Tommy Engel: Zum Schluss ein Tässchen Dornkaat

Von: Paul Santosi
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Musikalisch außergewöhnlich und doch rheinisch-gemütlich, auch wenn man es ihnen nicht ansieht: Pit Hupperten (links) und Tommy Engel haben alles im Griff. Foto: Paul Santosi
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Verwandelt innerhalb von Sekunden ein gewöhnliches Publikum in einen Saal mit guten Freunden: Tommy Engel. Foto: Paul Santosi

Eschweiler. Wenn Tommy Engel mit seiner Band nach Eschweiler kommt, ist in der Regel der Veranstaltungs-Saal zu klein. Auch am Samstag freute sich das Kölner Urgestein über eine proppenvolle Realschul-Aula, in der er über zwei Stunden lang eine hochgradig unterhaltsame Show ablieferte.

Das Konzept stimmte wie immer: ein wenig Bläck Fööss, etwas charmante Plauderei mit dem ohnehin köln-affinen Publikum, ein paar gnadenlos gut interpretierte Cover-Nummern und schließlich 100 Prozent Tommy Engel, der sich augenzwinkernd und authentisch seinen Weg durch ein abwechslungsreiches Musikprogramm bahnte.

Kaum hatte Engel zur Begrüßung seine emotionale Start-Ballade hinter sich, ermahnte ihn das Publikum allerdings, wie die Stadt, in der er weilte, korrekt mundartlich ausgesprochen wird. Die Sache mit dem „Offenen Ei“ wird er so schnell vermutlich nicht vergessen. Egal wie, aber Tommy Engel schaffte es innerhalb von wenigen Sekunden, etwaige Distanzen zum Zuschauer in Luft aufzulösen und verwandelte sein Publikum kurzerhand in einen Saal voller guter Freunde. Die ließen sich auch nicht zweimal bitten und sangen beim Hit seiner früheren Formation LSE „Leck ens am Asch“ lauthals mit. Wenige wissen es, aber Dieter Krauthausen, der Tonmeister dieser Produktion, ist ebenfalls ein Eschweiler Gewächs.

Nachdem sich der Maestro mit Songs von Trude Herr und über das Kölner Original „Schäfers Nas“ auf Betriebstemperatur brachte, inspirierte ihn der Pausen-Griff zum Handtuch zu der These, dass weichgespülte Mikrofaser-Handtücher völlig ungeeignet seien, um Schweißperlen effektiv aus dem Gesicht zu wischen. „So ein Schwachsinn. Die verreiben doch nur alles und saugen nichts auf. Darüber sollte man mal was in der Zeitung schreiben“, beschwerte sich der Künstler. Bei den hohen Temperaturen auf der Bühne half da erst recht auch kein Bademantel, den Tommy Engel sich kurze Zeit später anzog, um seinen „Sauna Boy“ stilgerecht zu präsentieren. Ob mit einem eingekölsch­ten Song von Zucchero oder mit der Ballade vom „Kleinen Glück“ – offensichtlich kann Engel so ziemlich jede Form von Musik interpretieren, ohne je in das klebrig-seichte Fahrwasser mancher Pop-Kollegen abzudriften. Bis zur Pause jedenfalls hatte er seine Fans fest im Griff.

Rockig-karnevalistische Musikgruppen mit reduziertem Sprach-Talent haben Konjunktur im Bermuda-Dreieck zwischen Aachen, Köln und Düsseldorf. Dieses ausufernde Phänomen nahm Tommy Engel in der zweiten Halbzeit ins Visier: „Es gibt viele Gruppen, die im Dialekt singen. Aber leider können die auch nur singen.“ Stellvertretend für die Vielen, die aus der Perspektive des „echten Kölners“ ihre Mundart nicht mehr oder jedenfalls nur mit Hindernissen beherrschen, sang Band-Gitarrist und Leverkusener Pit Hupperten den Simply Red-Schmachtfetzen „If you don´t know me by now“ in einer komplett umgearbeiteten Kölsch-Version zur Freude des Publikums. Hupperten, auch kongenialer Zappa-Interpret in seiner eigenen Band „Drei vom Rhein“, wie auch der musikalische Leiter und Keyboarder Jürgen Fritz, Komponist der Trude-Herr-Hymne „Niemals geht man so ganz“, stehen stellvertretend für die enorm hohe musikalische Qualität des gesamten Teams, das hinter Tommy Engel steht.

Mit dem Bläck Fööss-Hit „Ming eetste Fründin“ trafen Engel & Band schließlich mitten ins Herz der eher traditionell ausgerichteten Fans, die auch hier wieder begeistert mitsangen. Dazu gesellte sich dann aber auch schiere Experimentierfreude. Die Fööss praktizierten früher durch ihre Zusammenarbeit etwa mit den südafrikanischen „Ladysmith Black Mambazo“ bereits Weltmusik, als dieses Etikett noch nicht so abgegriffen war. Also intonierten die Musiker kurzerhand einen hochentspannten Reggae-Rhythmus, den Tommy Engel mit dem Text von „Drink doch eene mit“ versah und sich dann als Zulu-Kriegstänzer auf der Bühne versuchte. Das war mindestens so lustig wie Engels kurze Pavarotti-Interpretation im Zugabenteil. Wer die berühmte Arie „Nessun dorma“ aus Puccinis Oper Turandot in „E Tässche Dornkaat“ verwandelt, kann kein schlechter Mensch sein.

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