Thomas Schlenter löst Willi Bündgens an der CDU-Spitze ab

Von: Andreas Röchter
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Stabübergabe: Thomas Schlenter (links) übernimmt als Nachfolger von Willi Bündgens das Amt des CDU-Stadtverbandsvorsitzenden. Während der Mitgliederversammlung erhielt der 26-Jährige 60 von 61 Stimmen. Foto: Andreas Röchter
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Das ist die neue Mannschaft: Der frischgewählte Vorstand des CDU-Stadtverbands.

Eschweiler. Der Generationenwechsel ist vollzogen: Thomas Schlenter ist neuer Vorsitzender des CDU-Stadtverbands und tritt damit die Nachfolge von Willi Bündgens an, der nach sechs Jahren im Amt nicht mehr zur Wiederwahl kandidierte, weiterhin aber als Vorsitzender der CDU-Stadtratsfraktion fungieren wird.

Während der Mitgliederversammlung in der Festhalle Dürwiß erhielt der 26-jährige bisherige stellvertretende Vorsitzende und ehemalige Vorsitzende der Jungen Union Eschweiler am Freitagabend 60 Ja-Stimmen und ein Nein.

Ihm zur Seite stehen werden als stellvertretende Vorsitzende Sandra Räke und Wilfried Berndt. Zum neuen Geschäftsführer wurde mit Gerhard Kersten ein Altersgenosse von Thomas Schlenter gewählt. Den Vorstand komplettieren die stellvertretenden Geschäftsführer Thomas Felber und Werner Henkelmann, Schatzmeister Thomas Graff, Marco Vreydal als Referent für neue Medien sowie die Beisitzer Willi Bündgens, Brigitte Kruber-Barlé, Bernd Leuchter, Maria Mund, Mark Pützer, Jürgen Wings und Sebastian Wosch.

Bessere Wirtschaftsförderung

Es war eine kurze, aber angriffslustige Vorstellungsrede, die Thomas Schlenter vor den Wahlgängen hielt: „Wer registriert, wie Eschweiler regiert wird, dem wird klar: Eschweiler braucht eine starke CDU!“ Trotz der verkehrsgünstigen Lage und trotz der Nähe zur RWTH Aachen bleibe die Indestadt mit einer Arbeitslosenquote von knapp zehn Prozent deutlich hinter ihren Möglichkeiten zurück. Eine verbesserte Wirtschaftsförderung mit dem Ziel, mehr Menschen in Lohn und Arbeit zu bringen, sei das Gebot.

Auch die Themen Sicherheit und Sauberkeit müssten einen Platz weit oben auf der Agenda erhalten. „Wer kommt in Eschweiler einkaufen, wenn der Müll durch die Fußgängerzone fliegt? Und wer fühlt sich in Eschweiler sicher, wenn nächtliche Autoaufbrüche zur Normalität werden?“, fragte Thomas Schlenter in die Runde. Die SPD kenne die Probleme, tue aber nichts.

„Wir streben eine lebens- und liebenswerte Stadt an. Dafür benötigen wir solide Kommunalfinanzen. Doch in den zurückliegenden sieben Jahren haben sich die Kassenkredite vervierfacht. Eschweiler wird heruntergewirtschaftet und lebt über seine Verhältnisse“, so der Wirtschaftsjurist. „Wir müssen den Menschen klar machen: rote Mehrheit, rote Zahlen – schwarze Mehrheit, schwarze Zahlen!“

Nach vorne blickend müsse die CDU Eschweiler jünger und weiblicher werden. „In unserer Partei sollen sich Erfahrung und neue innovative Ideen ergänzen. Die CDU soll Heimat für Menschen sein, die anpacken wollen. Unsere Aufgabe ist es, zuzuhören, zu erklären und die Menschen mitzunehmen. Wir müssen den Kontakt zu den Menschen suchen und pflegen. Die CDU muss eine Partei sein, die das Ohr am Volk hat“, schloss Thomas Schlenter seine mit starkem Applaus bedachten Ausführungen.

Zuvor hatte bereits der zum Versammlungsleiter gewählte Kreisvorsitzende Axel Wirtz die inde-städtischen Christdemokraten aufgefordert, klare Oppositionspolitik zu betreiben. „Wenn schon die politisch eindeutig rot dominierte Finanzaufsicht auf Bezirks- und Landesebene die Stadt Eschweiler ermahnt, dann muss vieles im Argen liegen“, so der Landtagsabgeordnete, der die SPD-Mehrheit in Eschweiler nicht für „gottgegeben“ hält und die CDU auf dem Vormarsch sieht. „Kompliment an Willi Bündgens, der der Partei an der Stelle des Stadtverbandsvorsitzenden gutgetan hat“, dankte Axel Wirtz dem Fraktionsvorsitzenden.

Dieser hielt während der Mitgliederversammlung die längste Rede des Abends, in der er kritisch auf die zurückliegenden sechs Jahre, in denen er das Amt des Stadtverbandsvorsitzenden bekleidete, zurückschaute. Seine oftmals sehr direkte Art sei nicht bei allen Mitgliedern immer auf Beifall gestoßen. „Doch ich wollte ja kein Kloster leiten, sondern eine Partei führen, deren Grundüberzeugungen mich einst zum Eintritt bewegten, die aber in Eschweiler in eine deutliche Schieflage geraten war“, begründete er seine „Raubeinigkeit“.

Trotzdem oder vielleicht auch gerade deswegen stelle die CDU in Eschweiler aber inzwischen wieder eine Einheit dar, die über politische Inhalte streite, aber zu Geschlossenheit und Zusammenhalt zurückgefunden habe. „Wir werden unsere Arbeit in der Opposition uneingeschränkt fortführen. Die vom Grünen-Fraktionsvorsitzenden Dietmar Widell während einer Ratssitzung getätigte Aussage, dass seit meiner Ankunft im Rat viel Unruhe herrsche, habe ich als Ehrung für die gesamte CDU-Fraktion gerne zur Kenntnis genommen“, betonte Willi Bündgens unter dem Applaus der Zuhörer.

Mit vollkommenem Unverständnis reagierte der Christdemokrat allerdings auf die Entscheidung des ehemaligen CDU-Bürgermeisterkandidaten Christoph Herzog, samt Listenmandat zur SPD „überzulaufen“. „Meiner Meinung nach ist es schändlich, bei einer CDU-Sitzung dabeizusein und auch noch an Abstimmungen teilzunehmen, um dann am Ende der Sitzung verlauten zu lassen, zur SPD zu wechseln und freudestrahlend das Fraktionszimmer zu tauschen“, machte Willi Bündgens, der den Charakter von Christoph Herzog in Frage stellte, seinem Unmut Luft.

Berndt nimmt zweiten Anlauf

Einen etwas weiteren Blick in die Zukunft warf Wilfried Berndt, der im Vorfeld der Wahl der stellvertretenden Stadtverbandsvorsitzenden verkündete, sich durchaus vorstellen zu können, bei der nächsten Kommunalwahl erneut als Bürmeisterkandidat anzutreten. „Sollte es so kommen, möchte ich die 25 Prozent CDU-Stammwähler, die bei der Kommunalwahl im vergangenen Jahr Herrn Bertram gewählt haben, auf meiner Haben-Seite verzeichnen“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister.

Zu Beginn der Mitgliederversammlung hatten die indestädtischen Christdemokraten Thomas Rachel, parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, begrüßt. Der Vorsitzende des CDU-Bezirks Aachen referierte unter der Überschrift „Forschung verändert eine Region“ und unterstrich, dass die Vernetzung von Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft der Schlüssel für dringend notwendige Innovationen innerhalb der Forschungsregion Aachen sei.

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