Übers Internet mobben Kinder ihre Mitschüler

Von: Andreas Röchter
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Während Amanda (Kate Dewar, Mitte) furchtbar unter dem „Cyber-Mobbing“ leidet, baden Kylie (Ffion Evans) und Donny (Mark Woodhouse) förmlich in ihrer Schadenfreude. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Amanda ist neu in der Schule. Und sie scheint „anders“ zu sein. Ihr Hauptinteresse gilt dem Fußball. Dagegen kann sie mit Klamotten und Make-up wenig anfangen. Außerdem spricht sie einen merkwürdigen Akzent. Die Jungen der Klasse 10c mögen sie nicht, weil sie besser Fußball spielt als sie. Die Mädchen lehnen sie ab, da sie andere Freizeitbeschäftigungen bevorzugen.

Kylie und Donny machen da keine Ausnahme. Lediglich Klassensprecher Stuart bemüht sich, auf Amanda zuzugehen und sie in die Klassengemeinschaft aufzunehmen. Doch dann kursiert plötzlich im Internet eine Fotomontage, die Amandas Kopf auf einem nackten Frauenkörper zeigt. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf...

Aktueller hätte das Theaterstück „Move to Junk“, das ein vierköpfiges Schauspielerensemble des „White Horse Theatre“ am Mittwochvormittag auf der Aulabühne der Bischöflichen Liebfrauenschule den Schülern der siebten und achten Jahrgangsstufe präsentierte, kaum sein können.

Denn „Cybermobbing“, also die Diffamierung anderer Personen im Internet durch Bilder oder Kommentare, ist zu einem Problem herangewachsen, das weltweit nicht zuletzt Jugendliche und sogar Kinder betrifft, dessen Auswirkungen aber noch viel zu oft unterschätzt werden.

„Cybermobbing“ von Mitschülern

Nicht umsonst stand das Thema „Cybermobbing“ beim internationalen „Safer Internet Day“, am 7. Februar im Mittelpunkt. Die Mittelstufen-Schüler der Liebfrauenschule wurden im Rahmen der Aufführung Zeugen eines Dramas, das nicht unmittelbar auf tatsächlichen Begebenheiten beruht, aber in ganz ähnlicher Form täglich an zahlreichen Orten dieser Welt Realität sein dürfte.

Nach dem Erscheinen der Fotomontage ist Amanda (gespielt von Kate Dewar) verzweifelt. Sie ist dem Spott ihrer Mitschüler ausgesetzt und überzeugt, dass sie jeder auf der Straße anstarrt. „Nun muss ich den Menschen unter die Augen treten, die das Bild gesehen haben“, schämt und fürchtet sie sich.

Stuart (Liam Atton) schämt sich für das Verhalten seiner Mitschüler. Aber es kommt noch schlimmer: Amanda erhält Anrufe, deren Aussage mehr als deutlich ist: „Wir wollen dich nicht in unserer Klasse“, spricht eine Person mit verstellter Stimme. Dann passiert das Unfassbare. Der Anrufer fordert Amanda auf, zum Messer zu greifen und Selbstmord zu begehen. Amanda fühlt sich vollkommen einsam.

Ihre einzige Hoffnung ist Stuart, der ihr seine Freundschaft anbietet. Amanda missversteht dieses Angebot und küsst Stuart, der ihr klar macht, dass er in Amanda eine Freundin, aber keine Partnerin sieht. Amanda akzeptiert dies, fühlt sich jedoch ein weiteres Mal zurückgestoßen.

Sie kommt nicht mehr zur Schule. Stuart ruft eine Klassenversammlung ein, während der er Kylie (Ffion Evans) vorwirft, die Täterin zu sein. Die selbstbewusste und auch etwas vorlaute Schülerin, die in Stuart verliebt ist, weist die Anschuldigungen entrüstet zurück und stellt im Internet eigenständig Nachforschungen an. Sie findet den Schuldigen. Es ist Donny (Mark Woodhouse).

Am nächsten Morgen bekennt sie sich vor ihren Klassenkameraden dennoch schuldig: „Ich bin genauso schuldig wie jeder andere in dieser Klasse auch“, unterstreicht sie. „Wir haben alle mitgemacht und das Foto weitergesendet. Amanda wird nicht meine Freundin werden, aber niemand verdient, was ihr geschehen ist“, macht sie deutlich, bevor sie Donny zur Rede stellt. Dieser gesteht, tut seine Tat aber als Witz ab, bei dem er sich nichts gedacht habe. „Ich höre auf und alles ist in Ordnung!“, lautet seine Schlussfolgerung.

Doch das Internet vergisst nie. Die Verbreitung von Bildern und Kommentaren ist nicht aufzuhalten. Kylie und Stuart kündigen ihre Freundschaft zu Donny auf. Nach einem kurzen Telefonat stürzt Stuart zum Haus, in dem Amanda wohnt. Er klopft vergeblich an die Tür, aber Amanda öffnet nicht. Sie ist der Aufforderung nachgekommen und hat zum Messer gegriffen.

Schüler von Stück beeindruckt

Lautstarker Applaus belohnte das hervorragend agierende Schauspielerquartett. Doch zahlreiche junge Zuschauer waren vom gerade Erlebten sichtlich ergriffen und mitgenommen. Dennoch nutzten die Schüler die Gelegenheit, den Darstellern Fragen zu stellen. So erfuhren sie, dass sich die vier ausgebildeten Schauspieler erst im vergangenen August unmittelbar vor dem Flug nach Deutschland kennengelernt hatten.

Das Thema „Cybermobbing“ sei auch in Großbritannien und für die Darsteller selbst kein gänzlich unbekanntes Phänomen.

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