U-19-Frauen: Über St. Jöris zum Europameistertitel

Von: Tobias Röber
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Zusammen 246 Länderspiele: Maren Meinert (Vordergrund) und Bettina Wiegmann in der St. Jöriser Idylle. Foto: Tobias Röber
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126 Länderspiele, zwei WM- und drei EM-Titel als Spielerin: Jetzt will Silke Rottenberg (rechts) auch als Trainerin siegen. Foto: Tobias Röber

Eschweiler-St. Jöris. Es könnte deutlich schlechter laufen für den SV St. Jöris in diesen Tagen. Gerade erst haben sich die Kicker den 3. Platz bei der Fußballstadtmeisterschaft erkämpft, und derzeit begrüßen sie auch noch prominenten Besuch auf ihrer Anlage. Die U-19-Nationalmannschaft der Frauen trainiert auf dem Rasen des kleinsten Eschweiler Fußballvereins.

Dass es die Nationalspielerinnen, die derzeit in Aachen wohnen, nach St. Jöris verschlagen hat, darf sich der Vereinsvorsitzende Rudi Bittins getrost zu einem großen Teil auf seine eigene Visitenkarte schreiben. Der Rasenplatz ist nämlich mittlerweile in einem sehr guten Zustand. Das war nicht immer so. Böse Zungen behaupten mitunter, dass der Sportplatz vor etlichen Jahren eher Ähnlichkeit mit den angrenzenden Feldern hatte. Das ist jetzt ganz anders. Jahrelang liebevoll gehegt und gepflegt – unter anderem hat der Verein den Platz zusätzlich mit einem Handmäher gemäht –, befand der DFB-Tross die St. Jöriser Anlage als optimal für die Vorbereitung der deutschen Mannschaft.

„Fühlen uns hier sehr wohl“

Am Mittwochnachmittag stand das erste Training an, und für das U-19-Team gab es da gleich die erste Überraschung. Der SV St. Jöris hatte einen Obstkorb vorbereitet. Dazu ein kleines Begrüßungsplakat mit den Worten: „Wir begrüßen die U-19-Nationalmannschaft, wünschen einen guten Vorbereitungslehrgang und eine erfolgreiche Europameisterschaft in Wales.“ Womit schon mal die Frage nach dem Grund des Aufenthalts in St. Jöris beantwortet ist.

„So etwas hatten wir wirklich noch nie. Wir fühlen uns hier jetzt schon sehr wohl“, sagte etwa Teammanagerin Renate Lingor gleich nach der Ankunft. Auch Trainerin Maren Meinert konnte sich nicht daran erinnern, schon mal auf diese Art und Weise begrüßt worden zu sein. Und die beiden ehemaligen Fußballerinnen haben in ihren Karrieren schon einiges erlebt. Renate Lingor und Maren Meinert sind nicht die einzigen bekannten ehemaligen Nationalspielerinnen im Trainer- und Betreuerstab. Bettina Wiegmann ist als Assistenztrainerin dabei, Silke Rottenberg als Torwarttrainerin.

Wem diese Namen fremd sind, hier eine kleine Auswahl an Zahlen. Das Quartett hat zusammen 521 Länderspiele absolviert. Ein Vergleich: Die 21 für das Freundschafts-Länderspiel am kommenden Mittwoch nominierten Kicker der Männer-Nationalmannschaft haben zusammen 846 Länderspiele auf dem Buckel.

In St. Jöris ist also ein großer Teil deutscher Fußballgeschichte zu Gast. Meinert, Lingor, Wiegmann und Rottenberg kommen nämlich nicht nur auf 521 Länderspiele, sondern auch auf sechs WM- und 13 EM-Titel. Von den nationalen Titeln ganz zu schweigen.

Aber zurück zum Training in St. Jöris, das als Vorbereitung auf EM und das Testspiel am morgigen Samstag gegen die U21 Belgiens dient. Einige wenige Zuschauer hatten sich am Mittwoch zur ersten Einheit eingefunden. Auf dem Parkplatz standen wenige Autos, dafür aber ein großer Bus, mit dem die Mannschaft aus Aachen angereist war. Die Nähe zu Aachen und das Problemlose Erreichen der Sportanlage war ein Kriterium, das den Ausschlag für St. Jöris gab. „Den Sportplatz hier kann man vom Europaplatz aus ohne eine Ampel erreichen“, sagte dann auch Rudi Bittins, der natürlich stolz darauf ist, eine Nationalmannschaft in St. Jöris zu haben. „Das ist eine Premiere für uns. Wir hatten noch nie eine Nationalmannschaft hier. Das ist natürlich eine tolle Sache. Wir sind stolz darauf“, sagte Bittins.

Es soll offensiv zugehen

Die Zuschauer sahen ein sehr intensives Training. Dem einen oder anderen Fußballer an der Seitenlinie dürfte da der Schweiß schon auf der Stirn gestanden haben. Aufwärmen, Sprint- und Koordinationstraining, dann Taktik und immer wiederkehrende Spielszenen. Maren Meinert und ihr Team hielten das Tempo stets hoch, bis auf kleine Korrekturen lief das Spiel stets durch. Was auffiel: Der Ton auf dem Platz war nicht so rau wie das oft bei Männern ist. Meistens zumindest. Auch Maren Meinert machte mitunter sehr deutlich darauf aufmerksam, wenn ihr etwas nicht gefiel.

Viele Flanken segelten in die Strafräume, die Offensivspielerinnen hatten viele Abschlussaktionen. Offensiv soll es auch am Samstag werden, wenn es gegen die belgische U 21 geht. So ist der Plan von Maren Meinert, die nicht zuletzt deswegen auf viele Zuschauer hofft. Zwischendurch war auch Zeit für Teammanagerin Renate Lingor ein paar Sätze mit Rudi Bittins zu wechseln. Etwa Organisatorisches, und auch da kam der SV St. Jöris den DFB-Frauen gerne entgegen. So wollte Silke Rottenberg schon um halb neun am Morgen mit den Torhüterinnen trainieren. Kein Problem, Platz und Kabine standen für die Spielerinnen offen. Optimale Bedingungen also für die Vorbereitung auf die EM. Was für den SV St. Jöris gilt, kann man auch auf die DFB-Frauen übertragen: Es könnte deutlich schlechter laufen in diesen Tagen...

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