Überstunden verprellen Wehrleute

Von: Sonja Essers
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Die Feuer- und Rettungswache am Florianweg: Immer mehr Feuerwehrleute drehen der Wehr den Rücken zu. Daran ist nicht zuletzt die Masse anfallender Überstunden schuld. Foto: Müller/Essers/Röhseler/Stock

Eschweiler. 10.000 Überstunden verteilt auf 50 Angestellte. Wer bei der Eschweiler Feuerwehr arbeitet, für den gehört zahlreiche zusätzliche Arbeit genauso zum Berufsalltag wie die Brandbekämpfung und Krankentransporte. Doch genau das ist mittlerweile ein großes Problem.

Denn: Immer mehr Feuerwehrleute verlassen die Wache am Florianweg. Auch Nachwuchs ist kaum zu finden.

„Wir haben bei der Feuerwehr ein Riesen-Problem, die Soll-Stärke zu halten und die Überstunden runterzufahren“, sagt Sandra Hunscheidt-Fink, Personalratsvorsitzende der Eschweiler Stadtverwaltung. Im Gespräch mit der AfA (Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen in der SPD), die sich die Eschweiler Stadtverwaltung am Donnerstagnachmittag einmal genauer anschaute, wurde deutlich, dass die zahlreichen Überstunden der Feuerwehrleute in der Inde-stadt zu einem immer größer werdenden Problem werden.

Zum Vergleich: Im gesamten restlichen Betrieb, in dem derzeit 634 Mitarbeiter beschäftigt sind, liegt die Anzahl der Überstunden bei 5600 jährlich.

Unzufriedenheit bei Kollegen

Zwar werde kontinuierlich neues Personal eingestellt, lange hält es die Retter jedoch meist nicht in der Indestadt. Hunscheidt-Fink hat für dieses Phänomen, das den Personalrat regelmäßig zur Verzweiflung bringt, gleich mehrere Erklärungen. „Ich glaube, dass viele Kollegen gehen, weil die Überstunden bei der Feuerwehr so hoch sind.“

Durch das wechselnde Personal würde dann bei den anderen Kollegen Unzufriedenheit entstehen, schließlich müssten sie sich regelmäßig an ein neues Team gewöhnen. Und gerade die Teamarbeit sei bei der Feuerwehr das A und O. Schließlich müsse man sich dort auf seine Kollegen verlassen können, so Hunscheidt-Fink.

Ein weiterer wichtiger Aspekt seien die Rettungsdienstfahrten. „Wir haben in Eschweiler drei Wachabteilungen, sind Tag und Nacht mit drei Rettungswagen und am Tag mit zwei Krankentransportwagen unterwegs“, sagt Hunscheidt-Fink und fügt hinzu: „Andere Feuerwehren fahren weniger Rettungsdienste als wir.“

Das seien jedoch nicht die einzigen Gründe, warum Kollegen sich dazu entscheiden würden, zu anderen Wachen zu wechseln. Mit den Krankentransporten sei schließlich auch das „Schleppen“ der Patienten verbunden. Dieses wiederum führe zu enormen Krankheitszeiten auf der Wache.

Außerdem ist Hunscheidt-Fink davon überzeugt, dass gerade jüngere Kollegen mittlerweile andere Prioritäten setzen würden. „Junge Leute wollen einfach mehr Zeit mit ihrer Familie verbringen.“ Da dies aufgrund der vielen Überstunden jedoch meist nicht möglich sei, entschieden sich viele Feuerwehrleute für einen Wechsel.

Die Feuerwehr ist jedoch nicht das einzige Problem, mit dem sich der Personalrat der Stadtverwaltung auseinandersetzen muss.

Keine Rückzugsmöglichkeiten

Unzufriedenheit herrscht bei den Angestellten und dem Personalrat derzeit vor allem darüber, dass es keine Rückzugsmöglichkeit für die Pausen gibt. In der ehemaligen Kantine des Gebäudes werden ab sofort Notbüros für die Mitarbeiter des Jugendamtes eingerichtet, da diese sich künftig um minderjährige Flüchtlinge kümmern müssen, die in die Indestadt kommen. „Deshalb gibt es da momentan zusätzlichen Bürobedarf“, erklärt Hunscheidt-Fink.

Mit dem Auszug des Jobcenters in das Postgebäude an der Rosenallee, der für das kommende Jahr vorgesehen ist, soll sich die Situation im Rathaus allerdings wieder entspannen. „Dass es keine Rückzugsmöglichkeiten zur Pausengestaltung gibt, finden wir wirklich dramatisch“, sagt Hunscheidt-Fink und ergänzt: „Ein Aufenthaltsraum wäre wirklich wünschenswert, aber es mangelt im Moment einfach an Platz.“

Doch nicht nur die Probleme bei der Feuerwehr und der Platzmangel im Rathaus wurden an diesem Nachmittag thematisiert. Die Personalratsvorsitzende stellte auch den Arbeitsalltag der Mitarbeiter der Stadtverwaltung in den Mittelpunkt. Besonders viel Wert lege man in der Eschweiler Stadtverwaltung nämlich auf den freundlichen Umgang mit den Bürgern, wie Hunscheidt-Fink betont. Es kommt aber auch immer wieder mal zu Zwischenfällen.

Vier handfeste Übergriffe

Allein im vergangenen Jahr gab es in der Stadtverwaltung vier handfeste Übergriffe auf Angestellte. Vor allem im Sozial- und Jugendamt komme es regelmäßig vor, dass die Bürger nicht nur nette Worte für die Angestellten fänden.

„Es tut einem schon leid, wenn man mitbekommt, wie manche unserer Kollegen teilweise angesprochen werden“, sagt die Vorsitzende des Personalrates. Gegenstände wie Brieföffner und Locher könne man mittlerweile nicht mehr auf seinem Tisch liegen lassen. Schließlich könnten diese als Waffen dienen. Besonders hart im Nehmen müssen jedoch die Mitarbeiter des Ordnungsamtes sein, meint Hunscheidt-Fink. Schließlich seien sie oft den Launen der Bürger ausgesetzt.

In den kommenden Monaten möchte die AfA um die Vorsitzende Jenifer Schade weitere Eschweiler Unternehmen besuchen. Dazu soll unter anderem auch das St.-Antonius-Hospital gehören, das der größte Arbeitgeber in der Indestadt ist.

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