Turmuhr von St. Bonifatius Dürwiß soll nachts schweigen

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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St. Bonifatius in Dürwiß. Di
St. Bonifatius in Dürwiß. Die Glockenschläge der Kirchturmsuhr alle Viertelstunde sind jetzt nur noch tagsüber zu hören. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler-Dürwiß. Für die einen ist es Totenstille, für die anderen endlich himmlische Ruhe. Aus Rücksicht auf die Nachtruhe von Anwohnern wird die Turmuhr der Pfarrkirche St. Bonifatius in Dürwiß nur noch tagsüber alle Viertelstunde schlagen.

Zwischen 22 Uhr abends und 6 Uhr morgens wird sie abgestellt, weil sie lauter ist, als es das Immissionsschutzgesetz zulässt.

Der Kirchenvorstand hat die nächtliche Ruhe beschlossen, allerdings „mit großem Bedauern”, wie im Pfarrbrief von St. Bonifatius zu lesen ist. Der Kirchenvorstand reagierte mit seinem Beschluss aus rechtlichen Gründen auf eine Beschwerde von Anwohnern, die sich zu einer „Interessengemeinschaft für ungestörte Nachtruhe” zusammengeschlossen haben.

Richtwerte überschritten

31 Bürger hatten im Sommer eine Eingabe an die Pfarrgemeinde unterzeichnet. In ihrer Beschwerde bringen die Anwohner vor, dass der nächtliche Schlag der Turmuhr viele Menschen immer wieder aus dem Schlaf reiße. Das habe Folgen für die Gesundheit.

Die Turmuhr von St. Bonifatius schlägt nicht nur die vollen Stunden, sondern auch die Viertelstunden. Die Stunden werden von der größten der drei Glocken angeschlagen, der fast 600 Jahre alten Bonifatius-Glocke, die Viertelstunden von der mittleren Glocke. Circa 128 Glockenschläge kommen so in den Nachtstunden zusammen. Der Initiator der Interessengemeinschaft hatte die Pfarrgemeinde darauf hingewiesen, dass - so berichtet der Pfarrbrief „Bonifatiusbote”, die „Lautstärke der Uhrschläge die Richtwerte des Immissionsschutzgesetzes für die Nachtzeit überschreite”. Messungen des Schallpegels hätten das ergeben.

„Wir haben das im Kirchenvorstand am 25. September ausführlich beraten”, gibt Pfarrer Ralph Osnowski als Vorsitzender des Kirchenvorstands Auskunft. Der Beschluss sei schwergefallen, aber wegen der möglichen rechtlichen Konsequenzen habe man sich doch entschlossen, ab November nachts von 22 Uhr bis 6 Uhr die Turmuhr nicht mehr schlagen zu lassen. Ab 6.15 Uhr läute sie wieder.

Das Angelusläuten sowie das liturgische Läuten zu den Gottesdienstes ist davon nicht berührt. Angelusläuten ist in Dürwiß weiterhin täglich dreimal: Morgens um 7.30 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 19.30 Uhr. Dieses traditionelle Geläut, das in der katholischen Kirche weit verbreitet ist, ruft die Gläubigen zum sogenannten Angelusgebet auf.

Bereits 2008 hatte sich der Initiator der „Interessengemeinschaft für ungestörte Nachtruhe” dafür eingesetzt, das nächtliche Läuten abzuschaffen. Indirekter Anlass dafür war, wie sich Osnowski erinnert, die Renovierung der Dürwisser Kirche St. Bonifatius. Während der langen Bauzeit hatte es überhaupt keinen Glockenschlag gegeben, weder nachts noch tagsüber, auch nicht zu Gottesdiensten. „Da war den Leuten aufgefallen, wie gut sie in dieser Zeit geschlafen haben”, erinnert sich der Dürwisser Pfarrer an die Argumentation von 2008. Das damals nur von einem Anwohner vorgebrachte Ansinnen wurde abgelehnt. Diesmal gab die Pfarre nach.

Bürger empört

In persönlichen Gesprächen, sagt Pfarrer Osnowski, haben ihm mehrere Bürger versichert, dass sie die nächtliche Turmuhr-Ruhe bedauern. Osnowski spricht von „großem Unverständnis und auch Empörung”. Auch der Kirchenvorstand „ist davon überzeugt, dass viele Gemeindemitglieder den nächtlichen Turmuhrschlag immer als sehr positiv empfunden haben und ihn nun auch vermissen werden.” Auch in seiner Predigt zum Allerheiligenfest nahm der Dürwisser Pfarrer zu dem Thema Stellung.
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