Thomas Freitag kämpft gegen den Zeitgeist und politischen Irrsinn

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Thomas Freitag alias Herr Schüttlöffel verschanzt sich und wird zum Besetzer seines Arbeitsplatzes.

Eschweiler. „Der kaltwütige Herr Schüttlöffel“ heißt das Programm von Thomas Freitag, das er am Freitag, 13. November, 20 Uhr, auf die Talbahnhofbühne bringt.

Seit 30 Jahren arbeitet Schüttlöffel in einer Stadtbibliothek, die nun geschlossen werden soll. Er ist außer sich, er nimmt seine Bücher als Geiseln und verbarrikadiert sich.

Schüttlöffels Wut richtet sich gegen Zeitgeist und politischen Irrsinn, gegen angebliche Alternativlosigkeit, gegen das Sparen an der Kultur, Schnäppchenjagen, Kapitalismus und Gleichmacherei. Und er führt vor, wie schwer es ist, mit bayrischen Landwirtsfingern ein iPhone zu bedienen.

Für Thomas Freitag bietet sich jede Menge Gelegenheit, sein hohes schauspielerisches Können auszureizen und dem Stück bei aller Ernsthaftigkeit einen hohen Unterhaltungswert zu geben.

Es ist politisches Kabarett in Vollendung: trittsicher balanciert Thomas Freitag auf dem schmalen Grat zwischen intelligentem Witz und bitterem Ernst.

Er versteht es unnachahmlich, die Moralkeule auszupacken, ohne als Moralist dazustehen. Davor bewahren ihn Sarkasmus und feine Ironie. Geradezu klammheimlich muss man als Zuschauer immer wieder zugeben, dass man mitunter auch zu jenen gehört, die auf der einen Seite anprangern, aber auf der anderen Seite zu bequem oder zu geizig sind, um selbst etwas zu ändern. Hochabwechslungsreich und komödiantisch zerpflückt und zerpflügt Freitag die letztlich selbst verantworteten Malaisen unserer Gesellschaft, amüsant, bissig und intelligent.

Deutschland, das war einst das Land großer Geister. Damals suchte man nach gewichtigen Idealen, heute nach dem Ideal-Gewicht. Thomas Freitag begibt sich in seinem neuen Programm auf eine Reise zu den Gipfeln – und ins Flachland unserer Kultur und Politik.

Er stellt die Überväter der Vergangenheit den Enkelchen der Gegenwart gegenüber. Den Reichsfreiherrn vom und zum Stein unserem Steinmeier, Gutenberg unserem Guttenberg, Marx unserer Merkel.

Bücher, Bilder, Bundestag

Schüttlöffel wird zum Besetzer seines Arbeitsplatzes, verschanzt sich, leistet Widerstand. Kaltwütig.

Er demonstriert in Gestalt der Helden und Kasper unserer Kultur, wandert durch Bücher, Bilder und den Bundestag.

Und Thomas Freitag hegt den Verdacht: So doof wie wir manchmal scheinen, sind wir vielleicht gar nicht. Oder doch?

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