Trotz Down-Syndroms im Traumberuf erfolgreich

Von: Verena Richter
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Die Handgriffe an der Brötchenstraße sitzen: In der Backstube der Bäckerei und Konditorei Lipp sind alle Arbeitsabläufe gut koordiniert und Maximilian Krumbach (rechts) packt überall mit an. Sein Chef Raimund Lipp (Mitte) und Hendrik Lipp können sich darauf verlassen. Foto: Verena Richter

Eschweiler. Es riecht nach Hefe und frischem Brot, in der Luft schwebt eine ganz feine Mehlwolke. Gerade hat Maximilian Krumbach eine Handvoll auf ein riesiges Backblech geworfen, auf dem in wenigen Minuten zahlreiche, rohe Teiglaiber liegen werden.

Routiniert hält Maximilian Krumbach derweil schon das nächste Blech bereit. Die Handgriffe sitzen bei dem 22-jährigen Auszubildenden, der schon als kleines Kind stets Bäcker werden wollte. Heute ist er auf einem guten Weg, sein Ziel zu erreichen.

Leicht war das allerdings nicht. Maximilian Krumbach, den sein Chef Raimund Lipp und die Kollegen einfach Max nennen, hat das Down-Syndrom, ist also geistig behindert. Trotzdem arbeitet er heute in dem Familienbetrieb an der Jülicher Straße und nicht in einer Behinderten-Werkstatt oder einer caritativen Einrichtung.

„Max kommt aus HuchumHuchem-Stammeln, genau wie mein Alt-Geselle. Er war es, der mir vor vier Jahren von Max erzählt hat und gefragt hat, ob Max hier ein Praktikum machen kann”, erinnert sich Raimund Lipp, der sofort eingewilligt hat. Einmal weil jeder, der gerne ein Praktikum in einer Bäckerei machen möchte, bei ihm an der richtigen Adresse sei, und weil in seinem Betrieb einige Jahre lang eine Frau mit Behinderung beschäftigt war. Berührungsängste kennt man in der Bäckerei und Konditorei Lipp nicht. „Da ziehen wir alle an einem Strang. Sonst würde das Ganze nicht funktionieren”, erklärt Raimund Lipp.

Dem ersten Praktikum folgten zwei weitere, eins davon dauerte sogar drei Monate. „Max war jedes Mal mit Leib und Seele dabei, da war es klar, dass wir ihm nach seiner Schulzeit auch gerne eine Ausbildung ermöglichen wollten. Dafür musste aber erst ein Weg gefunden werden”, erklärt der Bäckermeister. Ohne weiteres konnte Max Krumbach die Ausbildung auf dem ersten Arbeitsmarkt nämlich nicht beginnen, die Anforderungen wären einfach zu viel für ihn gewesen.

Der 22-Jährige verdankt es letztendlich seiner Mutter, dass er vor zwei Jahren doch mit der Lehre beginnen konnte. Sie habe sich sehr ins Zeug gelegt, habe sich informiert, Gespräche mit der Handwerkskammer, dem Arbeitsamt und vielen weiteren Institutionen geführt, erzählt Raimund Lipp. „Die Handwerkskammer Aachen hat extra für ihn einen eigenen Ausbildungsberuf geschaffen, den des Bäckerwerkes”, fährt Lipp fort. Der theoretische Teil der Lehre ist im Vergleich zur „normalen” Ausbildung geringer und einfacher. Max Krumbach muss auch nicht zur Berufsschule, das theoretische Wissen vermittelt auch Raimund Lipp.

Für ihn sei es stets klar gewesen, dass er seinen heutigen Schützling übernehmen würde, sobald die formalen Aspekte geklärt waren, sagt Lipp. „Ich hatte noch nie einen Praktikanten, der sich so angestrengt hat. Das hat sich auch in der Ausbildung nicht geändert. Manchmal dauert es etwas länger, wenn man ihm etwas erklärt, doch gerade im vergangenen Jahr hat Max einen enormen Sprung gemacht.”

Nein, seinen Schritt hat Raimund Lipp nie bereut, auch wenn er mehr leisten muss, als bei anderen Auszubildenden. In seinen Augen ist Max Krumbach aber vielmehr eine Bereicherung für den Familienbetrieb mit seinen 14 Mitarbeitern. „Max hat immer gute Laune, jeden Morgen, wenn er hier ankommt, strahlt er”, sagt Lipp. Und der Tag beginnt - wie üblich bei Bäckern - sehr früh.

Um 4 Uhr muss Max Krumbach aufstehen, um 5 fängt dann die Arbeit in der Backstube an. Am Anfang sei das frühe Aufstehen anstrengend gewesen, doch er habe sich allmählich daran gewöhnt, sagt der junge Mann, der jeden Morgen mit dem Taxi nach Dürwiß gebracht wird. Um 13 Uhr hat er dann „Feierabend”.

Fragt man ihn, was ihm an meisten Spaß mache, dann lächelt er glücklich und sagt: „Alles.” Selbst das Putzen der Bleche gefalle ihm. Max Krumbach hat seinen Traumberuf einfach gefunden. Als er noch nicht wusste, ob er die Lehre beginnen könnte, da habe er mal in einer Küche gearbeitet. „Das war aber langweilig. Ich habe nur sauber gemacht”, erinnert er sich. In der Backstube sei es dafür nie langweilig.

In ein bis anderthalb Jahren wird der 22-Jährige seine Prüfung voraussichtlich ablegen, wie es dann weiter geht, werde sich zeigen, sagt Raimund Lipp. Wichtig sei dabei eigentlich nur, dass Max Krumbach bereits heute unheimlich viel erreicht habe. Eine Selbstverständlichkeit ist das noch nicht.

Auszeichnung für Lehrling und Betrieb

Der Landschaftsverband Rheinland (LVR) hat Max Krumbach und seinen Arbeitgeber nun mit seiner erstmals vergebenen Auszeichnung für gelungene Teilhabe am Arbeitsleben ausgezeichnet.

„Sie geben ein gutes Beispiel für gelungene Teilhabe von Menschen mit Behinderung am Arbeitsleben”, erklärte Corinna Beck vom LVR. Auch die Zielstrebigkeit und den Fleiß von Max Krumbach würdigte die Vorsitzende der Auswahlkommision ausdrücklich und sagte weiter: „Bei allem, was zweifellos noch zu tun ist auf dem Weg zu einer inklusiven Gesellschaft für alle, ist es auch wichtig, Erfolge zu zeigen und persönliche Erfolgsgeschichten von Menschen mit Behinderung zu erzählen.”

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