Eschweiler - Trauergespräche sollen Menschen im Leid einen Halt bieten

Trauergespräche sollen Menschen im Leid einen Halt bieten

Von: Verena Richter
Letzte Aktualisierung:
trauer2_
Der Weg aus dem Kummer ist lang, wissen Hinterbliebene. Gespräche helfen, ihn zu bewältigen. Foto: ddp

Eschweiler. Helle Lichter, fröhlich besinnliche Musik, gemeinsames Feiern - die meisten Menschen freuen sich auf die Vorweihnachtszeit. Bringen doch die Wochen, die gerade hinter uns liegen, ein wenig Glanz in eine sonst recht trübe, kalte und nasse Jahreszeit. Aber nicht jeder erlebt die Wochen vor dem Fest mit so viel Begeisterung.

Für manch einen ist gerade der Advent mit Kummer und Trauer verbunden. Menschen, die ihr Liebstes verloren haben, die Frau, den Mann, das Kind oder die Eltern, leiden in den letzten Wochen des Jahres oft am stärksten.

Wird ihnen doch gerade an diesen Tagen deutlich, wie sehr ihnen der geliebte Mensch fehlt. „Am härtesten sind die Feiertage selbst”, sagt Ria Cremer, und sie muss es wissen. Die Trauerbegleiterin vom Sozialdienst Katholischer Männer (SKM) unterstützt mit ihren Kolleginnen Helga Klinkenberg und Herta Kalz schon seit vielen Jahren Trauernde.

Eigentlich leiten die drei Frauen den ambulanten Hospizdienst des SKM. Sie stehen Schwerstkranken und Sterbenden bei, sind aber auch für die Angehörigen da.

„Dadurch haben wir erfahren, wie wichtig Trauerarbeit ist”, so Ria Cremer. Und aus diesem Grund entschieden sie sich, die Ausbildung zum Trauerbegleiter zu machen und jedem zur Seite zu stehen, der ihre Unterstützung nötig hat. Frauen und Männer. Kostenfrei und unabhängig von Konfession oder Glauben.

In der Regel bieten die drei Expertinnen Einzelgespräche an, in denen die Trauernden über ihren Verlust sprechen können. Seit 2005 gibt es außerdem einmal im Monat ein Trauercaf, bei dem mehrere Trauernde zusammen kommen, sich unterhalten, austauschen, gemeinsam weinen und auch gemeinsam lachen.

Am wichtigsten sei dabei das Reden. „Der Trauernde muss einfach mal die Gelegenheit haben, erzählen zu können”, erklärt Helga Klinkenberg, für die es im Umkehrschluss heißt, in solchen Momenten zuzuhören.

Ratschläge erteilen die Damen nicht. Ratschläge gebe es auch nicht, denn kein „Kopfhoch”-Spruch dieser Welt helfe einem Trauernden. „Im Gegenteil, oft fühlen sie sich auch noch schuldig, weil sie nicht so können, wie andere gerne wollen”, bemerkt Ria Cremer, die erklärt, dass der Weg aus dem Kummer lang ist: „Es geht nur Schrittchen für Schrittchen. Aber wir machen hier die Erfahrung, dass sich die Menschen erleichtert fühlen, wenn sie mal erzählen können, wie es ihnen geht.”

Viele Trauernde kommen regelmäßig, ein gutes Zeichen, denn Betroffene neigen dazu, sich zurückzuziehen, allein zu bleiben mit ihrem Leid. „Sie sitzen quasi in einem Loch, aus dem sie nur rauskommen können, wenn sie den ersten Schritt machen, auch wenn es schwer fällt”, sagt Helga Klinkenberg. Manchmal kommen die Trauernden auf Empfehlung ihres Hausarztes, manchmal hat ein Freund den Tipp gegeben. Wenn man sich dann überwindet und zum Trauergespräch kommt oder beim SKM wenigstens anruft, sei dieser erste Schritt aber oft schon gemacht, so die Expertin. Sie greift, wie ihre Kolleginnen, aber auch schon mal selbst zum Telefon, um bei den Betroffenen noch mal nachzufragen, wie es ihnen geht. „Das manchen wir, wenn wir merken, dass die Trauer besonders stark ist”, erklärt Ria Cremer.

Das Leid nehmen können die drei Frauen auch nicht. Nur mit aushalten und das empfehlen sie auch Freunden und Angehörigen, die einem trauernden Menschen helfen möchten. „Der Gesellschaft fällt es schwer mit Trauer und Tod umzugehen. Niemand denkt gerne daran. Man weiß oft nicht, âwie spreche ich das Thema an, was rate ich´ - doch das ist gar nicht nötig. Meist reicht es wirklich, zuzuhören. Man muss aber auch aushalten können, was man zu hören kriegt”, sagt Ria Cremer, die um die Schwierigkeiten im Alltag weiß. So brauche manch ein Trauernder auch einfach mal seine Ruhe, die man ihm geben sollte. „Nur der Kontakt sollte nicht abreißen.” Egal, ob Weihnachten oder mitten im Jahr.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert