Tollität lässt Rosen auf Untertanen regnen

Von: Andreas Röchter
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Prinz Ralf II.
Prinz Ralf II. (Hesselmann) könnte die ganze Welt umarmen. Über fünf Stunden lang bot sich den Zuschauern in der Weisweiler Festhalle ein Programm mit dem Besten, was die Eischwiele Fastelovend zu bieten hat. Foto: Andreas Röchter
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Über fünf Stunden lang bot sich den Zuschauern in der Weisweiler Festhalle ein Programm mit dem Besten, was die Eischwiele Fastelovend zu bieten hat. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Wahnsinn!“ So lautete das häufig gebrauchte Urteil innerhalb der festlich gekleideten Jeckenschar angesichts der Blumenmassen, die am frühen Samstagabend in der proppenvollen Festhalle Weisweiler auf sie herunterprasselten.

Der zu diesem Zeitpunkt noch designierte Prinz Ralf II. (Hesselmann) schöpfte während seines gefühlt einige Stunden andauernden Einmarschs in Richtung Bühne und Proklamation im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Vollen, umjubelt von seinem zukünftigen Narrenvolk. Letztgenanntes trug den Präsidenten der KG Lätitia Blaue-Funken-Artillerie Weisweiler förmlich auf Händen durch den Saal.

„Die ersten siebeneinhalb Meter sind bereits geschafft“, jubilierte auch Komitee-Präsident Norbert Weiland schlappe 15 Minuten nach dem Startschuss, den Zeremonienmeister Georg (Auzinger), begleitet von lautstarken Ovationen der Untertanen, verbal abgegeben hatte. Unzählige Zeigerumdrehungen und wenige Meter später konnte die Tollität schließlich samt eindrucksvollem Gefolge, darunter die Prinzenbläser unter der Leitung von Dietmar Krauthausen und die sieben fantastischen Pagen Annelie, Ella, Kira, Mara, Mia, Leo und Philipp, die Treppenstufen zur Bühne erklimmen, wo sich wenige Augenblicke später der Traum „Eenmol Prinz ze sin, in Eischwiele an de Ing“ tatsächlich erfüllen sollte.

Insignien der närrischen Macht

Norbert Weiland hielt für den ehemaligen Feuerwehrmann, Italien-, Holland-, Motorrad- und Skifan, der im Mai 1968 im Dürwisser Erlenweg (nach einem zuvor getätigten kurzen Umweg über eine Nachbarstadt, deren Namen in Karnevalshochburgen im großen und ganzen als nahezu unbekannt gilt) das Licht der Welt erblickte, die traditionellen „Machtutensilien“ Prinzenmütze, Pritsche, den Prinzenstern-Orden, Urkunde sowie Stammbuch bereit und ernannte Tollität Prinz Ralf II. zum Narrenherrscher über das herrliche Städtchen Ascvilare. Als der frischgebackene Prinz dann auch noch den symbolischen Stadtschlüssel aus den Händen von Bürgermeister Rudi Bertram entgegennehmen durfte, gab es weder auf noch vor der Bühne ein Halten.

„Gebt die Stimmung und die Atmosphäre, die heute Abend hier deutlich zu spüren ist, in den kommenden fünfeinhalb Wochen weiter. Nehmt alle Menschen in Eschweiler mit. Ich denke dabei unter anderem an den Kinderzug in Eschweiler-Ost an Weiberfastnacht und die großen Augen und frohen Herzen, mit denen die Kinder euch erwarten werden. Sind Prinz und Zeremonienmeister dann vor Ort, ist die Welt für die Kinder in Ordnung“, gab Rudi Bertram dem Prinzenpaar eindringliche Worte mit auf den Weg.

Bereits vor dem Einmarsch seiner Tollität hatte Norbert Weiland nachdenkliche Sätze gesprochen: „In welch einer Zeit leben wir eigentlich? War zuvor alles verkehrt? Warum können wir Menschen anscheinend nicht in Frieden, Freundschaft und Eintracht miteinander leben? Würden die Menschen auf dieser Welt wieder etwas menschlicher miteinander umgehen, wäre es wunderschön, ein Mensch zu sein!“

Dem offiziellen Teil der Prinzenproklamation folgte ein Programm der Spitzenklasse: Schon vor dem Einmarsch der Standartengruppen der Eschweiler Karnevalsgesellschaften hatten die Jugendtrompeter „Die Weisweiler“ im Vorprogramm das Publikum glänzend unterhalten. Im Anschluss an die Ernennung seiner Tollität zu Prinz Ralf II. war es nun für Hofnärrin Dorothee Schmitz an der Zeit, Eschweiler und seinem oftmals närrischem Völkchen den Spiegel vorzuhalten. Die Narrenzünftlerin schüttelte ihr Haupt über die Umweltzone, gelbe Säcke in der Fußgängerzone und fand deutliche Worte in Richtung Talbahnschranke am Langwahn: „Mondflüge sind heute kein Problem, für Bahnschranken gibt‘s aber anscheinend noch kein System!“ Und dass in Eschweiler keine Kinder mehr zur Welt kommen, fand ebenfalls nicht den Beifall der Hofnärrin. „St. Bethlehem ist für Indestädter nun de erste Adress, wat is dat für ne herrliche Drieß?“, fragte sie.

In seiner Ansprache blickte Prinz Ralf II. auf das in jüngster Vergangenheit Erlebte zurück: „Ob Prinzenwahl, Tag des Karnevals, der Elfte im Elften oder die Kürung – Georg und ich haben dank euch bereits Tage und Wochen erlebt, die wir unser Leben lang nicht vergessen werden“, so die Tollität, die versprach, gemäß dem Motto „met jecke Tön de Tromm jeklopp, mir stelle Eischwiele om Kopp“ bis Aschermittwoch jede Menge Freude verbreiten zu wollen. Dazu sollen auch die vom Prinzengespann aufgestellten elf Paragraphen (plus Paragraph 11a) beitragen, die unter anderem vorschreiben, an jeder indestädtischen Schule mindestens einmal pro Woche Eischwiele Platt zu unterrichten, das „Möchtegern“-Atomkraftwerk Tihange sofort abzuschalten, Freibier für alle in der Indestadt und sonstwo zu garantieren, die Zeit von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch auch offiziell zu Feiertagen zu erklären und (natürlich) Regen an Rosenmontag kategorisch zu verbieten.

Gehörig „de Nerve am zommele“ hatte „De Brejmuhl van Bersch“ Stephanie Büscher, die problemlos in drei Sprachen parlierte: „Platt, Hochdütsch und fließend über andere Lüü.“ Nachdem Komitee-Präsident Norbert Weiland mit Andrea Hesselmann und Anita Auzinger die besseren Hälften des Prinzengespanns mit Blumen geehrt hatte, griffen Wolfgang Mertens (Prinz der Session 2002/2003) und Christian Wolny (Zeremonienmeister 2007/2008) zum Mikrofon und hießen die neuen Herrscher im Kreis des närrischen Hochadels willkommen. Bereits zum zweiten Mal „in Whiteweiler on stage“ begab sich Letitia Monday-Roses (Pia Kolvenbach) von der „Academy of life­style and amazing friendship“, kurz Alaaf, um nicht nur Grüße aus Übersee auszurichten, sondern Prinz „Ralf Ei-ei-point und Zeremonienmaster George“ auch vollkommen berechtigt die „Golden Pappnose“ zu verleihen.

Spektakuläre Tänze

Natürlich kamen auch die Freunde des karnevalistischen Tanzes während der Proklamation voll auf ihre Kosten: Sechs Tanzpaare und elf Mariechen des Komitees faszinierten das Publikum mit ihrer schwungvollen Darbietung genauso wie das Tanzcorps der „Höppe Kroetsch“, das mit waghalsiger Akrobatik den Zusehern den Atem raubte. Dies gelang auf ganz andere Art und Weise den Protagonisten der Tanzrevue der Eschweiler „Mutter Scharwache“.

Musikalisch brillierten der Trompetensound „Die Weisweiler“ und die Mundartgruppe „Puddelrüh“. Kurz vor dem frühen Morgen erstrahlte die Bühne dann vollends in Blau und Weiß, als das gesamte Korps der Lätitia „ihrem“ Prinzengespann die Aufwartung machte. Mit Dankesworten des sich nun in Amt und Würden befindlichen Prinzen Ralf II. und Schlusssätzen des Komitee-Präsidenten ging ein fulminanter Abend auf die Zielgeraden. Standesgemäß verkündete schließlich Zeremonienmeister Georg das Ende der Proklamation, die einen grandiosen Start in fünfeinhalb wahrlich tolle Wochen bot.

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