Trotz Rauchverbot: Bei Nacht glimmen wieder die Kippen

Von: Rudolf Müller
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Der gefährliche blaue Dunst ist seit gut drei Jahren in Gaststätten tabu. Und im Großen und Ganzen halten sich Wirte und Gäste an das Verbot. Foto: Imago/momentphoto/Killig

Eschweiler. Polycyclische Aromate wirken ebenso krebserregend wie Nitrosamine. Deren kanzerogenes Potenzial wird von Schwermetallen, aromatischen Aminen und Radioisotopen verstärkt. Gleiches gilt für das genschädigende Benzo(a)pyren und die 1014 freien Sauerstoffradikale, die vermutlich zur Krebsentstehung beitragen können. Zu finden ist dies alles im Zigarettenqualm.

Ergebnis: Neben der tumorbildenden Wirkung von Tabakrauch ist eine erhöhte Anfälligkeit von Aktiv- und Passivrauchern für Herzinfarkte, Herzkrankheiten und Arteriosklerose sowie Rachenraum-, Magen-, Darm- sowie Bronchienerkrankungen nachweisbar.

Wer Eschweilers Gaststätten besucht, der kann sicher sein, vor dem gefährlichen Qualm geschützt zu sein. Zumindest einigermaßen. Seit Mai 2013 gilt in Nordrhein-Westfalen das Nichtraucherschutzgesetz. Und das wird, so betont Eschweilers Ordnungsamtsleiter Edmund Müller, „weitestgehend von den verantwortlichen Gaststättenbetreibern und ihren Gästen eingehalten“.

Eschweilers Grüne haben daran ihre Zweifel. In einer Anfrage an die Stadt erklärte Fraktionssprecher Dietmar Widell vor wenigen Tagen: „Konkrete Erfahrungen in Eschweiler zeigen, dass das Gesetz von manchen Gaststättenbetreibern umgangen bzw. teilweise oder komplett ignoriert wird. Zuweilen werden meist nach 22 Uhr sogar wieder Aschenbecher ausgeteilt.“

Edmund Müller bestreitet das nicht. Aber dies sei ein „Randproblem“: Mit dem Nichtraucherschutzgesetz sei es eben wie mit jedem Gesetz und jeder Vorschrift: Die weitaus meisten halten sich daran, einige wenige allerdings nicht. „Ich weiß auch: In manchen Kneipen gehen nach ein Uhr die Rollläden runter, und dann wird da gepiffen. Da riecht es ja am anderen Tag noch nach abgestandenem Qualm. Natürlich haben wir diese Lokale im Blick. Aber die Leute auf frischer Tat zu ertappen, das ist schon etwas anderes.“

Kontrolliert wird, wenn dem Ordnungsamt entsprechende Hinweise vorliegen. Und das gilt nicht nur für die Indestadt: „Entsprechend einer Abstimmung mit den städteregionsangehörigen Kommunen erfolgen bedarfsorientiert bei Bekanntwerden von Verstößen gezielte Kontrollen“, heißt es in der Antwort des Amtes auf die Anfrage der Grünen.

„Im Übrigen werden im Rahmen des Bezirksdienstes von den Mitarbeitern des Kommunalen Ordnungsdienstes Nichtraucherschutzkontrollen durchgeführt.“ Soll heißen: Sind Ordnungsamtsmitarbeitern aus irgendwelchen Gründen ohnehin vor Ort, schauen sie auch schon mal in die nächste Kneipe rein, um dort nach dem Rechten zu sehen. Und das gilt nicht nur für die Stadtmitte, sondern auch und gerade für die Außenorte.

In diesem Jahr – zwischen dem 1. Januar und dem 31. Oktober – nahmen die Ordnungskräfte 13 Kontrollen vor. Dabei stießen sie in elf Fällen auf rauchende Gäste. Acht Verwarnungen mit Verwarngeld wurden ausgesprochen, in einem, Fall wurde gegen einen Wirt ein Bußgeld verhängt. Drei Verfahren sind noch in Bearbeitung.

„Bei erstmalig festgestellten Verstößen werden die Gaststättenbesucher zahlungspflichtig verwarnt“, erläutert Müller. „Gaststättenbetreiber sowie wiederholt aufgefallene Gaststättenbesucher werden mit einem Bußgeld belegt.“ Werden in den Gasträumen lediglich Aschenbecher festgestellt, bleibt es bei einer mündlichen Ermahnung des Gastwirts.

Eschweilers Wirte wissen spätestens seit Anfang April 2013, was ihnen bei Verstößen gegen das Nichtraucherschutzgesetz blühen kann: Damals hatte die Stadt in einem Schreiben an die Gastronomen auf die verschärften gesetzlichen Bestimmungen hingewiesen und die möglichen Konsequenzen von Verstößen erläutert.

Dennoch gibt es Gastwirte, denen das Gesetz zum Nichtraucherschutz am Allerwertesten vorbeigeht: „Das sagt uns zwar keiner offen ins Gesicht, aber diese Haltung ist deutlich spürbar“, sagt Edmund Müller. Dabei ist auch Müller in der Durchsetzung des Gesetzes eher moderat und keineswegs ein „Hardliner“. Sein Credo: Alles mit Maß und Ziel.

„Wir wollen keine Hatz auf Raucher betreiben“, sagt der Ordnungsamtschef. Und sieht deshalb auch die Vorbauten, die sich manche Gastronomen vors Lokal haben setzen lassen, als eine tragbare „Zwischenlösung“ für rauchende Gäste – auch wenn dort natürlich Speisen und Getränke serviert werden.

„Hardliner sagen, sobald diese Vorbauten geschlossen sind, gilt dort das gleiche wie für den eigentlichen Gastraum: striktes Rauchverbot. Ich dagegen bin der Auffassung, wenn diese Vorbauten z.B. an einer Seite offen sind und der Rauch von dort nicht ins eigentliche Lokal gedrückt wird, kann man das tolerieren. Wir wollen ja auch die Raucher bei Herbst- und Winterwetter nicht in die Erkältung treiben.“

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