Trainer oder Manager – das ist hier die Frage

Von: Tobias Röber
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Den 15. Mai 2004 wird Markus Daun sicherlich nicht vergessen. Damals feierte Werder Bremen mit den eigenen Fans im Weserstadion die Meisterschaft. Das 2:6 gegen Bayer Leverkusen war an diesem 33. Spieltag nur Nebensache. Foto: imago/Ulmer (2)/Kolvenbach/Team 2/Uwe Kraft/Jereczek
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Markus Daun im Jahr 2014: Er wohnt in Eschweiler und arbeitet beim 1. FC Köln. Foto: T. Röber

Eschweiler. Es gibt einige Momente, die Markus Daun nie vergessen wird. Den 3. November 2002 beispielsweise. Es ist 17.47 Uhr im Bremer Weserstadion. Daun trägt damals das Werder-Trikot. Gegner ist der FC Bayern München, der unter anderem mit Mehmet Scholl, Bixente Lizarazu, Claudio Pizarro antritt.

Im Tor steht ein gewisser Oliver Kahn. Und genau der muss in der 17. Spielminute der Partie hinter sich greifen, – weil Markus Daun sein erstes Tor als Fußballprofi erzielt. Rund eineinhalb Jahre später feiert er mit den Bremern Meisterschaft und Pokalsieg. Inzwischen hat der heute 33-Jährige seine Laufbahn beendet. Dem Fußballsport ist er treu geblieben.

„Ich würde alles wieder genau so machen“, sagt Daun im Rückblick auf seine Karriere, die er offiziell mit seinem Vertragsende bei Alemannia Aachen im Sommer 2011 beendete. Die Knie machten nicht mehr mit. Sein letztes Spiel hat er im Mai 2009 bestritten – auf dem alten Tivoli gegen den FC Augsburg. Ins Rampenlicht kehrte er nach der aktiven Karriere unfreiwillig zurück. Im Januar 2010 trat die Alemannia an Daun heran und fragte, ob er sich vorstellen könne, im Verein weiterzuarbeiten. Beinah eine rhetorische Frage, bezeichnet der Ex-Profi die Alemannia doch als „den Verein, an den ich mein Herz verloren habe“.

Schluss beim Herzensverein

Markus Daun half als Trainer der U23 und der U16 aus, arbeitete im Marketing mit und war bei der Sponsorensuche aktiv. Mit Städteregionsrat Helmut Etschenberg entwickelte er ein Projekt im Rahmen der Bildungszugabe. Kinder aus Kitas und Schulen bekommen seitdem einen Tag am Tivoli mit Führung und Training geboten. Daun, der in Dürwiß aufgewachsen ist und bei der Germania das Fußballspielen lernte, entwickelte das Projekt nicht nur, er leitete es auch.

Im Januar 2013 war bei seinem Herzensverein dann Schluss. Die Unstimmigkeiten mit dem damaligen Sportdirektor Uwe Scherr gingen durch die Presse, an eine weitere Zusammenarbeit war nicht mehr zu denken. Markus Daun ging. Wenig später war auch Scherr weg. Das Thema möchte er aber nun abhaken, sagt aber dennoch: „Das lässt mich bis heute nicht los.“ Und er ergänzt: „Ein Traum von mir ist, irgendwann eine Aufgabe bei der Alemannia übernehmen und sie dorthin führen, wo sie hingehört: in die 1. Bundesliga!“

Das ist aber Zukunftsmusik. Seit dem 1. Juli 2013 ist Markus Daun beim 1. FC Köln aktiv. Ausgerechnet der 1. FC Köln, einem Rivalen von Bayer Leverkusen. Bei Bayer schnupperte Daun erstmals in den Profifußball hinein. 1995 wechselte Daun von Dürwiß in die Leverkusener Jugend. Mit der Amateurmannschaft von Bayer wurde er in der Saison 2000/01 Meister der Oberliga Nordrhein und Daun wurde mit 23 Toren zugleich Torschützenkönig der Liga.

Einsatz in der Champions League

In der Champions-League-Qualifikation bei Roter Stern Belgrad saß er im Sommer 2001 bei den Bayer-Profis auf der Bank. 60 000 fanatische Zuschauer, Feuerwerk auf den Rängen, eine Choreographie der Fans und ohrenbetäubender Lärm – Markus Daun bezeichnet das als eines der ganz besonderen Erlebnisse in seiner Karriere. „Damals saß Tom Starke neben mir. Ich habe ihn angeschaut und gefragt: ‚Hast du so etwas schon mal gesehen?‘“ Ein weiteres Highlight kam wenig später hinzu. In der Vorrunde der Champions League spielte Markus Daun und zwar gegen Olympique Lyon.

Tom Starke ist inzwischen als Ersatztorhüter beim FC Bayern München angekommen, und immer noch schreiben sich Starke und Daun regelmäßig. „In jedem Verein habe ich natürlich viele neue Leute kennengelernt. Zu einigen ist der Kontakt geblieben“, erzählt er. Tom Starke gehört dazu. Zu Thomas Kleine (u.a. Bayer Leverkusen, Greuther Fürth und Borussia Mönchengladbach), Fabian Ernst (u.a. Hamburger SV, Werder Bremen, Schalke 04 und Besiktas Istanbul) und Tim Borowski (u.a. Werder Bremen und Bayern München) hat er auch weiter Kontakt. Ein Beweis, dass es auch im „Haifischbecken“ Fußball-Bundesliga Freundschaften geben kann.

Aber zurück zum 1. FC Köln und der Karriere nach der Karriere. Markus Daun hat drei Aufgabenbereiche. Er ist für das Scouting zuständig, betreut die Partnerverein (er gibt unter anderem Fortbildungen für Trainer) und er ist Individualtrainer für die Toptalente des FC. Die A-Lizenz als Trainer hat er bereits in der Tasche, in den nächsten zwei bis drei Jahren will er seinen Fußballlehrer machen, der ihn berechtigt, als Trainer im Profifußball zu arbeiten.

Allein auf eine Trainerlaufbahn konzentriert er sich jedoch nicht. Seinen Fußballmanager hat er vorigen Monat erfolgreich abgeschlossen, und er überlegt, ein Studium anzuschließen. „Mein Ziel ist es, eine leitende Aufgabe im Lizenzfußball zu übernehmen, in der ich meine Ideen und meine Philosophie von der Führung eines Vereins einbringen kann“, sagt Daun. Er will etwas bewegen und nennt als Vorbild den FC Bayern München. Vorbild auch deswegen, weil man dort sehe, dass es ein Alleinherrscher nicht schaffen kann. Es gehe nur im Team, so der zweifache Vater, dessen Sohn auch inzwischen Fußball spielt.

„Ich denke, dass ich auf Grund meiner Erfahrung vielen Menschen viel mit auf den Weg geben kann“, sagt der 33-Jährige. Von „maximal gut bis maximal schlecht“ habe er so ziemlich alles in seiner Karriere erlebt. So hatte er eine tolle erste Saison bei Werder Bremen. Das war 2002/03, in der er 27 Spiele absolvierte und auch Ailton zeitweise aus der Startformation verdrängte.

Am letzten Spieltag musste er nach einem brutalen Foul des Gladbachers Marcelo Pletsch vom Platz – und brauchte Monate, um sich zu erholen. Daun hatte Schwierigkeiten, wieder in die Mannschaft zu kommen. Am Ende der Spielzeit standen sechs Einsätze zu Buche, aber eben auch Meisterschaft und Pokalsieg gegen „seinen“ Verein, Alemannia Aachen.

„Ich bin dankbar, dass ich all das erlebt habe“, blickt Markus Daun zurück. Irgendwann will er sich ein Zimmer einrichten, in dem all diese Erinnerungen Platz finden. „Da soll alles rein. Natürlich die kleinen Nachbildungen von Pokal und Meisterschale, aber auch die Berichte mit der Kicker-Note 5. Auch die Erinnerungen aus der Jugendzeit zählen dazu“, sagt Daun, der nach einigen Jahren in Aachen mittlerweile wieder in der Inde- stadt wohnt. So hat er damals, sobald er schreiben konnte, jedes Spiel samt Torschützen dokumentiert.

Noch ein Tor gegen Kahn

Gegen Oliver Kahn hat Markus Daun übrigens noch ein weiteres Mal getroffen. Am 10. Mai 2008. Der MSV lag zur Pause mit 0:3 gegen die Bayern zurück. Lukas Podolski hatte unter anderem zweimal eingenetzt. Der MSV brauchte dringend Punkte gegen den Abstieg und startete die Aufholjagd. Daun traf zum 2:3, zu mehr reichte es nicht mehr. Dennoch: Es war ein weiterer Moment, den Markus Daun sicher nicht vergessen wird.

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