„Tiergestützte Pädagogik“ mit Unterricht am Computer

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
9287945.jpg
Alles rund ums Schaf und die anderen Tiere an der Willi-Fährmann-Schule gibt‘s ab sofort in einem eigenen Internetblog. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Wie fotografiert man ein Schwein von seiner besten Seite? Keine einfache Aufgabe, vor allem dann nicht, wenn das Tier sich unter Stroh vergraben hat und ein Nickerchen macht. Randi versucht es trotzdem. Leise pirscht er sich an die beiden Tiere heran und watet durch das Stroh. Er kniet sich neben die beiden schlafenden Tiere und drückt auf den Auslöser der Kamera.

„Geschafft“, flüstert er und tritt leise den Weg in den Computerraum an. Dort warten bereits seine Klassenkameraden auf ihn und die Bilder, die er gemacht hat. „Hast du gute Bilder bekommen?“, fragen sie ihn und hoffen auf eine positive Rückmeldung. Schließlich soll das Internet-Blog der Schüler noch am gleichen Tag mit neuen Informationen gefüttert werden.

Seit rund eineinhalb Wochen hat die achte Klasse der Willi-Fährmann-Schule ein eigenes Internet-Blog. In diesem stehen jedoch nicht die Schüler, sondern die Tiere der Schule im Vordergrund. Seit rund zehn Jahren nimmt die Schule an dem Projekt „Tiergestützte Pädagogik“ teil und wird von dem Verein Terra Mater unterstützt. Schweine, Meerschweinchen, Hähne, Enten, Schafe, Ziegen, Hasen und Hühner leben im Schulgarten und werden dort von den Mitgliedern der Tier-AG versorgt.

Doch längst nicht jeder Jugendliche könne etwas mit den Vierbeinern anfangen, weiß Klassenlehrerin Anja Thelen. Das soll sich mit dem Blog ändern. Im Sommer des vergangenen Jahres entstand die Idee, den Unterricht am Computer und die Tiere miteinander zu verbinden. Seitdem beschäftigen sich die zwölf Schüler der achten Klasse freitags in der fünften und sechsten Unterrichtsstunde mit den Vierbeinern.

„Wir wollten, dass die Verbindung zu den Tieren für alle Schüler gegeben ist. Bei einem Blog kann sich jeder so einbringen, wie er es möchte“, sagt Thelen und erklärt dies anhand eines Beispiels: „Wer mehr Kontakt zu den Tieren haben möchte, der kann sie fotografieren. Wer weniger Kontakt will, der schreibt darüber.“

Das Blog umfasst verschiedene Rubriken, die von den Schülern, die in Gruppen eingeteilt sind, bearbeitet werden. Dazu gehören nicht nur die Steckbriefe der verschiedenen Vierbeiner sowie der Pflanzen, die es in der Schule gibt, sondern auch Interviews mit Lehrern und die Beschreibung der Arbeiten, die für jedes Tier erforderlich sind. Um Letzteres kümmern sich Arthur und Steve. Sie tragen zusammen, wie die Schweine versorgt werden müssen. Das Stallausmisten gehört genauso dazu wie das Füttern der Tiere.

Im vorderen Teil des Raums arbeiten Kimberly und Julia fleißig am Steckbrief der beiden Schulschweine Big Mama und Big Daddy. Diese haben sie bereits vor einigen Wochen fertiggestellt und mit Informationen rund um die Themen Nahrung, Fortpflanzung und Merkmalen ausgestattet. In dieser Schulstunde werden sie abgetippt. „Das macht uns sehr viel Spaß“, sagt Kimberly. Rund drei Wochen haben die beiden Mädchen gebraucht, um die Steckbriefe für alle Tiere fertigzustellen. In den kommenden Wochen werden sie nach und nach abgetippt und gehen dann online.

Die Beiträge der Schüler samt Fotos werden von Klassenlehrerin Anja Thelen gesammelt und am Abend ins Internet gesetzt. Nicht nur die Schüler seien auf ihr eigenes Blog sehr stolz, sondern auch die Schulleitung und Kollegen, erzählt Thelen. „Wer sich für unsere Schule und das Projekt interessiert, erhält jetzt wöchentlich Infos darüber und nicht nur zu bestimmten Anlässen“, meint die Lehrerin.

Besonders engagiert ist Schülerin Dana. Sie ist nicht nur Mitglied der Tier-AG, sondern auch Ansprechpartnerin für ihre Mitschüler. Fragen zum Thema Tiere und Pflanzen kann sie auf Anhieb beantworten. „Ich mag Tiere sehr gerne, weil man lernen kann, Verantwortung zu übernehmen. Wenn einer was über die Tiere wissen möchte, dann kommt er zu mir“, sagt sie.

Besonders toll findet die Schülerin die Enten, die auf dem Schulgelände leben. „Die laufen mir immer und überall hinterher“, erklärt sie. Auch mit den anderen Tieren könne sie gut umgehen. „Die Schweine lassen sich von mir streicheln und die Hühner fressen mir aus der Hand“, erklärt sie stolz. Seit zwei Jahren besucht Dana die Schule und hat sich gut eingelebt. „Ich versuche fleißig mitzuarbeiten. Auch das Stallausmisten macht mir nichts.“

Niklas hingegen ist erst seit kurzem in der Klasse und arbeitet an diesem Tag an einem Interview mit Schulsozialarbeiterin Carolin Emondts-Seeger. Yanik und Randi machen in der Zwischenzeit Fotos von den Tieren und merken, dass das gar nicht so einfach ist wie gedacht. „Wir dürfen sie nicht erschrecken“, meint Yanik. Am Ende hat es doch noch geklappt und der Eintrag zum Thema Schweine kann online gehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert