Heinsberg - Über die „Ochsentour” auf dem Weg nach oben

Über die „Ochsentour” auf dem Weg nach oben

Von: Günter Kirschbaum
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Dieses Jahr noch im Jugendbere
Dieses Jahr noch im Jugendbereich unterwegs, 2012 fährt Kim Nottebohm dann mit Tour-Siegern und Weltmeistern. Foto: Karl-Heinz Hamacher

Heinsberg. Ende Januar, Anfang Februar präsentiert das Stolberger Radprofi-Team Eddy-Merckx-Indeland seine neue Mannschaft. Dann hat auch Kim Simon Nottebohm seinen ersten öffentlichen Auftritt als Berufsfahrer. „Er hat das Talent, ein ganz großer Fahrer zu werden”, sagt Teamchef Markus Ganser über den Jung-Profi aus dem Heinsberger Ortsteil Karken, der in diesem Jahr noch bei den Junioren gefahren ist.

„Aber es ist ein steiniger Weg, ganz nach oben zu kommen.” Doch diese „Ochsentour” will sich der 18-Jährige zumuten, um sich vielleicht einmal seinen Traum erfüllen zu können: Bei der Frankreich-Rundfahrt am Start zu stehen.

Das elterliche Haus in Karken ist für Kim Nottebohm der Ausgangspunkt für seine Trainingsrunden. Hier fühl er sich wohl, hier stimmt das Umfeld. Vor gut zwei Wochen hat er die Vorbereitung auf die kommende Saison aufgenommen. „Wenn ich bis zum ersten Rennen 7000 Trainingskilometer gefahren bin, wäre das gut”, beschreibt er das Übungs-Pensum, das er sich vorgenommen hat. Nottebohm weiß, dass 2012 für ihn ein hartes Jahr werden könnte. „Der Sprung von den Junioren zu den Profis ist riesig”, sagt er. „Die Distanzen sind doppelt so groß bei hohem Tempo.”

Sein Chef Markus Ganser formuliert den Übergang zu den „erwachsenen” Fahrern anschaulicher: „Dieses Jahr ist Kim noch mit 17- und 18-Jährigen gefahren. Nächstes Jahr fährt er mit Tour-de-France-Siegern und Weltmeistern. Er hat großes Potenzial, aber man muss ihm Zeit geben, sich entwickeln zu können.” Dazu ist Ganser bereit. Auch Kim Nottebohm weiß, dass sich die Erfolge im ersten Jahr nicht zwangsläufig einstellen werden. „Ich bin noch jung”, sagt er. „Ich möchte auf jeden Fall zwei Jahre in diesem Team fahren und dann versuchen, von der dritten in die zweite Klasse aufzusteigen. Dann sehe ich weiter.”

Anfang auf dem Campingplatz

Nun ist ein Team der dritten Kategorie nicht unbedingt der Traum eines jungen Mannes, der in seinem Sport möglichst hoch hinaus will. Doch Nottebohm sieht sich selbst nicht als Überflieger. „Dieses Team ist für mich genau das richtige”, sagt er. „Ich will lernen. Und wenn ich im Rennen nach 50 Kilometern abgehängt werde, dann weiß ich, dass ich noch mehr tun muss. Ein Team in der dritten Liga ist das Beste, dass mir passieren kann.”

Seine Liebe zum Radsport entdeckte er vor elf Jahren auf einem Campingplatz in Spanien. Dort holte Vater Marco Faßbender, früher selbst bei Diana Oberbruch aktiv, jeden Tag das Rennrad raus und drehte seine Runde. „Das wollte ich auch”, erinnert sich Kim Nottebohm. Das war der Beginn einer Karriere, die von den Schülern U 11 bis zu den Profis führte. Seine bisher größten Erfolge waren die deutsche Junioren-Meisterschaft im Vierer des Landesverbandes NRW 2010. Vizemeister wurde er in der U 19 im Punktefahren, der Verfolgung und im Omnium.

Keine gute Zeit am Gymnasium

Bis vor einem halben Jahr besuchte er in Düsseldorf das Sportgymnasium. Doch dort passte es nicht mehr. „Das Essen war schlecht, ich bin dicker geworden, und es machte keinen Spaß mehr”, denkt er an eine schwierige Phase zurück. Kim Nottebohm wechselte in der Landeshauptstadt zum Lore-Lorenz-Kolleg, und die Lust am Radsport kam zurück. Das Kolleg wird er in einem halben Jahr abgeschlossen haben, danach möchte re bei der Polizei eine Ausbildung absolvieren. Bei allem Talent: Der junge Mann aus Karken setzt nicht alles auf die Karte Radsport. „Das wäre in der jetzigen Zeit relativ dumm. Wenn man sich auch außerhalb des Sports eine gewissen Basis schafft, dann läuft das alles besser.”

Zumal man in diesem Bereich des Radsport keine Reichtümer scheffeln kann. „In unserem Team verdient man nichts”, führt Markus Ganser aus. „Die Jungs haben in einem bestimmten Lebensabschnitt eine schöne Zeit und kommen rum. Wir sind schon in China, den USA und Südafrika gefahren.” Und im Januar geht es für zwei Wochen zum Training nach Gran Canaria.

Kim Nottebohm beschreibt sich selbst als sehr ehrgeizig. Doch der 18-Jährige weiß, dass Radsport immer mehr Teamsport wird, je weiter nach oben kommt. Und es ist ihm wichtig, nicht abzuheben. „Ich hoffe, dass ich normal bleibe.” Doch zumindest beim Team Eddy-Merckx-Indeland besteht kaum die Gefahr, dass sich das ändert. „Kim ist ein junger, ehrlicher Mann”, beschreibt Markus Ganser seinen „Neuen”. „Er ist immer direkt, spontan. Und wenn man ihn anruft, ist er sofort da.” Das ist vielleicht nicht die schlechteste Voraussetzung, um mit dem Rennrad auf der Straße Karriere zu machen.
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