Tödliche Familientragödie in Eschweiler

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
Beziehungsdrama in Eschweiler: Ein Toter, zwei Schwerverletzte
Beziehungsdrama in Eschweiler: Bei einer Schießerei auf offener Straße sind in Dürwiß ein Mensch getötet und zwei weitere schwer verletzt worden. Foto: Ralf Roeger

Eschweiler. Noch am Sonntag verharrte Dürwiß in Schockstarre. Kaum einer konnte begreifen, was sich am Samstagmorgen kurz vor 11 Uhr auf der Bonhoefferstraße ereignet hat. Es war schließlich ein normaler Samstag in der Straße.

Ein Tag, an dem man mit den Menschen auf dem Weg zum Einkauf ins Gespräch kommt, schließlich liegt in unmittelbarer Nähe ein Supermarkt. Menschen arbeiten im Garten, kehren die Straße. Sie alle werden durch die Schüsse aus der Idylle gerissen.

Schon am Samstag war den Ermittlern klar, dass sich eine schreckliche Familientragödie ereignet hat, an deren Ende ein 53-Jähriger keinen Ausweg mehr wusste. Es passierte an der Einmündung zur Heinrich-Heine-Straße: Mit einer Pistole in der Hand lauerte er seiner von ihm getrennt lebenden Frau und ihrem neuen Lebensgefährten auf und eröffnete das Feuer. Viele Menschen auf der Straße bekamen das mit.

Ein Passant, der den 53-Jährigen auch persönlich kennt, versuchte ihn sogar noch aufzuhalten. Vergeblich. Mehrere Schüsse verletzten die Frau schwer, die am Steuer ihres weißen Kleinwagen saß, zwei Kugeln trafen den Bauch des neuen Lebensgefährten auf dem Beifahrersitz. Dann bereitete der Schütze seinem Leben selbst ein Ende.

Offiziell wollte sich die Staatsanwaltschaft nicht zu Hintergründen der schrecklichen Ereignisse äußern, erst am Montag will sie Antworten geben. Aber die Familie ist in Dürwiß bekannt. Vor einer Woche traf sie bereits ein schwerer Schicksalsschlag: Der 26-jährige Sohn brachte sich selbst um. Auch die 22-jährige Tochter wird seit Tagen vermisst, die Polizei versuchte vergeblich, zur ihr Kontakt aufzunehmen.

Am Freitagabend soll es zu einem heftigen Streit in der Eigentumswohnung gekommen sein, in der die 48-Jährige mit ihrem Lebensgefährten wohnt. Nachbarn wollen den 53-Jährigen gehört haben, wie er seine Frau lautstark beschimpfte. Niemand ahnte zu diesem Zeitpunkt, dass die Auseinandersetzung so fürchterlich endet.

Wie häufig der 53-Jährige letztlich geschossen hat, wollten die Ermittler nicht mitteilen. Als die Spurensicherung den Tatort am Samstag untersuchte, markierten sie die Beweisstücke. Mehrere Patronenhülsen liegen auf der Straße und auf den Gehwegen wild verstreut. Sie alle waren mit Zahlen versehen, an einer Metallhülle stand ein Schild mit der Nummer 14. Die Seitenscheiben des Wagens waren zersprungen, auf der ganzen Fahrbahn lagen Glassplitter. Über zwei Stunden lang lag der Leichnam des Schützen mit einer blauen Plane abgedeckt auf dem Gehweg, erst dann wurde neugierigen Schaulustigen die Sicht genommen.

Weiträumige Absperrung

Schon am Dürwisser Ortseingang wiesen viele Polizeifahrzeuge darauf hin, dass etwas Schreckliches passiert sein muss. Die Fahrt in die Heinrich-Heine-Straße wurde an der Tankstelle verweigert. Absperrbänder der Polizei hielten viele Neugierige zurück. Dennoch bildeten sich vor allem hinter dem Supermarkt immer wieder Menschentrauben.

Die Kriminalpolizei sammelte viele Zeugenaussagen. Es meldete sich auch eine Bekannte des 50-jährigen Beifahrers, der inzwischen ins Eschweiler Krankenhaus gebracht worden war. Sie habe mit ihm telefoniert, als die Schüsse fielen. Demnach soll der 53-Jährige seine Frau direkt angesprochen haben, bevor die ersten Schüsse fielen. Letztlich gehen die Ermittler aber von einer Verzweiflungstat aus.

Am Sonntag stand nicht fest, ob die 48-Jährige ihre Schussverletzungen übersteht. Die Ärzte im Aachener Klinikum kämpften um ihr Leben. Ihr 50 Jahre alter Lebensgefährte war außer Lebensgefahr. Er wird im Eschweiler Krankenhaus behandelt.

Den Samstag, 30. Juli, werden viele Leute dort nicht vergessen. „Sowas in Dürwiß, unglaublich. Man denkt immer, das passiert nur woanders”, schüttelte eine Nachbarin den Kopf. Auch sie kannte die Familie, die unauffällig und „völlig normal” war: Haus, Schrebergarten - „und sonntags ging es in die Kirche”. Andere schildern, dass häufig gestritten wurde. Es kursieren viele Gerüchte, aber eines steht fest: Nach Samstagmorgen ist in der Bonhoefferstraße nichts mehr so, wie es mal war.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert