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Tristesse aus Beton: Dimensionen des Marktzentrums sorgen für Ärger

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
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Tristesse aus Beton: Sieben Meter hoch sind die Wandelemente des Drogeriemarktes links. Im Vordergrund wird eine Lärmschutzwand gebaut. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Seit 1970 lebt die Familie Bardenheuer an der Bonhoefferstraße in Dürwiß. Dort fühlt sie sich seit Jahrzehnten wohl. Ob dies so bleibt, ist im Moment fraglich.

Seit wenigen Tagen blicken die Bardenheuers auf eine sieben Meter hohe Betonwand. Vor dem Haus entsteht das neue Marktzentrum an der Jülicher Straße. Auf Belästigung durch Dreck und Lärm haben sich die Anwohner eingestellt. Dieser Ärger vergeht. Aber die Betonwand bleibt.

Was Margret und Bernd Bardenheuer derzeit unmittelbar vor ihrem Haus erkennen können, ist die Betonaußenwand des Drogeriemarktes. Daneben wird eine weitere Betonwand gebaut – aus Lärmschutzgründen. Sie wird allerdings nur drei Meter hoch sein. „Wir haben jahrelang eine sehr gute Aussicht gehabt; dass dies nicht ewig so bleiben wird, war uns klar“, räumt Bernd Bardenheuer ein.

Seine Frau wirft ein: „Aber wir müssen uns auch nicht alles gefallen lassen und alles einfach so hinnehmen.“ Konkret spricht sie die Ausmaße der Baus an. An der Dürwisser Jülicher Straße liegt ein Discounter mit einem Satteldach. „Als wir die Pläne gesehen haben, haben wir gedacht, dies wird so ähnlich – ich hätte nie gedacht, dass der neue Markt so groß wird“, sagt Margret Bardenheuer.

Kommentarlos hingenommen haben die Anwohner den Bau des Marktzentrums ohnehin nicht. Eine Reihe von Bedenken flatterte ins Eschweiler Rathaus. Auch Bernd Bardenheuer sprach mit einem Nachbarn beim Bürgermeister Rudi Bertram vor. Sie hatten aus unserer Zeitung von den Bauplänen erfahren. Ihre Kritik änderte jedoch nichts Entscheidendes an dem Vorhaben. Eines haben die Anwohner jedoch erreicht: Das Gebiet nördlich der Straße „Am Fließ“ wurde zum reinen Wohngebiet deklariert.

Für solche Areale gelten strengere Lärmschutzbestimmungen. Ein Gutachter legte schließlich fest, dass eine 48 Meter lange und 3 Meter hohe Wand nördlich entlang des Marktzentrums errichtet werden muss, um die Belastungen für die Anwohner gering zu halten. Diese Mauer wird noch näher am Haus der Familie Bardenheuer sein. Die Kosten müssen die ZVM Bau- und Bodenverwertung GmbH und ihr Kooperationspartner List und Wilbers Projektentwicklungs GmbH tragen. Insgesamt betragen die Baukosten etwa zwölf Millionen Euro.

Der Technische Beigeordnete der Stadt Eschweiler, Hermann Gödde, kennt die zahlreichen Einwände gegen die Pläne. „Wir haben jedoch in besonderem Maße darauf geachtet, dass die Anwohner zu ihrem Recht kommen“, sagt er. Die Pläne wären ohnehin fast in den Papierkorb gelandet. Die Bezirksregierung lehnte die ersten Zeichnungen ab. Erst nach mehreren Gesprächen erreichte man einen Kompromiss, allerdings musste der Investor einige Kröten schlucken. Unter anderem musste die Ausrichtung der Gebäude nach Dürwiß und nicht wie ursprünglich vorgesehen westlich zur Jülicher Straße erfolgen. Bereits erworbene Grundstücke mussten also wieder abgegeben, andere in schwierigen Verhandlungen erworben werden.

„Dieser Bebauungsplan ist ausgesprochen detailliert und enthält zahlreiche Auflagen, an die sich die Projektentwickler zu halten haben“, teilt Gödde mit. So legt er auch fest, dass entlang der Straße Hecken und Bäume gepflanzt werden müssen. Selbst die Arten und Abstände gibt der Plan vor. Zahlreiche Gutachten waren erforderlich, bis schließlich die Baugenehmigung Anfang September erfolgen konnte.

Die Expertisen reichten von der Verträglichkeitsanalyse zur geplanten Ansiedlung neuer Einzelhandelsflächen in Dürwiß über ein Verkehrs- und Lärmgutachten bis hin zum landschaftspflegerischen Begleitplan. Man werde genau kontrollieren, ob die Auflagen eingehalten werden, betonte Hermann Gödde und ergänzt: „Selbstverständlich nehmen wir die Hinweise der Anwohner an der Bonhoeffer­straße und der Straße Am Fließ sehr ernst.“

Nachbarn erschüttert

Genauere Informationen haben die Anwohner nicht erhalten. Kurz nach dem Baustart nahm die ausführende Baufirma Kontakt zu den Menschen in der Nachbarschaft auf. Dort wurden sie mit den Vorbehalten konfrontiert, „auch wenn die Arbeiter ja nichts dafür können“, sagt Margret Bardenheuer. Als die ersten Pfosten für die Betonelemente des Drogeriemarktes standen, sei sie jedoch regelrecht geschockt gewesen. Mit ihrer Tochter Nicole Sonder ging sie daraufhin über die Straße zur Baustelle.

Andere Anwohner wandten sich an unsere Redaktion: „Was da letzte Woche aus dem Nichts innerhalb von wenigen Stunden hingesetzt wurde, erschüttert uns als direkte Anwohner doch sehr. Für uns wäre es wünschenswert, wenn sich mal die Herren Politiker, die das Ganze zu verantworten haben, dies auch mal aus der Nähe ansehen würden. Dann sollen sie uns mal sagen, ob sie so etwas auch gerne vor ihrer Haustür hätten.“

Am neuen Marktzentrum in Dürwiß glaubt niemand, dass man den Bau noch stoppen und verändern kann. Aber die Menschen dort wollen andere Bürger zeigen, dass man genauer hingucken muss. „Sieben Meter auf einem Plan sehen anders aus als in der Realität“, weiß Margret Bardenheuer. Der Beton wird sicherlich nicht verschwinden – aber entlang der Wand werden Sträucher und Bäume gepflanzt. Vielleicht wird der Ausblick zumindest grüner. Derzeit schaut man auf Betongrau.

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