchaus ernster. Er trug nämlich der Abgeordneten Befürchtungen und Sorgen, auch in Vertretung der rund 1400 Beschäftigten des CBW vor.

Sie beziehen sich auf das geplante Bundesteilhabegesetz, das Anfang Juni vom Merkel-Kabinett verabschiedet worden ist und Anfang des kommenden Jahres in Kraft treten soll. Im Kern sollen durch das Gesetz die Rechte von Menschen mit Behinderung gestärkt werden, so die Befürworter des Vorhabens. In der Realität zeige sich aber ein anderes Bild, sagt Doersch für das CBW. Durch die mit dem Bundesteilhabegesetz nun möglichen Mitbewerber der Werkstätten werde es zu einer massiven Wettbewerbsverzerrung kommen, weil diese Mitbewerber nicht die Qualitätsanforderungen erfüllen müssten, die die Werkstätten erfüllen.

Während der Diskussion konfrontierte Doersch die ehemalige Bundesgesundheitsministerin mit dem 300 Seiten starken juristischen Entwurf für das Bundesteilhabegesetz. „Viele meiner Beschäftigten haben Angst, dass die Werkstätten nicht überleben und sie ihren Job verlieren“, brachte der Geschäftsführer seine Befürchtungen auf den Punkt.

Ulla Schmidt hingegen unterstrich noch einmal das eingangs beschriebene Ziel des neuen Gesetzes und zeigte sich zuversichtlich: „Das Gesetz wird die Situationen für Menschen mit Behinderung verbessern“, so die Aachenerin. Die in den Werkstätten Beschäftigten, die zwischendurch auf dem Arbeitsmarkt etwas Neues ausprobieren wollen, würden such die neuen Regelungen wieder leichter den Weg zurück in die Werkstatt finden können, was nach der aktuellen Rechtslage mit großen Schwierigkeiten verbunden sei.

„Wenn sich alles zum Guten ändert, sind wir sehr erleichtert“, urteilte Michael Doersch auf die Ausführungen von Schmidt wohlwollend eingehend, obwohl er aber weiterhin befürchtet: „Falls unsere Konkurrenten nicht die strengen Forderungen erfüllen müssen, die wir einhalten, sehe ich deutliche Nachteile für die dort Beschäftigten, weil die Konkurrenten geringere Qualitätsstandards einhalten müssen und wählen können, wen sie aufnehmen. So wird der Wettbewerb verzerrt.“

Abwerbungen befürchtet

Seine konkrete Angst: Mitbewerber ziehen leistungsstarke Leute ab und gefährden so die wirtschaftliche Arbeit der Werkstätten „In unseren acht Werkstätten stehen jeweils die Menschen im Mittelpunkt, nicht die Arbeit. Um gute Arbeiten für unsere Mitarbeiter zu akquirieren, sind bestimmte Stückzahlen erforderlich. Diese Stückzahlen schaffen wir nur gemeinsam mit unseren starken und schwächeren Mitarbeitern“, ging Doersch ins Detail.

Ulla Schmidt, die als Vorsitzende der „Lebenshilfe“ Menschen mit Behinderung besonders im Blick hat, versuchte, den Geschäftsführer zu beruhigen und stellte klar: „Wir wollen, dass die Werkstätten eine gute Anerkennung von der Gesellschaft bekommen und dass die Arbeit der Menschen mit Behinderung anerkannt wird. Wir wollen den Werkstätten keine Mitbewerber entgegenstellen, die das gute Konzept der Werkstätten gefährden. Deshalb müssen die Mitbewerber die gleichen Bedingungen vorfinden, wie die Werkstätten sie haben. Die Qualitätsanforderungen müssen die gleichen sein.“

Politik, Verbände und Werkstätten sollen nach ihrer Vorstellung in enger Zusammenarbeit für ein gutes Ansehen der Werkstätten werben, „um Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung zu gewährleisten.“

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