Eschweiler - Training vor der OP hilft für die Zeit danach

Training vor der OP hilft für die Zeit danach

Von: Andreas Röchter
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Expertenrunde: Dr. Ture Wahner
Expertenrunde: Dr. Ture Wahner, Dr. Werner Birtel, Cornelia Cernea, Norbert Schallenberg, Dr. Oliver Heiber, Dr. Marlies Plum-Schunk und Dr. Eberhardt Schneider gaben Infos zum Thema „Arthrose”. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Sie sind betroffen, Sie, Sie und Sie! Sie hingegen vielleicht nicht.” Schonungslos sprach Dr. Eberhardt Schneider, Chefarzt der Klinik für Fachübergreifende Frührehabilitation am St.-Antonius-Hospital und Moderator des 39. Forums Medizin unserer Zeitung, seine Zuhörer direkt an.

Der Grund: „Statistisch gesehen, hat vier von fünf Personen in diesem Raum der Gelenkverschleiß bereits ereilt!” So sei das diesmal im Fokus stehende Thema „Arthrose und deren Behandlung mit modernen Kunstgelenken” eines, das, früher oder später, fast jeden betreffe. Eine Tatsache, die auch durch das große Interesse der zahlreichen Gäste eine weitere Bestätigung fand. Mehr als 100 Patienten und deren Angehörige hatten sich am Dienstagabend im Talbahnhof eingefunden, um die Vorträge von Dr. Marlies Plum-Schunk, Dr. Oliver Heiber, Dr. Ture Wahner sowie Oberarzt Norbert Schallenberg zu hören und anschließend auch mit Dr. Werner Birtel und Physiotherapeutin Cornelia Cernea zu diskutieren.

Was sich hinter dem Begriff „Arthrose” verbirgt, brachte zunächst Dr. Marlies Plum-Schunk den Zuhörern näher. Im Gegensatz zur Arthritis, bei der eine Gelenkentzündung mit einhergehender Blutbildveränderung vorliege, rufe der Abbau des Gelenkknorpels, der eine Stoßdämpferfunktion zwischen den Knochen ausübe, eine sogenannte Arthrose an einzelnen Gelenken hervor. „Sie wird gekennzeichnet durch einen schleichenden Beginn, der durchaus schon zwischen dem 25. und 30. Lebensjahr einsetzen kann”, so die niedergelassene Orthopädin. Die Ursache könne genetischer Natur oder dem natürlichen Alterungsprozess geschuldet sein, vor allem werde der Knorpelabbau aber durch eine Fehlbelastung der Gelenke hervorgerufen. „Dabei muss bedacht werden, dass der elastische Knorpel, der nicht mit Gefäßen durchzogen ist und sich wie ein Schwamm aus der Gelenkschmiere ernährt, sich nicht aus sich selbst heraus erneuern kann”, erläuterte die Medizinerin. Fehlbelastungen der Gelenke könnten durch Übergewicht, einseitige Körperbelastungen, Fehlpositionen im Sitzen oder Fehlstellungen wie x- oder o-Beine entstehen.

„Typische Hinweise auf Gelenkverschleiß können zu Beginn Anlaufschmerzen nach längeren Sitzperioden, später dann Bewegungsschmerzen sein”, erklärte Dr. Marlies Plum-Schunk. „Ist eine Arthrose diagnostiziert, kann der Knorpel nicht mehr in den Ursprungszustand gebracht werden. Doch unter anderem durch Physiotherapie, Medikamente oder Ruhigstellungen können deutliche Verbesserungen herbeigeführt werden.” Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen und Skilanglauf seien zu empfehlende Sportarten für Patienten.

Dr. Oliver Heiber widmete sich anschließend dem Ersatz des Kniegelenks durch Prothesen. „Diese operative Therapie wird in Deutschland rund 200 000 Mal pro Jahr angewandt”, so der Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie. Da ein solcher Eingriff kein akuter Notfall sei, liege die Entscheidung, wann eine Operation notwendig sei, in erster Linie beim Patienten. „Zu spät für eine Operation ist es eigentlich nie”, so seine Einschätzung, die Chefarzt Dr. Werner Birtel etwas relativierte. „Der richtige Zeitpunkt für eine Operation kann schon verpasst werden.” Entscheidend sei eine differenzierte, individuelle Betrachtung der jeweiligen Arthrose. So berichtete Dr. Oliver Heiber, dass bei kleineren Defekten der Knochen angebohrt werden könne, so dass die im Blut vorhandenen Stammzellen eine Art Faserknorpel bildeten. Doch gewisse Risiken seien nicht auszuschließen.

„War früher ein bestimmtes Stadium der Arthrose erreicht, war nichts mehr zu machen”, blickte Oberarzt Dr. Ture Wahner in Sachen Hüftgelenksprothetik zu Beginn seines Vortrags zurück. Inzwischen seien aber durch Kappen-, Kurzschaft-, Standard- und Revisionsprothesen gute Ergebnisse möglich. „Aber leider können wir nicht zaubern und jeden Patienten zufriedenstellen”, machte auch er deutlich. So setze eine Operation Leidensdruck voraus. „Dem Patienten muss aber bewusst sein, dass es ihm hinterher schlechter gehen könne als vor der Operation.”

Wer der Meinung sei, nach dem Einsetzen einer Gelenkprothese sei „die Messe gelesen”, unterliege einem Trugschluss, leitete Dr. Eberhardt Schneider zum Thema „Nachbehandlung” über, für die in der Klinik für Fachübergreifende Frührehabilitation unter anderem Oberarzt Norbert Schallenberg verantwortlich zeichnet. „Die Rehabilitation startet am Tag nach der Operation. Die Frühmobilisierung ist wichtig, auch um Thrombosen zu vermeiden”, verdeutlichte der Facharzt für Sportmedizin. „Während der Rehabilitation spielen Kraft, Koordination und Flexibilität die Hauptrollen”, so Norbert Schallenberg, der empfahl, schon vor einer Operation an der Fitness zu arbeiten. „Dies verbessert das postoperative Ergebnis oft erheblich.”

Rehamaßnahmen am „lebenden Objekt” (Dr. Eberhardt Schneider) demonstrierte dann Physiotherapeutin Cornelia Cernea, bevor sich die Experten zahlreichen Fragen stellten. Etwa der nach der Haltbarkeit der Gelenkprothesen: „Diese liegt im Durchschnitt bei 15 Jahren, kann aber die Grenze von 20 Jahren überschreiten”, ließ Dr. Werner Birtel wissen.
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