Trotz Ruhestand: Organist Schmitz spielt weiter am Wochenende

Von: Sonja Essers
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Am 8. Februar wird Ansgar Schmitz in den Ruhestand verabschiedet. So ganz kann er sich nicht von der Orgel trennen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler-Röthgen. Aus dem Gemeindeleben der Pfarrei Heilig Geist ist Ansgar Schmitz kaum wegzudenken. Am 8. Februar geht der Organist jedoch in Pension und wird nur noch für die Gottesdienste, die am Wochenende stattfinden, als Organist zur Verfügung stehen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt der 65-Jährige, der in Bardenberg das Licht der Welt erblickte, auf die vergangenen 43 Jahre in der Indestadt zurück und berichtet, was er mit seiner neu gewonnenen Freizeit anfangen will.

Herr Schmitz, nach 45 Jahren als Organist und Chorleiter, von denen Sie 43 Jahre in St. Marien verbracht haben, gehen Sie am 8. Februar in Pension. Was machen Sie mit Ihrer neu gewonnenen Freizeit?

Schmitz: Langeweile hatte ich in meinem Beruf nie und ich glaube, dass das Leben nach der Pensionierung sehr vielfältig sein kann (lacht). Ich werde eine Orgelbaufirma aus Belgien als Stimmhelfer begleiten. Am Wochenende werde ich weiterhin als Organist in den Gottesdiensten der Kirchengemeinde Heilig Geist Eschweiler tätig sein.

So ganz können Sie sich also nicht von der Orgel trennen?

Schmitz: Nein.

Wann haben Sie Ihre Leidenschaft für das Orgelspiel entdeckt?

Schmitz: Die Orgelmusik aller Epochen hat mich schon immer interessiert. Eigentlich hätte ich auf ein musisches Gymnasium gehen müssen, aber wie das halt so ist, richtet man sich auch danach, was die Freunde machen.

Und dann sind Sie Ihren Freunden auf das naturwissenschaftliche Gymnasium gefolgt?

Schmitz: Genau. Musik und Naturwissenschaften lassen sich einfach nicht so gut miteinander vereinbaren (lacht). Ich habe dann an der Kirchenmusikschule St.-Gregorius-Haus in Aachen Kirchenmusik studiert. Orgelunterricht hatte ich dann bei Kirchenmusik-Direktor Josef Schneider, dem späteren Direktor dieser Schule. Danach war Heinz Görges, Kantor an St. Adalbert in Aachen, mein Orgellehrer. Ich habe ihm musikalisch und menschlich viel zu verdanken. Bis heute bin ich ihm noch freundschaftlich verbunden.

1972 kamen Sie dann in die Indestadt. Wie sind Sie hier aufgenommen worden?

Schmitz: Ich bin in Eschweiler gut aufgenommen worden. Nach meiner Anstellung als Organist und Chorleiter an St. Marien im Juli 1972 gründete ich einen Kinderchor, einen Singkreis und einen Jugendchor. Der noch bestehende Chor an St. Marien gründete sich schon um 1910. Außerdem habe ich 1972 die „St.-Marien-Konzerte“ eingeführt.

Was kann man sich darunter vorstellen?

Schmitz: Im Winterhalbjahr fanden diese Konzerte als Chor- und Instrumentalkonzerte statt.

Im Sommerhalbjahr waren Organisten aus der ganzen Welt zu Gast. Und bei diesen Konzerten haben auch die Chöre mitgewirkt?

Schmitz: Die Chöre haben die Gottesdienste und die Konzerte mitgestaltet.

Sie waren aber auch selbst als Solist sehr erfolgreich und haben in den Jahren 1972 und 1973 an den internationalen Orgelwettbewerben in Antwerpen und Aachen teilgenommen...

Schmitz: In Antwerpen habe ich den 2. Platz belegt. Bei dem Wettbewerb in Aachen wurde ich Dritter. Nach diesen Wettbewerben begann dann meine Konzerttätigkeit als Organist auch im Ausland. Leider blieb nie Zeit, während der Konzertreise die Länder kennenzulernen.

Wie sah denn Ihr Alltag aus?

Schmitz: Außerhalb der Aufführungsorte der Konzerte habe ich nichts von den Ländern gesehen, habe mir aber vorgenommen, diese später dann einmal zu bereisen.

Und in welchen Ländern waren Sie schon?

Schmitz: Ich habe ganz Portugal, Frankreich, Belgien, Spanien und einen Teil von Italien bereist. Ende der 80er Jahre war ich mit einer Klasse des Eschweiler Berufskollegs in der Türkei. Am Berufskolleg habe ich von 1985 bis 1995 Musik unterrichtet.

Was haben Sie dort für Erfahrungen gemacht?

Schmitz: Das war eine sehr interessante Zeit, sowohl von der musikalischen Seite als auch von der pädagogischen. Manche Schüler sind mir bis heute verbunden.

Sie haben auch an der Eschweiler Musikschule unterrichtet?

Schmitz: Ich habe über 30 Jahre Klavier und Orgel unterrichtet. Leider studieren immer weniger junge Leute die Kirchenmusik.

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Schmitz: Die Kirchenmusikschule St.-Gregorius-Haus in Aachen wurde vor einigen Jahren geschlossen. Zum Kirchenmusikstudium muss man unter anderem die Musikhochschule in Köln besuchen. Da fehlt die Nähe.

Welche Voraussetzungen muss man für ein solches Studium mitbringen?

Schmitz: Gute Kenntnisse in der Harmonielehre und im Klavier- und Orgelspiel sind Voraussetzung.

Kommen wir noch einmal zurück zu Ihrer beruflichen Laufbahn in der Indestadt. Seit 1995 sind Sie nicht nur in St. Marien, sondern auch in St. Barbara als Organist tätig. Wie kam es dazu?

Schmitz: Der Organist von St. Barbara ging 1995 in Pension. Seitdem bin ich dort auch Organist und Chorleiter. Seit der Fusion der Pfarren im Jahr 2010 bin ich in allen fünf Kirchen tätig.

Welche Zeit ist für Sie denn die stressigste des Jahres?

Schmitz: Ich habe den musikalischen Einsatz nie als Stress empfunden. Die kirchlichen Hochfeste bedürfen sicherlich besonderer Beachtung.

Wer sucht denn die Lieder für die Messen aus? Sie oder die Pfarrer?

Schmitz: Das ist Teamarbeit, entweder der Pfarrer oder ich.

Wie ist das bei Pfarrer Weishaupt und Pfarrer Janke?

Schmitz: Beide lassen mir sämtliche musikalischen Freiheiten. Man hat ein gutes Verhältnis zueinander, was ich nicht immer so erfahren habe.

Sind Sie denn auch mit den Orgeln in der Pfarre zufrieden?

Schmitz: In St. Marien gibt es zwei Orgeln. Eine Barockorgel, die um 1910 ein Geschenk der Kirche Peter und Paul war. Erst in den 60er Jahren wurde ihr historischer Wert entdeckt, dann ist sie restauriert worden. Daneben gibt es ein Orgelpositiv für den Gottesdienst und zur Begleitung von Solisten.

Haben Sie nie darüber nachgedacht, der Indestadt den Rücken zu kehren?

Schmitz: Nein. Kontinuität ist wichtig, um etwas aufzubauen. Das geht nur über einen längeren Zeitraum.

Kommen wir noch einmal zu Ihrem Abschied zurück. Der findet am Sonntag, dem 8. Februar, in der Pfarrkirche St. Marien statt. Was haben Sie für diesen Tag geplant?

Schmitz: Den Gottesdienst zelebrieren Pfarrer Weishaupt und Pfarrer Janke. Heinz Görges und ich spielen im Gottesdienst Orgelwerke zu vier Händen und für zwei Orgeln. Bei der sich anschließenden Verabschiedung werden die Chöre auch mitwirken. Nach der Verabschiedung sind alle zum Umtrunk in der Kirche eingeladen.

Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre?

Schmitz: Ich bin mit meinem Leben zufrieden und freue mich auf einen neuen Lebensabschnitt.

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